Wer wohnt in einem Fachwerkhaus von 1582, das auch noch sein Elternhaus ist und im Keller einen Jazz-Keller vorweisen kann? Insider werden sofort aufhorchen. Das kann doch nur Hans Georg Rimmele sein. Ein Mann, der den Jazz im Blut und seine Heimatstadt Bad Saulgau im Herzen hat. "Der Hansi", wie ihn seine Freunde nennen, dürfte in der Kurstadt das sein, was man ein "Urgestein" nennt. Der 73-Jährige steht noch immer als Musiker und Bandleader auf der Bühne und wenn man ihn fragt, wie lange er das noch tun möchte, dann bekommen seine Augen einen fragenden Blick. "Wenn ich nicht mehr musizieren könnte, würde etwas fehlen", sagt er. Und: "Bislang geht es noch prima." "Es", das ist der Jazz in seinen vielen Stilformen, denen sich Rimmele verschrieben hat. Wobei klar ist: Der klassische Jazz liegt ihm einfach, da hat er seine Wurzeln.

Nach der Lehrzeit als Brauer und Mälzer studierte Rimmele in Weihenstephan Brauwesen mit Abschluss Diplombraumeister. Dort spielt er bei den "Royal Bavarian Muhackles" . Es war die Zeit der "Hot Dogs" mit ihrem Hit von den "Rittersleut". 1972 wurde "Schwaaz Vere's Dixie Gang" gegründet. Die Jazzfeste in Hüttenreute waren legendär. "Der Beerenwein war der Untergang des Festes", erinnert sich Rimmele, der als Zweitstudium an der Technischen Universität in München Höheres Lehramt an Beruflichen Schulen studierte. Nach Jahren in Ulm und Sigmaringen an beruflichen Schulen wurde er schließlich Studiendirektor am Beruflichen Schulzentrum in Bad Saulgau. Immer hatte er eine Klarinette und ein Saxofon in Reichweite. Denn ohne Jazz geht bei Rimmele nichts, "aber auch gar nichts", schmunzelt er beim Gespräch in der Hauptstraße.

Zum Üben in den Keller: Hans-Georg Rimmele hat eine Jazz-Keller im eigenen Haus. Oft finden hier auch Konzerte mit berühmten Jazzern auch aus den USA statt. Bild: Karlheinz Fahlbusch
Zum Üben in den Keller: Hans-Georg Rimmele hat eine Jazz-Keller im eigenen Haus. Oft finden hier auch Konzerte mit berühmten Jazzern auch aus den USA statt. Bild: Karlheinz Fahlbusch

Dort betrieben seine Eltern das Gasthaus "Dreikönig", dessen wunderschönes Wirtshausschild noch heute hängt. Die Gaststätte ist mittlerweile im ersten Stock und wird von Hans-Georg Rimmele und seiner Frau Beate samstags und auf Voranmeldung betrieben. Gäste schätzen die herzliche und gemütliche Atmosphäre bei den Rimmeles. Seit 1979 gibt es hier auch den Jazz-Keller, der sich längst zu einer Institution in Oberschwaben entwickelt hat. Den Jazz-Verein hat Rimmele mitgegründet und 25 Jahre geleitet. Und heutzutage ist sogar ein Hohenzoller Zweiter Vorsitzender. Fürst Karl Friedrich ist selbst begeisterter Jazzer.

Rimmele hat ursprünglich Klavier gelernt. Eine Tante habe die Eltern dazu überredet, dass er Klavierunterricht bei ihrer Nachbarin nimmt, nach dem Musiknote im Zeugnis sehr gut ausgefallen war ."Der Bua soll a Inschtrument lerna." "Nur klassische Sachen", schmunzelt der Musiker. Später lernte er Klarinette und spielte in der Stadtkapelle Saulgau. Dass er sich ein Saxofon kaufte, das durfte der Dirigent nicht wissen. Damals war man der Ansicht, das Sax mache den Ansatz bei der Klarinette kaputt. Seinen Wehrdienst leistet er beim Heeresmusikkorps in Ulm ab. Auch da war das Saxofon noch "kein richtiges Instrument". Bereits im Gymnasium hatte er bei den "Ragtimers" mitgespielt. Er erinnert sogar an einen Auftritt an der Fasnet in Pfullendorf beim Sportlerball. Mit "Schwaaz Vere" war Rimmele auch in New Orleans. Dort gaben die Jungs aus Oberschwaben Konzerte in einem deutschen Lokal namens "Strietzel".

So spielten die "Ragtimers" auch beim Sportlerball in Pfullendorf. Von links: Helmut Loch (Banjo), Günter Bautz (Trompete), Roland Heim (Klavier), Hans Georg Rimmele (Klarinette) und Rolf Wild (Schlagzeug). Bild: privat
So spielten die "Ragtimers" auch beim Sportlerball in Pfullendorf. Von links: Helmut Loch (Banjo), Günter Bautz (Trompete), Roland Heim (Klavier), Hans Georg Rimmele (Klarinette) und Rolf Wild (Schlagzeug). Bild: privat

Was macht für den Musiker die Faszination am Jazz aus? "Es ist die viele Freiheit, das Improvisieren, der Rhythmus", sagt er. Fast alle Arrangements für die Schwaaz Veres Jazz Gang stammen aus seiner Feder. Und er leitet die Big Band Saulgau, bei der Musiker mitspielen, die zu den besten der Region zählen. Vielseitigkeit ist ein wichtiges Prinzip für ihn. Das Programm aus Swing, Latin, Rock und Pop füllt auch jedes Jahr das Stadtforum in Bad Saulgau beim Jahreskonzert der Bigband.

Rimmele, Vater von drei Töchtern, hört übrigens beim Frühstück gerne Klassik und auch der Volksmusik gegenüber ist er nicht abgeneigt. Aber die muss authentisch sein. "Und da gibt es auch ganz tolle experimentelle Sachen", weiß der Jazzer, der in Appenzell mit großem Vergnügen an den "Tagen der experimentellen Volksmusik" teilgenommen hat. Beim Jazz bedauert Rimmele, dass bei vielen Kritikern der Jazz mit dem Bebop beginne und klassischer Jazz verpönt sei. Klar ist für ihn: Niveau muss sein. Für ihn hat alles seine Berechtigung, was Qualität hat. Irgendwie kommt auch der Lehrer durch: "Du musst dein Publikum heranziehen", sagt er. Das macht er noch heute. So auch mit der Dreierbesetzung "Dreikönigsmusig". Und das hoffentlich noch sehr lange.