Ein weniger bekanntes Kleinod in der reichhaltigen oberschwäbischen Weihnachtskrippenlandschaft ist mit Sicherheit das Krippendorf in der Bad Saulgauer Teilgemeinde Fulgenstadt. Die kleine St.-Anna-Kapelle an der Straße nach Friedberg beherbergt diesen Schatz, den der Fulgenstädter Manfred Rothmund vor mehr als 20 Jahren begonnen hat zu bauen.

Früher seien nur ein kleiner Stall aus Birkenholz und ein paar Figuren vorhanden gewesen, verrät der passionierte Bastler. Bei einem Besuch der Krippenlandschaft im Franziskanerkloster Sießen hätte ihn ein bekanntes Ehepaar animiert, doch auch für Fulgenstadt so etwas anzufertigen. So war in all den Jahren die Freizeit des früheren Flaschners hauptsächlich dem stetigen Weiterbau der Krippenlandschaft gewidmet und er ließ damit das Wunder der Menschwerdung Christi im Stall eines bäuerlichen Anwesens mitten in einem oberschwäbischen Dorf geschehen.

Alle Wege führen in den Stall von Bethlehem. Offen einsehbar sind die Werkstätten für Handwerker neben Schaf- und Hühnerstall.
Alle Wege führen in den Stall von Bethlehem. Offen einsehbar sind die Werkstätten für Handwerker neben Schaf- und Hühnerstall. | Bild: Reinhard Rapp

Vieles, was an die Idylle seines Heimatorts erinnert, hat Manfred Rothmund eingebracht. Offen einsehbare Werkstätten für Handwerker findet man neben Schaf- und Hühnerstall. Damit das Feuer im Ofen des Bachhäusles nicht erlischt, spaltet daneben ein älterer Mann mit langem Bart Holz. Am Bienenstock schaut einer nach dem Rechten, während eine Frau am Dorfbrunnen auf Wasser wartet, um ihren Tonkrug füllen zu können. Natürlich fehlt auch das Mühlrad nicht, das am „rauschenden Bach klappert“. Vor einem Turm mit Tor hat ein Schäfer seinen Karren abgestellt und kocht sich in Gesellschaft mehrerer Schafe sein Essen am offenen Feuer. Gleich daneben weist ein Schild zum Geburtsort in Klein-Bethlehem. Neugierig betrachtet eine Mutter mit ihren beiden Kindern das Geschehen im Stall vom Balkon ihres Hauses.

Ideen für die Fachwerkhäuser, so erzählt Rothmund dem SÜDKURIER, habe er sich im Freilichtmuseum Neuhausen ob Eck geholt. Sein Einfallsreichtum findet sich beispielsweise auch im Turm an der linken Seite. Dem hat der Bastler weitere Türmchen mit Erker, Glöckchen und Fähnchen einfach aufgesetzt. „Ich hab halt meine Fantasie walten lassen“, sagt er, während er die Blumenkästen am Balkon mit etwas Grünzeug garniert. Rothmunds Liebe zum Detail ist überall zu sehen und zu spüren. Taubenschlag, Starenkästen, Leitern an den Hauswänden, Wagenräder an den Zäunen, Handwägelchen und vieles mehr erinnern die Betrachter zusätzlich an frühere Zeiten in den Dörfern. Vielerlei Materialien hat Manfred Rothmund zum Bau verwendet, sogar Holz aus dem Abbruch eines Saulgauer Gasthofs. Selbst ein ausgedienter Grabstein fand Verwendung für ein Bildstöckle mit der Statue einer Schwarzen Madonna mit Jesuskind. Die Figuren haben die Benediktinerinnen im Kloster Kellenried (Landkreis Ravensburg) teilweise nach seinem eigenen Entwurf angefertigt.

Die Krippe ist in der kleinen St.-Anna-Kapelle an der Straße nach Friedberg zu sehen.
Die Krippe ist in der kleinen St.-Anna-Kapelle an der Straße nach Friedberg zu sehen. | Bild: Reinhard Rapp

Es gibt vieles zu entdecken in diesem beschaulichen Krippendorf, das den gesamten Chorraum der St.-Anna-Kapelle füllt. Werner Rothmund freut sich, dass er nach einem Jahr krankheitsbedingter Unterbrechung das Krippendorf wieder der Öffentlichkeit zugänglich machen kann. Dazu haben ihm viele fleißige Fulgenstadter Rentnerhände geholfen.

Weihnachtskrippe

Die Kapelle ist ab dem 25. Dezember bis zum 2. Februar täglich von 9.30 bis 17 Uhr geöffnet. Auswärtige Besucher stellen ihr Auto am Parkplatz vor der Pfarrkirche ab, überqueren zu Fuß die Hauptstraße Richtung Friedberg und finden die Kapelle nach einer leichten Linkskurve auf der rechten Seite der Straße. Der Eingang befindet sich auf der Seite Kapellenweg. (rrm)