Im Hausener Tobelhaus fand eine öffentliche Gemeinderatssitzung mit nur einem Tagesordnungspunkt statt, der Verpflichtung des alten und neuen Beuroner Bürgermeisters. Raphael Osmakowski-Miller hatte im Juli nicht nur 92 Prozent der Wählerstimmen bei einer Wahlbeteiligung von 45,2 Prozent erhalten, er erntete auch reichlich Lob für seine Arbeit und seine Zukunftspläne.

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Bürger waren vor seiner ersten Wahl skeptisch

Es tut sich was im Tal, das erkennt man schon während der Anfahrt zum Tobelhaus des Kulturrings: Bagger, Löcher und Absperrungen sind äußere Zeichen für die Aufbruchstimmung, die in Beuron herrscht. Das hatten viele in der kleinsten Gemeinde im Kreis Sigmaringen bei der Erstwahl des ehrenamtlichen Bürgermeisters wohl nicht erwartet. „Was wollen Sie hier, hier können Sie nichts mehr bewegen, nur uns totverwalten“, habe er unter anderem vor acht Jahren hören müssen, erzählte der Bürgermeister im Rahmen der feierlichen Verpflichtung. Er, der hauptberuflich Polizist ist, in Bad Saulgau wohnt und Zunftmeister der Dorauszunft Saulgau ist.

Zur erneuten Verpflichtung von Bürgermeister Osmakowski-Miller sind zahlreiche Ehrengäste, Gemeinderäte, Bürgermeister-Kollegen, Vertreter der Vereine und Bürger gekommen.
Zur erneuten Verpflichtung von Bürgermeister Osmakowski-Miller sind zahlreiche Ehrengäste, Gemeinderäte, Bürgermeister-Kollegen, Vertreter der Vereine und Bürger gekommen. | Bild: Uwe Steinbächer

Bürgermeisterstellvertreter Hans-Peter Wolf sagte, er sei zu Beginn gerade wegen des Fasnet-Engagements der Überzeugung gewesen: „Der kann Gemeinschaft.“ Mit dieser Einschätzung habe er Recht behalten und könne nun bilanzieren, dass der Bürgermeister schaffe und andere miteinbeziehe.

Viel Lob von den Ehrengästen

Das sehen auch die anderen Ehrengäste des Abends so, wie ihren Grußworten zu entnehmen war. Landrätin Stefanie Bürkle konstatierte, dass der Mann, der beim ersten Wahlkampf eine anonyme Flugblattaktion gegen sich miterleben musste, die Einwohnerschaft „von Person und Arbeit überzeugt“ habe. Erzabt Tutilo Burger, der als Vertreter des Klosters bei der Verpflichtung anwesend war, bestätigte die gute Zusammenarbeit und wünschte Raphael Osmakowski-Miller, dass er den Zustand erreicht, den das hebräische Wort „Shalom“ bedeute: das Ziel aller Sehnsucht, ein lebenswerter Zustand und die Überwindung allen Hasses.

„Das ist kein normaler Bürgermeister. Er hat zwei Jobs und macht beide gut“

Nachbar Armin Reitze schaut öfter mal im Tal vorbei. Der Bürgermeister von Leibertingen stellte fest: „Beuron blüht im Verborgenen.“

Leibertingens Bürgermeister Armin Reitze spricht für die Kollegen der Nachbarschaft.
Leibertingens Bürgermeister Armin Reitze spricht für die Kollegen der Nachbarschaft. | Bild: Uwe Steinbächer

Klaus Burger, Mitglied des Landtags, lobte Osmakowski-Miller ebenfalls: „Das ist kein normaler Bürgermeister. Er hat zwei Jobs und macht beide gut“, sagte er anerkennend. Seine Stärke sei das gesprochene Wort.

Abgeordneter Klaus Burger überbrachte die Grüße des Landes und sprach voll Hochachtung vom alten und neuen Beuroner Bürgermeister.
Abgeordneter Klaus Burger überbrachte die Grüße des Landes und sprach voll Hochachtung vom alten und neuen Beuroner Bürgermeister.

Diana Miko ergänzte als Vertreterin der Vereine: „Aber er ist auch ein Mann der Taten.“ Sie überreichte symbolisch einen kleinen Baustellenhelm, den Osmakowski-Miller in den nächsten Wochen und Monaten noch gut brauchen kann.

Osmakowski-Miller: Donautal von der Vergangenheit in die Zukunft katapultieren

Denn er wird noch oft die vielen Baustellen im Tal besuchen und zahlreiche Gespräche mit den Partnern der verschiedenen Projekte führen müssen, ehe seine Visionen wahr werden. Aber mit der Unterstützung aus dem Land, das viele Fördermittel für Beuron bewilligte, wolle er die nächsten Aufgaben angehen, sagte Osmakowski-Miller: „Ich will das Donautal von der Vergangenheit in die Zukunft katapultieren.“

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Der alte und neue Bürgermeister dankte allen Partnern für die Unterstützung, vor allem aber seiner Frau Conny Miller, die sich um die beiden Kinder kümmere und ihm den Rücken freihalte. „Nach 32 Jahren wurde mal wieder ein Bürgermeister Beurons wiedergewählt“, machte Osmakowski-Miller mit einem Augenzwinkern die Bedeutung des Tages klar.

So sehen seine Pläne für die Zukunft aus

Im SÜDKURIER-Gespräch erläuterte der Bürgermeister, welche Projekte er in der Gemeinde in Zukunft angehen möchte. „Wir wollen die erste komplett Glasfaser-verkabelte Flächengemeinde Deutschlands sein“, formulierte Osmakowski-Miller das ambitionierte Ziel der derzeitigen Maßnahmen. Bis Ende 2021 sollen „vom Käppelerhof bis zu den Reinfelder Höfen“ alle davon profitieren.

Breitband, Nahwärme, Wasser im Fokus

Die Umstellung der Straßenbeleuchtung auf LED, der Wohnmobilstellplatz, der Kinderspielplatz, die Bauhofsausstattung, der Vereinsunterstützung und vieles Weitere wurden bereits erreicht. Nun sollen Breitbandausbau, Nahwärme- und Wasserversorgung folgen. Die Kläranlage in Neidingen wird ausgebaut, um für die Zukunft gerüstet zu sein. In Zusammenarbeit mit der Kirchengemeinde soll ein neuer Kindergarten entstehen und ein Bahnsteig am Luisenpark gebaut werden, damit es mit der Einführung des Stundentakts bei der Bahn klappt.

Der ehrenamtliche Beuroner Rathauschef denkt weiter voraus: In entfernterer Zukunft wolle er auch den Radweg durch Beuron realisieren, aber Priorität hätten derzeit die anderen Aufgaben, sagte er.