Mit dem Thema "Reformatorische Wirtschaftsethik und ihr Einfluss auf den Wirtschaftsstandort Südwestdeutschland – von Martin Luther über Calvin zu Phillip Matthäus Hahn", trug Karl-Hermann Blickle, Vorsitzender und Mitbegründer der Stiftung Stuttgarter Lehrhaus vor.

Was hat der interreligiöse Dialog mit dem innerchristlichen Thema Reformation zu tun“ Und wo besteht der Zusammenhang zwischen Reformation und Wirtschaft?“ Diese Fragen stellte Blickle gleich zu Beginn seines Vortrages und gab in dessen Verlauf die Antworten. Auch die wirtschaftliche und politische Globalisierung habe eine religiöse Komponente, so Blickle.

Die religiöse Globalisierung führe dabei zu einer Polarisierung mit einem Erstarken fundamentalistischer Kräfte auf der einen Seite und einer höheren Dialogbereitschaft und Toleranz auf der anderen Seite, teilt die Hochschule mit. Den interreligiösen Dialog betrachte er als wichtige Aufgabe und als Reformationsbewegung des 21 Jahrhunderts. Denn die Gemeinsamkeiten, gerade in den drei monotheistischen Religionen Christentum, Judentum und Islam, überwögen dogmatische Grenzen bei weitem. "Die heutige Reformation ist die Öffnung gegenüber anderen Religionen", lautet entsprechend sein Resümee.

Im zweiten Teil führte Blickle in die pietistische Arbeits- und Wirtschaftsethik ein und betrachtete diese als Grundstein für die starke Textil- und Wagenindustrie in der Region. Die Frage aus dem Publikum ob es eine Reformation der Wirtschaftsethik benötige, beantwortete Blickle mit einem klaren Ja. "Werte, die dem System verloren gegangen sind, müssen diesem wieder zugeführt werden", ao die Ausführungen des Diplom-Volkswirts. Und dazu könne der interreligiöse Dialog beitragen.

Der nächster Vortrag in der Reihe am Donnerstag, 11. Mai, ab 19 Uhr trägt den Titel "Jüdische Bildung, lutherische Ausgrenzung und deren Wirkungen auf die historische Wirtschaftsentwicklung in Deutschland". Referent ist Rabbiner Jehoshua Ahrens.