Schnapsbrennerei, Biergarten, Erlebnispädagogik, Kanuverleih, Ölmühle und Aktionen für Gruppen aller Art: Das sind die Angebote der Familie Belthle im Beuroner Ortsteil Thiergarten, mit denen der Familienbetrieb seit 25 Jahren Tourismusarbeit im Donautal stemmt. Inzwischen ist auch die Piratenherberge zehn Jahre alt.

6000 Gäste pro Jahr nutzen die Übernachtungmöglichkeit

In dem ehemaligen Verwaltungsgebäude des früheren fürstlichen Hammerwerks Thiergarten sind heute 110 Übernachtungsplätze vorhanden. Wie Jürgen Belthle berichtet, hat sich die Piratenherberge „Jack Rattle„ inzwischen etabliert und verbucht im Jahresdurchschnitt 6000 Übernachtungen. Inzwischen arbeiten in dem Gastronomiebetrieb in der Hochsaison über zwölf festangestellte Kräfte.

Der 13-jährige Paul Belthle kümmert sich um die Bedienung der neuen Ölmühle.
Der 13-jährige Paul Belthle kümmert sich um die Bedienung der neuen Ölmühle. | Bild: Hermann-Peter Steinmüller

Auch der 13-jährige Paul Belthle hilft mit

Es ist noch ziemlich früh am Maifeiertag. Doch der Arbeitsalltag bei den Belthles hat schon begonnen. In der Schnapsbrennerei wird an diesem Tag ein neues Kapitel aufgeschlagen. Paul Belthle stellt die neue Ölmühle vor. Der knapp 13 Jahre alte Schüler sammelt unter den wachsamen Augen seines Vaters Jürgen Belthle seine ersten kaufmännischen Erfahrungen. Er erzählt: „Es macht unheimlichen Spaß, aus Ölsaaten frisches Öl zu pressen.“ Gerade entleert sich aus einem großen blauen Eimer Rapsölsaat in die Mühle. Während an einer Stelle das frisch gewonnene Öl in einen Behälter tropft, kommen aus der Maschine dunkelfarbige Würstchen. Paul erklärt: „Das ist der Überrest der Ölsaat. Er ist sehr proteinhaltig und wird als Tierfutter verkauft, beispielsweise für Hühner.“

Öl aus neuer Mühle soll auch über Bauernläden vertrieben werden

Das Öl soll zunächst im eigenen Betrieb angeboten werden. Aber die Ausweitung des Verkaufs auf Bauernläden ist schon in Vorbereitung, wie der junge Geschäftsmann erklärt. Für Vater und Sohn ist klar: Die nächste Generation Belthle steht in den Startlöchern. Paul zeigt sich als Realist. Bevor es ans Unternehmertum geht, muss er zuerst die Schule abschließen.

In der Küche bereitet Carmen Borchers ein Kartoffelgericht für die Biergartenbesucher vor.
In der Küche bereitet Carmen Borchers ein Kartoffelgericht für die Biergartenbesucher vor. | Bild: Hermann-Peter Steinmüller

Drei BA-Studenten arbeiten mit

Von der Brennerei sind es nur wenige hundert Meter bis zum Hauptsitz, der Piratenherberge. Die erste Tagesarbeit ist bereits getan. Belthle erzählt: „Wir hatten eine 25-köpfige Wandergruppe als Übernachtungsgäste. Nach dem Frühstück haben sie ihre Wanderung fortgesetzt.“ Jetzt gehört die Küche ganz allein Carmen Borchards. Die junge Frau aus Ostfriesland zählt zu den drei Studenten, die im Rahmen ihres dualen Studiums während der Saison in der Piratenherberge arbeiten. Den Winter verbringen sie im Hörsaal der Berufsakademie Ravensburg.

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Die Ostfriesin arbeitet bereits seit einem Jahr in der Piratenherberge. Inzwischen hat sie sich mit ihrer schwäbischen Umgebung angefreundet und findet die Arbeit im Donautal „klasse“. Im Augenblick ist die Studentin damit beschäftigt, Kartoffeln in Schnitze zu schneiden und auf Bleche zu legen. Sie erklärt, dass die Kartoffeln, zusammen mit einigen anderen Zutaten im großen Smoker gegart, auf dem Speiseplan für die Besucher des Biergartens stehen.

Biergarten lockt Besucher an schönen Tagen

Für den Biergarten hat Jürgen Belthle einen Verbindungsweg mit einem massiven Holzpodest überbaut. Der Weg und das benachbarte Gebäude sind in seinem Besitz. Der Gastronom ist davon überzeugt, dass durch die Sperrung des kurzen Verbindungswegs eine für Autofahrer und Fußgänger gefährliche Stelle entschärft worden sei. Noch ist der Biergarten leer. Das werde jedoch nicht so bleiben, meint Belthle: „Die Leute sind noch im Schlechtwettermodus der vergangenen Tage.“ Das werde sich im Laufe der nächsten Stunden aber geben.

Abenteuerangebote für Schulklassen

Das Jack-Rattle-Angebot umfasst nicht nur die Übernachtungsmöglichkeit, sondern beinhaltet auch zahlreiche Freizeitaktivitäten für die Gäste. Im Sommer sind es vorwiegend Schulklassen, die ihre Klassenfahrten ins Donautal unternehmen. An den Wochenenden seien es meist Erwachsenengruppen, beispielsweise von Firmen oder Vereinen, die sich eine Auszeit im Donautal gönnen. Zur Betreuung dieser Gruppen stehen ebenfalls Mitarbeiter der Piratenherberge zur Verfügung. Für die Kinder gibt es Abenteuerangebote, wie beispielsweise das Felsenklettern oder das Paddeln auf der Donau in Richtung Sigmaringen.

In trockenen Sommern Ausweichmöglichkeiten zum Paddeln

Mit dem Paddeln und dem Verleihen der dazu nötigen Kanus haben sich die Belthles ihr erstes Standbein geschaffen. Wegen des Klimawandels werde dies immer schwieriger, wie Jürgen Belthle schildert. Sei es im Sommer heiß und trocken, werde die Donau zum Rinnsal.

Mit dem Kanu ins Elsass oder auf die Schussen

„Sobald ein Mindestpegel unterschritten ist, dürfen wir keine Boote mehr in die Donau einsetzen“, schildert Belthle die Situation. Um den Kunden dennoch Paddeln zu ermöglichen, hat er sich bereits 2018 um Ausweichmöglichkeiten im Elsass und auf der Schussen bei Ravensburg gekümmert.