Die Aufgaben werden anspruchsvoller, die Basis scheint ohne neue Mitglieder zu bröckeln, aber von Krisenstimmung ist nichts zu spüren. Auf diesen Nenner lässt sich das Ergebnis der Hauptversammlung des Vereins der Freunde der Erzabtei St. Martin zu Beuron bringen. Gleichzeitig übten die Vertreter des Vereins und Erzabt Tutilo Burger demonstrativ den Schulterschluss. Denn die bevorstehenden Aufgaben sind nach Überzeugung von Kloster und Verein nur gemeinsam und mit Hilfe der öffentlichen Hand zu bewältigen.

Ausgaben übersteigen Einnahmen um 70 000 Euro

Da ist zunächst der Verein selbst, der sich 30 Jahre nach seinem Bestehen in weiten Teilen neu erfinden muss. Darauf wiesen im Festsaal der Abtei fast alle Redner hin. Drei Zahlen stehen für die Sorgen des Vereins. Im Kassenbericht von Schatzmeister Reinholf Schlegel wurde deutlich, dass den Gesamteinnahmen des Jahres 2018 von nahezu 120 000 Euro Ausgaben von 190 000 Euro gegenüberstehen. Gleichzeitig sind die Einnahmen durch Spenden und Zuwendungen gesunken: von 132 000 Euro im Jahr 2017 auf 120 000 Euro. Noch hat der Verein genügend Guthaben, um das Defizit auszugleichen.

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Viele Mitglieder im fortgeschrittenen Alter

Aber der Rückgang der Einnahmen läuft gemeinsam mit einem Rückgang der Mitglieder. Kassenprüfer Ortwin Guhl nannte Zahlen: „Wir haben innerhalb weniger Jahre einen Mitgliederrückgang von 1700 auf derzeit 1400 zu verkraften.“ Viele Mitglieder seien in einem fortgeschrittenen Alter. „Wir brauchen dringend neue Mitglieder.“

Vorsitzender Thomas Bareiß kündigt Ausbau der Veranstaltungen an

Thomas Bareiß, der den Verein seit 2017 leitet, betonte in seinem Rechenschaftsbericht, wie wichtig es sei, in der Öffentlichkeit stärker wahrgenommen zu werden. Er kündigte an, die Reihe der öffentlichen Veranstaltungen im Kreis Sigmaringen und den Nachbarlandkreisen weiter auszubauen. Die seit Jahren erfolgreichen Konzerte in der Klosterkirche bleiben erhalten. Der Verein sei für die Bewältigung der Zukunftsaufgaben gut gerüstet. Derzeit ist man auf der Suche nach einem neuen Geschäftsführer. Diese Position muss aus Sicht der Vorstandschaft unbedingt wieder besetzt werden.

Gästehaus Klosterhof in marodem Zustand

Weitere Aufgaben für die Zukunft umriss Alois Henne, im Vorstand für die Bautätigkeiten zuständig, verwies darauf, dass die meisten Aufgaben des Positionspapiers, das 1989 bei der Vereinsgründung erarbeitet worden war, in den 30 Jahren erledigt worden sind. Dafür tun sich jetzt neue Anforderungen auf. Die Zukunft des 1904 erbauten Gästehauses der Abtei, der Klosterhof, ist nach wie vor ungeklärt. Wie auch die Architektin Agnes Moschkon bestätigte, wurden in den jüngsten Monaten Maßnahmen ergriffen, um die Bausubstanz vor weiterem Zerfall zu schützen.

Erzabt: Kloster ist mit Unterhalt des Gebäudes überlastet

Erzabt Tutilo Burger erklärte, die Mönchsgemeinschaft habe 100 000 Euro aufbringen müssen, um beispielsweise ihrer Verkehrssicherungspflicht nachzukommen. Das große Gebäude steht mitten im Ort an einer öffentlichen Straße und Fußgänger könnten durch herabfallende Gebäudeteile verletzt werden. Der Abt lehnte weitere Ausgaben für den Klosterhof ab, da das Kloster mit dem Unterhalt und Betrieb des Gebäudes sonst überlastet sei.

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Platz für Ausstellung der Kunstsammlungen des Klosters

Eine weitere Aufgabe hat mit dem Rückgang der Mönche zu tun. Durch die Zusammenführung der Wohnzellen in einem Gebäudeteil kann nach dem bisherigen Stand der Planungen in den frei werdenden Räumlichkeiten Platz für die Ausstellung der Kunstsammlungen des Klosters geschaffen werden. Die Zimmer im Gästeflügel müssten um Nasszellen erweitert werden, sagte der Abt. Die Großküche sei noch ausgerichtet für die Versorgung von 600 Menschen, die hier bekocht werden mussten, als der Komplex ein Weltkriegslazarett war. Sie müsse verkleinert und modernisiert werden.