Das Gesangsensemble unter der Leitung von Gudrun Marquardt-Teuscher gab in der Klosterkirche St. Martin in Beuron ein stimmungsvolles Konzert. Alle Sängerinnen und Sänger des Ensembles sind in mindestens einem der Chöre aktiv, die zur Chormusik Rast-Bichtlingen gehören. Das Programm bot eine reizvolle Abwechslung aus Gesangs- und Instrumentalstücken. An der Orgel begleiteten Pater Landelin Fuß und Volker Nagel, der auch zum Chor und zu den Solisten gehörte. Die Trompete spielte Ferenc Palotai, der in Budapest Trompete studierte und in der Region als Musiklehrer und Dirigent tätig ist.

Zahlreiche Zuhörer sind in die Klosterkirche St. Martin in Beuron gekommen.
Zahlreiche Zuhörer sind in die Klosterkirche St. Martin in Beuron gekommen. | Bild: Isbell Michelberger

Zahlreiche Zuhörer hatten sich in der prächtigen Klosterkirche St. Martin eingefunden, um dem Gesangsensemble aus 16 Sängerinnen und vier Sängern zuzuhören. Sowohl die unterschiedlichen Gesangsformationen, das abwechslungsreiche Programm als auch die exakten klaren Stimmen begeisterten das Publikum. Triumphal eröffnete das Duo aus Trompete und Orgel mit einem Satz aus dem "Trompetenkonzert in D" von J. F. Fasch (1688-1758) den Abend. Danach zelebrierten fünf Sängerinnen "The Lord is my Shepherd" von Henry Smart (1813-1879). Zwei Stücke aus dem Oratorium "Elias" von Felix Mendelssohn-Bartholdy (1809-1847) präsentierten Volker Nagel und Andreas Pfau. Die beiden Männer sangen von der Empore herab, was dem runden Gesang noch eine weitere beeindruckend raumfüllende Komponente verlieh.

Hildegard von Bingen noch immer aktuell

Als Besonderheit ließen vier Sängerinnen das Stück "O virtus sapientiae" von Hildegard von Bingen hören. Dirigentin und Sängerin Gudrun Marquardt-Teuscher erläuterte, dass sich Hildegard von Bingen zeitlebens Gehör verschafft habe als Heilkundlerin, Schlichterin und Schriftstellerin. Sie habe ein großes Schriftwerk hinterlassen, das sich mit dem Mensch und der Natur in allen Daseinsformen beschäftige. Es sei heute genauso aktuell wie damals.

Sie tragen ein Stück von Hildegard von Bingen vor (von links): Sonja Kiene, Annette Fetscher, Barbara Glunz und Gudrun Marquardt-Teuscher.
Sie tragen ein Stück von Hildegard von Bingen vor (von links): Sonja Kiene, Annette Fetscher, Barbara Glunz und Gudrun Marquardt-Teuscher. | Bild: Isbell Michelberger

"Sie war aber auch Komponistin und hat für Eucharistiefeiern komponiert", führte die Chorleiterin weiter aus. Ihre musikalische Sprache sei bildhaft und klar. Mit ihren Kompositionen habe sie einzelne Wörter noch stärker im Gedächtnis manifestieren wollen, fuhr sie fort. Um dies den Zuhörern in der Klosterkirche auch zu verdeutlichen, las Marquardt-Teuscher die einzelnen Zeilen vor, welche daraufhin die Sängerinnen sangen. Danach präsentierten sie das Stück in seiner Vollständigkeit.

Gudrun Marquardt-Teuscher.
Gudrun Marquardt-Teuscher. | Bild: Isbell Michelberger

Zu "Jesus bleibet meine Freude" von Johann Sebastian Bach und dem "Song of peace" von Jean Sibelius stellte sich das Gesamtensemble dann im Halbkreis im Chorraum auf und bot nicht nur akustisch einen Genuss, sondern wirkte auch optisch. Pater Landelin Fuß und Volker Nagel begleiteten sowohl einfühlsam den Chor an der Orgel als auch den Trompeter Ferenc Palotai, der mit Feingefühl und Präzision vollkommen überzeugte.

Das Publikum erhob sich beim Applaus von den Plätzen, um den Akteuren ihre Begeisterung zu signalisieren. Die Spenden, die bei dem Konzert eingingen, stellt das Ensemble dem Kloster zur Verfügung.

 

Singen ohne Druck

Frau Marquardt-Teuscher, Sie leben und arbeiten in Tübingen. Seit wann unterrichten Sie Gesang und Stimmbildung im Landkreis Sigmaringen?

Vor zehn Jahren fing ich im Bezirkskantonat Sigmaringen als Stimmbildnerin an. In dieser Zeit ergab sich der Einzelunterricht einiger Teilnehmer. Mittlerweile komme ich jeden Dienstag für einen ganzen Tag nach Bichtlingen.

Sind alle Sängerinnen und Sänger schon zehn Jahre dabei?

Nein, es kamen immer mehr dazu. Das fing mit Volker Nagel an, dann stießen weitere Mitglieder der Chormusik Rast-Bichtlingen dazu. Daraus entwickelte sich diese Gesangsklasse.

Sie unterrichten seit einigen Jahren nach der Lichtenberger Methode. Was ist das Besondere daran?

Diese Methode orientiert sich an der Kehlkopf-Funktion. Durch die Schulung der Körperwahrnehmung soll es gelingen, ohne körperlichen Druck zu singen. Dabei lässt sich ein Gespür für die eigenen Möglichkeiten entdecken.

Kommt die Methode gut an und nehmen die Sängerinnen und Sänger die Veränderungen wahr?

Mit wenigen Ausnahmen sind alle begeistert, da klare Veränderungen zu spüren sind. Es braucht seine Zeit, den Körper als Resonanzraum wirkungsvoll zu nutzen, doch dann werden die Klänge weicher und wärmer.

Fragen: Isabell Michelberger