Aus Sicht der Bahn ist mit einer schnellen Aufhebung der Langsamfahrstelle auf der Strecke zwischen Sigmaringen und Tuttlingen beim Talhof nicht zu rechnen. Beim Besuch des baden-württembergischen Verkehrsministers Winfried Hermann nannten die Bahnvertreter als geplanten Termin das Jahr 2026. Erst in sieben Jahren soll der neue Bahnübergang zwischen der L 277 und dem Talhof gebaut werden. Der Neubau des Bahnübergangs ist nach einem tödlichen Unfall im vergangenen Jahr nötig geworden.

Die für alle Züge – nicht nur für Museumsloks – geltende Langsamfahrstelle beim Talhof zwischen Beuron und Hausen i.T. soll durch den Bau eines modernen Bahnübergangs erst 2026 behoben werden.
Die für alle Züge – nicht nur für Museumsloks – geltende Langsamfahrstelle beim Talhof zwischen Beuron und Hausen i.T. soll durch den Bau eines modernen Bahnübergangs erst 2026 behoben werden. | Bild: Hermann-Peter Steinmüller

Landesregierung, Bahnbetreiber und die Deutsche Bahn sehen indes gute Chancen, die Ablachtalbahn zwischen Stockach und Mengen wieder in Betrieb zu nehmen. Ein konkretes Datum nannte Minister Hermann nicht. Sollten sich die Anliegergemeinden auf eine Kommunalisierung des Schienenstrangs einigen, geht Winfried Hermann von einer 75-prozentigen Beteiligung der Stuttgarter Staatskasse an den Kosten für die technische Erneuerung der Strecke aus.

Zunächst vor allem für Güterverkehr

Die wiedereröffnete Strecke wird aus Sicht des Ministers zunächst überwiegend für den Güterverkehr genutzt werden. Allerdings sicherte Hermann zu, dass das Land für Tourismuszüge sorgen werde. Ein großes Potenzial sieht der Politiker für den Erhalt und den Ausbau des Güterverkehrs auf der Schiene. Hermann betonte: „Güterbahnhöfe im ländlichen Raum wie in Mengen sind wichtig.“

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Allerdings zeigten sich Hermann und der Beauftragte der Deutschen Bahn für Baden-Württemberg, Thorsten Krenz, einig in der Feststellung, dass landes- und bundesweit ein erheblicher Sanierungs- und Modernisierungsbedarf bestehe. Krenz nannte in diesem Zusammenhang die Summe von 30 Milliarden Euro.

Unter den Augen von Andrea Bogner-Unden (von links) und mit Anleitung von Fahrdienstleiter Dieter Osswald betätigte sich Verkehrsminister Winfried Hermann im Mengener Stellwerk I als Weichen- und Signalsteller.
Unter den Augen von Andrea Bogner-Unden (von links) und mit Anleitung von Fahrdienstleiter Dieter Osswald betätigte sich Verkehrsminister Winfried Hermann im Mengener Stellwerk I als Weichen- und Signalsteller. | Bild: Hermann-Peter Steinmüller

Wie sehr Modernisierung nottut, zeigen auch die beiden Stellwerke in Mengen. Ihre Technik entspricht im Kern dem Stand der Kaiserzeit, so die Fachleute beim Ministerbesuch. Hermann probierte sich unter Aufsicht des Fahrdienstleisters mit vollem Körpereinsatz beim Bedienen der schwergängigen Hebel für die mechanische Weichen- und Signaleinstellung. Erst 2023 soll ein modernes Stellwerk in Herbertingen zur Verfügung stehen, mit dem auch die Weichen und Signale in Mengen bedient werden können.

Thorsten Krenz
Thorsten Krenz | Bild: Hermann-Peter Steinmüller

Mengens Bürgermeister Stefan Bubeck sagte: „Wir haben in Mengen eine jährliche Güterumschlagsmenge von einer Million Tonnen.“ Das entspräche rund 40 000 Lastwagen-Ladungen. Deshalb sei der Güterbahnhof auch für die heimische Wirtschaft sehr wichtig, folgerte der Rathauschef. Auf seinen Einwand, dass sich ein großes Unternehmen wegen der hohen Kosten für den Schienengütertransport für die Straße entschieden habe, reagierten die Bahnvertreter allerdings nicht.

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Die Langsamfahrstellen auf der Donautalbahn zwischen Ulm und Tuttlingen sind für die Einhaltung des Fahrplans und die Einführung des Stundentaktverkehrs ein Problem. Der DB-Vertreter berichtete von erheblichen Verbesserungen durch kleinere Sanierungsmaßnahmen auf der Bahnstrecke zwischen Ulm und Herbertingen. In den vergangenen Monaten habe der DB-Konzern dafür rund 600 000 Euro ausgegeben.

Neuer Bahnübergang nicht vor 2026

Es bleibt die Langsamfahrstelle beim Talhof. Der neue Bahnübergang, der an dieser Stelle die normale Reisegeschwindigkeit der Züge erlaubt, ist aus Sicht des Schienenkonzerns nicht vor 2026 zu bauen. Als Gründe nannte Krenz unter anderem die Kosten und den hohen Planungs- und Genehmigungsaufwand.

Weitere Gespräche angekündigt

Die Wahlkreisabgegeordnete Andrea Bogner-Unden will sich mit dieser genannten Zeitperspektive nicht abfinden und kündigte weitere Gespräche an. Positiver sieht die Bahn die Verlegung des Zughalts vom Bahnhof Hausen in die Ortsmitte des größten Beuroner Ortsteils. Hier hätten bereits erste Vor-Ort-Termine stattgefunden. Einen Zeitpunkt für den Bau nannten die Bahnvertreter nicht.

Investitionsstau bei der Bahn im Kreis

Thorsten Krenz ist Bevollmächtigter des DB-Konzerns für das Land Baden-Württemberg. Im folgenden Kurzinterview nimmt Krenz Stellung zu einigen Hintergründen der aktuellen Diskussion um den Personen- und Güterverkehr auf der Schiene.

Herr Krenz, wie steht der DB-Konzern zur Donautalbahn?

Diese Bahnstrecke ist für die Region wichtig. Es gilt generell, unsere Infrastruktur auszubauen. Das ist im Interesse aller Seiten. Speziell bei der Donautalbahn ist es wichtig, die Langsamfahrstellen zu beseitigen.

Wieso soll das im Fall des Talhof-Übergangs noch sieben Jahre lang dauern?

Das hängt wie gesagt von mehreren Faktoren ab. Geld, Planungskapazitäten und die bahninterne Prioritätenliste spielen dabei eine Rolle. Um ein Beispiel zu geben – wenn wir beispielsweise in Mühlheim im Bahnhofbereich wieder ein zweites Gleis als Ausweichgleis einbauen wollen, können wir nicht einfach auf dem noch vorhandenen alten Gleisbett neue Schienen installieren. Wir müssen ein Genehmigungs- und Planungsverfahren wie bei einem Neubau einhalten.

Welcher Maßstab gilt für den Ausbau oder den Erhalt der Infrastruktur?

Die Landesregierung bestellt bei uns den Verkehr auf der Schiene und wir sorgen für die dafür notwendigen Einrichtungen. Vielfach sind die technischen Einrichtungen in den vergangenen Jahrzehnten schlecht gewartet und nicht modernisiert worden. Bundesweit haben wir einen deutlichen Sanierungs- und Modernisierungsbedarf von 30 Milliarden Euro.