Bilder von gepeinigten Kindern mit schmerzverzerrten Gesichtern. Das ist die Realität der Kinderpornografie. Ein Mann aus dem Raum Albstadt wurde wegen seiner Beteiligung an einem entsprechenden Board im Darknet in dieser Woche vom Landgericht Hechingen zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilt. Der Verurteilte hat die entsprechenden Bilder zwar nicht selbst angefertigt. Aber durch seine Administratorentätigkeit hat er dazu beigetragen, dass hunderte, wenn nicht gar tausende von Besuchern dieses Forums entsprechenden Bilder hochladen oder sie von dort auf ihre heimischen Computer oder Smartphones heruntergeladen haben. Im Juristendeutsch ist in diesem Zusammenhang von "bandenmäßiger Verbreitung kinderpornografischer Schriften" die Rede. Der geständige Angeklagte war bislang nicht vorbestraft. Ein weiteres Strafverfahren gegen einen Mittäter ist derzeit vor dem Landgericht Hannover anhängig.

Das Darknet ist ein gesonderter Bereich, der mit dem eigentlichen Internet nichts zu tun hat. Wer sich hier aufhält, genießt Anonymität. Das erläuterte ein Hannoveraner Polizeibeamter, der als Zeuge in Hechingen aussagte. Im SÜDKURIER-Gespräch sagte er: "Das Darknet ist wichtig beispielsweise für politische Oppositionelle in Diktaturen, die sich im normalen Internet nicht bewegen können." Das gelte aber auch für Kriminelle, die im Darknet mit Waffen, Rauschgift oder Menschen handelten oder Kinderpornos herstellten und verbreiteten.

Verdeckte Ermittler

Um solchen Tätern das Handwerk zu legen, ist die Polizei international mit verdeckten Ermittlern ebenfalls im Darknet und in den entsprechenden Foren unterwegs. Das inzwischen von der Polizei gesprengte Forum "tabooless" (Tabulos) war im Zusammenhang mit anderen Ermittlungen im Darknet ins Blickfeld der Fahnder beim Polizeipräsidium Hannover geraten. Alle Beteiligten in diesen Foren haben Nicknames, also erfundene Namen, um die Identifikation zu behindern.

Wie der Polizist berichtete, hatte sich der Angeklagte offenbar in die verdeckte Ermittlerin der Polizei verliebt. Beide kannten sich nur unter ihren jeweiligen Tarnnamen. Sie gab ihm ihre Telefonnummer, der Albstädter rief wenige Stunden später an. Damit hatte er seine Anonymität aufgegeben und konnte im vergangenen Herbst in Albstadt festgenommen werden.

Eigene Tochter angepriesen

Der Verurteilte war nicht nur geständig, sondern er hatte auch den Polizeifahndern, wie Hannes Breucker, Vorsitzender Richter, erwähnte, seinen Darknet-Account überlassen. Es handelt sich bei ihm um einen zweimal verheirateten Familienvater, der selbst davor nicht zurückgeschreckt war, freizügige Bilder seiner Tochter an andere Tabulos-Nutzer weiterzugeben. Mit anderen Usern hatte er auch, wie er betonte, Phantasien über den sexuellen Missbrauch seiner Tochter ausgetauscht und behauptet, "sie bereits angelernt zu haben".

Seine Lebensgeschichte ist von Brüchen gekennzeichnet. Nach einem mittelmäßigen Abitur in Norddeutschland nahm er in Münster das Studium der evangelischen Theologie auf. Nach einigen Semestern gab er das Studium wegen Schwierigkeiten mit den alten Sprachen auf. Danach fand er sich als Hilfsarbeiter in einem Supermarkt wieder. Später machte er eine weitere Ausbildung im technischen Bereich. Die erste Ehe mit einer Frau, die ebenfalls ihr Studium abgebrochen hatte, scheiterte. In dieser Zeit lernte er seine zweite Frau kennen, durch die er nach Albstadt kam. Das Paar lebt zur Zeit in Scheidung.

22 Monate für Therapie

Der psychiatrische Gutachter, Peter Winkler aus Tübingen, bescheinigte dem Angeklagten Schuldfähigkeit. Die von ihm festgestellte "neurotische Persönlichkeitsstruktur" sei kein eigentliches Krankheitsbild. Er hält den Angeklagten trotz seiner unter anderem pädophilen Sexualveranlagung für therapierbar. Wie der Vorsitzende Richter feststellte, verbleiben nach Abzug der bereits mit der U-Haft verbüßten sechs Monate und der Zweidrittelregelung noch 22 Monate Haft für diese Therapie übrig. Der Angeklagte nahm das Urteil an.

Das Darknet

Die als Darknet bezeichneten Netzwerke baiseren auf Strukturen außerhalb des bekannten Internets. Hier gibt es keine zentralen Server, von denen Daten abgerufen werden. Stattdessen werden private Computer zu einem Darknet zusammengeschlossen. (dim)