Wald Großes Interesse an Modell zur Nahversorgung

Was passiert, wenn der letzte Nahversorger im Wohnort einmal schließt? Der Walder Gemeinderat hat die Infrastruktur im Dorf und ländlichen Raum im Blick, denn damit brechen Strukturen im Dorf weg. Daher befasste der Rat sich am Montag in der Gemeinderatssitzung mit einem zukunftsfähigen Ansatz, dem Thema zu begegnen, eingeleitet durch Bürgermeister Werner Müller.

Jürgen Lauten von der Studiengesellschaft für Projekte zur Erneuerung der Strukturen (SPES) stellte den Räten ein Projekt zum Thema Dienstleistung und ortsnahe Rundumversorgung, kurz DORV, vor. In einem DORV-Zentrum werden laut Modell Grundversorgung und Dienstleistungen unter einem Dach gebündelt. Das Konzept basiert auf fünf Säulen. Herzstück in der Grundversorgung in einem Tante-Emma-Laden des 21. Jahrhunderts mit einem Komplettangebot an Lebensmitteln und regionaler Ausrichtung.

Das DORV-Zentrum soll mehr als ein reiner Dorfladen sein, Kommunikation ist ein wichtiger Faktor. "Der soziale Aspekt ist eine Stärke des ländlichen Raumes und ein großes Plus", unterstrich Lauten. Um diese Kommunikation zu unterstützen, werden im DORV-Zentrum beispielsweise eine Reinigungsannnahme, ein Bankautomat, Paket- und Postdienst als Frequenzbringer und ein Soziales Leistungsangebot, wie die Vermittlung von Nachbarschaftshilfe, Apothekendienst oder Arztsprechstunde integriert und das DORV-Zentrum mit Kulturangeboten und kulturelle Aktivitäten als Veranstaltungsort belebt.

Ein DORV-Zentrum benötigt 100 bis 120 Quadratmeter Verkaufsfläche und ist mit Regalreihen und einer Frischetheke mit Backwaren und Wurst ausgestattet. Die Poststelle wird an der Kasse abgewickelt. Das Kerngeschäft müsse sich betriebswirtschaftlich rechnen, sagte Lauten. Ein Geschäftsführer und Mitarbeiter sind angestellt.

Jürgen Lauten ist Ingenieur, Architekt und Geschäftsführer des DORV-Zentrums Bühl-Eisental, einer Kommune mit vergleichbarer Größe wie Wald. Lauten ist DORV-Praxisexperte, SPES-Projektbegleiter und ehrenamtlicher Bürgermeister von Eisental. Er berichtete den Räten von der Entstehung des dortigen DORV-Zentrums. "Seit wir das DORV-Zentrum haben, ist wieder Leben ins Dorf eingekehrt und bürgerschaftliche Projekte entstehen." Die Bürger seien in Eisental am DORV-Zentrum, das als GmbH geführt wird, über Anleihscheine beteiligt. Oberste Priorität sei, die Rundumversorgung im Dorf zu erhalten und eine "schwarze Null" zu erwirtschaften.

Nach Lautens Ausführungen stellten die Gemeinderäte Fragen. Jürgen Krall (CDU) wollte wissen, wie die Gemeinde das Projekt unterstützen könne. Ralf-Peter Hipp fragte nach dem Zeitraum vom ersten Gedanken bis zur Eröffnung. SPES werde nach Beauftragung zunächst eine Basisanalyse vornehmen, ob sich ein DORV-Zentrum am angedachten Standort rechnet. Ist diese Hürde genommen, wird ein Bürgerforum einberufen, bei dem es darum geht, die Unterstützung aus der Bevölkerung zu gewinnen. Klar sei, die Bevölkerung stimme mit den Füßen ab, das heißt, die Bereitschaft müsse gewährleistet sein.

Die Kosten für die ersten beiden Module liegen Lauten zufolge bei rund 6000 Euro. Bürgermeister Werner Müller sieht Chancen, Zuschüsse in Höhe von rund 3000 Euro abzurufen. Somit verblieben bei der Gemeinde Kosten von etwa 3000 Euro. Das Projekt sei schlüssig, aber er müsse es erst noch sacken lassen, wandte Gerhard Lohr (CDU) ein. "Mir gefällt das Projekt", sagte Jürgen Krall. Er halte die Zeit dafür gekommen und plädierte, "dass man es anpackt". Auch Alexander Jäger (UL) sah Handlungsbedarf. Einstimmig beschlossen die Räte, dass sich die Verwaltung um Zuschüsse bemühen soll.

 

Das Modell

Die Abkürzung DORV steht für Dienstleistung und ortsnahe Rundumversorgung. In einem DORV-Zentrum werden Nahversorgung, Dienstleistungen, sozial-medizinische Versorgung, Kommunikation und Kulturangebote unter einem Dach gebündelt. Das erste DORV-Zentrum in Baden-Württemberg wurde im November 2013 in Bühl-Eisental eröffnet.

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