Die CDU-Politikerin war einer der Redner beim Neujahrsempfang der Volksbank Albstadt in der Stadthalle. Als zweiter Referent trat der Frankfurter Finanzfachmann und Vorstandsvorsitzende der Union Investment, Hans-Joachim Reinke, vor die rund 400 Besucher des Neujahrsempfangs. Seine Kernbotschaft lautete, dass bei aller gebotenen Vorsicht kein Grund zum Pessimismus in Sachen Geldanlagen bestehe.

Die Analyse der beiden Redner über die gegenwärtige Wirtschaftslage weltweit, in Deutschland und in Baden-Württemberg war deckungsgleich. Die Wirtschaftsministerin verwies auf die gegenwärtig mit 3,5 Prozent geringste Arbeitslosigkeit im Land seit 1992. Hans-Joachim Reinke diagnostizierte: "Wir sind die reichste Generation, die jemals in Deutschland lebte." Beide waren sich auch einig, dass die Niedrigzinspolitik der europäischen Notenbank einen wesentlichen Anteil an dieser Entwicklung trage. Unterschiedlich bewerteten Hoffmeister-Kraut und Reinke die Forderungen für die Zukunft. Hoffmeister-Kraut meinte bezogen auf das Land und die Bundesrepublik: "Die Therapie hat bislang gewirkt. Jetzt ist sie jedoch überdosiert." Sie forderte: "Der Einstieg aus dem Ausstieg des billigen Geldes ist dringend geboten." Der Frankfurter Experte wies auf ein internationales Problem hin. Die auf Europa bezogene Geldpolitik der Notenbank führe zu einer "Verdurchschnittlichung". Er nannte ein Beispiel: Würde das Zinsniveau in Europa wieder steigen, könnte beispielsweise Italien diese höheren Zinsen nicht bezahlen.

Obwohl es Europa im Trend der Weltwirtschaft sehr gut ginge, sieht Reinke gerade in Europa Risiken für die wirtschaftliche Stabilität. Seine Stichworte waren: Regierungsbildung in Berlin, Katalonienkrise, Reformstau in der EU und die Parlamentswahl am 4. März in Italien, bei der die Partei von Ex-Ministerpräsident Berlusconi gestärkt werden könnte. Kritisch setzte sich der Vorstandsvorsitzende mit dem britischen Brexit auseinander: "Sie wissen nicht, was sie tun – das ist Brexit", meinte der Frankfurter. Als Beispiel für die negativen Folgen des Brexits führte er an, dass derzeit viele Fachkräfte aus der EU Großbritannien verlassen würden.

Kritisch setzte sich der Frankfurter mit dem gegenwärtigen Immobilienmarkt in Deutschland und den damit verbundenen hohen Mieten auseinander. Selbst die Union Investment kaufe heute in Frankfurt keine Immobilien mehr, weil ein Mietpreis von bis zu 26 Euro pro Quadratmeter nicht zu vermitteln sei. Das Unternehmen kaufe mit den Geldern der Volksbank-Kunden europaweit Immobilien, aber nicht zu jedem Preis in deutschen Ballungszentren.

Angesichts der gegenwärtig niedrigen Zinsen hält Reinke Wertpapiere für gute Geldanlagen. Der Frankfurter wundert sich: "Die Deutschen kaufen kaum Aktien, aber sie legen Geld in Bitcoin an, ohne auf die sehr hohen Risiken zu achten." Sein Rat an die Verbraucher: "Hände weg von der Computer-Währung."

Für die Region

Bezogen auf die Region setzte sich Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut für die zügige Elektrifizierung der Eisenbahnstrecke Tübingen ein. Sie geht davon aus, dass der neue Stuttgarter Bahnhof nicht vor 2025 fertig sein werde. Bis dahin müssten die Arbeiten für die Elektrifizierung der Bahnstrecke so weit wie möglich vorangetrieben werden. "Das ist ein wichtiges Instrument zur Anbindung unserer Raumschaft an das Ballungszentrum Stuttgart. (hps)