Der Prinz zu Fürstenberg möchte am Mittelberg hochreines Kalkmaterial abbauen. Dagegen wenden sich zahlreiche Einzelpersonen und Organisationen. Die Kritiker befürchten eine nachhaltige Beeinträchtigung der Erholungs- und Freizeitfunktion sowie massive negative Auswirkungen für das Ökosystem des Donautals. Besonders der Abtransport von Material bereitet Sorgen. Über 25 bis 30 Jahre würden nach den Plänen des Hauses Fürstenberg jährlich rund 200 000 Tonnen Material per Schwertransporter abgefahren werden. Dafür stehen zwei Routen zur Verfügung – durch das Donautal oder über die Nachbargemeinde Stetten a.k.M.

Der Sprecher der IG, Gerhard Stumpp, wies in seiner Rede auf die Nachfolgeerscheinungen des einmal begonnen Abbauprojektes hin, die im Fachchinesisch der Planer und Ökologen als Summationswirkungen bezeichnet werden. Sollte das Projekt Wirklichkeit werden, befürchtet Stumpp, dass die Straße durch das Donautal von Thiergarten nach Sigmaringen ausgebaut werden müsste. Der Umweltschützer sagte im SÜDKURIER-Gespräch: "Neben dem Lärm der Bauarbeiten und des Lkw-Verkehrs könnte der Ausbau der L 277 zu weiteren massiven Eingriffen in die Donautalnatur führen." Mängel sieht der IG-Sprecher auch bei der naturschutzfachlichen Würdigung der im geplanten Abbaugebiet vorkommenden FFH-geschützten Vögel, Fledermäuse und Insekten.

Waldwege für Aktion gesperrt

Der Protest-Spaziergang konnte nicht auf der vorgesehenen Route durch den Wald stattfinden. Die private Forstverwaltung des Hauses Fürstenberg hatte von ihrem Hausrecht Gebrauch gemacht und ihre Waldwege in der Nähe des Mittelbergs für den organisierten Massenspaziergang gesperrt. Deswegen wichen die Projektgegner auf den Donautalradweg zwischen dem Thiergartener Bahnhof und dem Käppeler Hof aus. Von dort aus herrscht freier Blick auf den Mittelberg. Stumpp: "Ich hatte ein Fernglas mitgebracht, damit sich Interessenten den Mittelberg im Detail ansehen konnten." Der Weg führte über die Landesstraße 277 zurück zum ehemaligen Steinbruch der Firma Teufel, der am Südostrand des Mittelbergs liegt.

Politische Unterstützung fand die Aktion bei Andrea Bogner-Unden, Landtagsabgeordnete der Grünen für den Wahlkreis Sigmaringen. Gegenüber dem SÜDKURIER wertete die Parlamentarierin den Protestspaziergang als "gelungene Aktion". Wie schon bei der Kundgebung im Sommer ließ sich ihr CDU-Kollege Klaus Burger mit Hinweis auf wichtige terminliche Verpflichtungen entschuldigen.

Ausmaß des Widerstands ist groß

Gerhard Stumpp ist Sprecher der Interessengemeinschaft (IG) pro Mittelberg.

Wie bewerten Sie die Aktion?

Dieser gut besuchte Protestspaziergang hat wieder einmal deutlich unterstrichen, dass das Donautal auch überregional viele Freunde hat, die bereit sind, öffentlich gegen das geplante Projekt zu protestieren.

Was können Sie zum Stand des Planungsverfahrens sagen?

Nach Auskunft der Kreisverwaltung liegen der Unteren Naturschutzbehörde noch nicht alle erforderlichen Unterlagen vor.

Wie ist die Wertung der IG?

Wir sehen noch deutlichen Optimierungsbedarf bei der Prüfung nach einem alternativen Abbauort.

Hatten die bisherigen Proteste schon irgendwelche Erfolge?

Ich glaube, der potenzielle Vorhabensträger hat nicht mit einem solchen Ausmaß des Widerstandes in weiten Teilen der Bevölkerung gerechnet.

Wie geht es weiter?

Wir machen in diesem Jahr vielleicht noch einen Stammtisch. Konkrete Pläne für 2018 gibt es noch nicht. (hps)