Nach dem Abbruch eines Gebäudes in der Schützenstraße 9 im Stadtkern von Bad Saulgau haben archäologische Grabungen Siedlungsspuren in einem spätmittelalterlichen Keller zutage gebracht. Wie das Regierungspräsidium Stuttgart in einer Pressemitteilung informiert, stießen die Archäologen auch auf ein rund 3000 Jahre altes Grab.

Ältester Siedlungsnachweis aus dem Bereich der Altstadt

Bereits bevor das Gebäude abgebrochen wurde, fand im Jahr 2017 eine bauarchäologische Untersuchung des Kellers statt. Da das Gebäude zwischen zwei spätmittelalterlichen Häusern stand, sei zu erwarten gewesen, dass sich in seinem Keller noch Reste eines mittelalterlichen Vorgängerbaus erhalten haben könnten, schreibt das Regierungspräsidium. Dieser Verdacht habe sich bestätigt, nach dem Abriss seien von Dezember bis Ende Januar weitere Grabungen erfolgt, die auch Überraschendes zutage förderten. „Die Funde sind wissenschaftlich und historisch sehr bedeutend für Bad Saulgau. Es handelt sich um den ältesten Siedlungsnachweis aus dem Bereich der Altstadt“, wird Regierungspräsident Wolfgang Reimer zitiert.

Brunnen aus dem 18. Jahrhundert

Im Zentrum der Untersuchung habe zunächst der spätmittelalterliche Keller gestanden. Ein außerhalb des Gebäudes gelegener Brunnenschacht sei auch vom Keller aus zugänglich gewesen. Dank eines Münzfundes konnte er in die Mitte des 18. Jahrhunderts datiert werden.

Grab aus der "Urnenfelderkultur"

Während diese Ergebnisse laut Regierungspräsidium den Erwartungen entsprachen, kamen kurz vor Grabungsende noch völlig unerwartete Funde zutage: Die Archäologen entdeckten eine Brandbestattung der sogenannten „Urnenfelderkultur“. Das rund 3000 Jahre alte Grab stammt aus einer Zeit, in der es üblich war, die Toten mit ihrem Schmuck und anderen Beigaben zu verbrennen.

Landesamt für Denkmalpflege untersucht Urne

Zwar sei die Urne teilweise zerstört, doch enthalte sie neben dem Leichenbrand noch Reste weiterer kleiner Gefäße sowie Bronzeschmuck und geringe Spuren von Gold. Genauere Aussagen dazu erwartet sich das Regierungspräsidium nach den Untersuchungen in der Restaurierungswerkstatt des Landesamts für Denkmalpflege.