Wald Einblick in Arbeit der deutschen Botschaft in Mexiko

Die 23-jährige Lena Berwarth aus Wald hat sechs Monate lang in Mexiko gearbeitet. In der deutschen Botschaft in Mexiko City lernte sie die Kultur- und die Wirtschaftsabteilung kennen. Zurück kam sie mit sehr guten Kenntnissen in Schrift-Spanisch und einem neuen Hobby: Salsa tanzen.

Was verbindet man mit Mexiko? Die Maya-Ruinen Cobá und Chichen Itza, Tropenstrände, Megastädte, Salsa, Tequila und den Palacio de Bellas Artes, eines der Wahrzeichen von Mexiko City. Lena Berwarth aus dem Walder Teilort Steckeln verbindet mit den Vereinigten Mexikanischen Staaten viel mehr. Die 23-Jährige absolvierte von 1. April bis 1. August ein Praktikum an der Botschaft der Bundesrepublik Deutschland in Mexiko City. "Mir ging es darum, ein Praktikum in Mexiko zu finden", unterstreicht die junge Frau. Sie hatte bei einem Praktikum 2013 in Chile ihr Faible für die lateinamerikanischen Länder entdeckt. "Ich mag einfach die Leute. Sie sind so herzlich und offen, es ist superleicht, Freundschaften zu schließen", begründet sie.
 

Lena Berwarth (rechts) beim Besuch in der chilenischen Botschaft in Guatemala City.
Lena Berwarth (rechts) beim Besuch in der chilenischen Botschaft in Guatemala City. | Bild: privat

Im August 2016 hatte sich Lena Berwarth online mit einem Bewerbungsschreiben und einem Lebenslauf um das Praktikum in der Botschaft beworben. Voraussetzung seien fließende Spanisch-Kenntnisse gewesen. Die hat die junge Frau, seit sie Anfang 2013, nach dem Abitur und dem Abschluss einer Maßschneiderlehre an der Heimschule Kloster Wald, ein dreimonatiges Praktikum in einem Krankenhaus in Chile absolviert hatte. Ihr gefiel es damals so gut in dem Land, dass sie ihren Auslandsaufenthalt auf ein knappes Jahr verlängerte und ihren Lebensunterhalt als Kellnerin verdiente.

Nun studiert Lena Berwarth im letzten Semester International Business Administration, ein praxisorientiertes Studium der Betriebswirtschaftslehre mit Schwerpunkt Internationalität, an der Wiesbaden Business School der Hochschule Rhein-Main. In ihrem Studium sind ein Studiensemester und ein Praktikumssemester im Ausland vorgeschrieben. An ihrer Hochschule betreut sie zudem Auslandsstudenten und hat einen Werksstudentenjob bei KPMG in Frankfurt, einem Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsunternehmen.
 

Lena Berwarth (vorn Mitte) mit Botschaftskollegen im Estadio Azteca, dem größten Stadion der Welt.
Lena Berwarth (vorn Mitte) mit Botschaftskollegen im Estadio Azteca, dem größten Stadion der Welt. | Bild: privat

Ein Vorstellungsgespräch in der Botschaft gab es nicht. Bereits Mitte Januar flog Lena Berwarth nach Südamerika, nutzte dort ihre Kontakte und bereiste Brasilien, Chile und Mexiko. Da sie bei Freunden unterkommen konnte, fielen für die Studentin kaum Übernachtungskosten an. Am 1. April trat sie dann ihre Praktikumsstelle an der Botschaft an. "Es war total spannend, Einblicke in die Abläufe und Strukturen einer Botschaft zu gewinnen", erzählt sie. Zwei Drittel ihres Praktikums war sie in der Kulturabteilung. Es war "duales Deutschland-Mexiko-Jahr" mit über 1000 Veranstaltungen in einem Jahr allein in Mexiko, berichtet sie. Bei einigen dieser Veranstaltungen war die 23-Jährige dabei.

Die Aufgabe der Praktikantin war, unter anderem Reden oder Vorworte für Bücher und offizielle Briefe an Politiker in Spanisch zu verfassen. Die Zusammenarbeit mit einer Übersetzerin hatte den Lerneffekt, dass die Studentin nun auch in schriftlichem Spanisch versiert ist. Das Jahr zur Stärkung der freundschaftlichen Beziehungen zwischen den Ländern war von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier eröffnet worden. Bundeskanzlerin Angela Merkel sei zum Abschluss des Deutschlandjahres mit Außenminister Sigmar Gabriel nach Mexiko gereist, wo Lena Berwarth die Kanzlerin kurz zu sehen bekam.
 

Lena Berwarth lernte in ihrer Freizeit Mexiko besser kennen, hier in Hierve el Agua, einem der Naturwunder in Mexiko.
Lena Berwarth lernte in ihrer Freizeit Mexiko besser kennen, hier in Hierve el Agua, einem der Naturwunder in Mexiko. | Bild: privat

Als das Deutschlandjahr vorüber war, wechselte Lena Berwarth in die Wirtschaftsabteilung, was einen Bezug zu ihrem Studium hatte. "Wir beobachteten vor allem Nafta (das nordamerikanische Freihandelsabkommen zwischen Kanada, den USA und Mexiko), das modernisiert werden soll, und hielten die Beziehungen zwischen Mexiko und den USA im Blick", schildert die Studentin. Sie und ihr Vorgesetzter seien zum Wirtschaftsministerium gefahren und hätten die Mexikaner nach ihrer Meinung dazu gefragt.

Für die Dauer ihres Praktikums mussten Botschaftspraktikanten und Rechtsreferendare in Mexiko City selbst eine Unterkunft finden. Lena Berwarth hatte sich ein Zimmer in einer Wohngemeinschaft in einer sicheren Gegend gesucht, was in Mexiko wichtig sei. Nach ihrer Ankunft erhielten die Praktikanten und Rechtsreferendare eine Sicherheitseinführung mit Hinweisen zu den Risiken in Mexiko. Bei einem Überfall solle man sich nicht wehren und alle Wertsachen hergeben, wurde den Praktikanten eingebläut. Das führte dazu, dass sich Lena Berwarth heute viel bewusster unter Menschen bewegt und ihr Umfeld im Blick behält.

Die 23-Jährige hat aus Mexiko auch ein neues Hobby mitgebracht: das Salsa tanzen. Sie vermisst in Deutschland das sehr gute und preiswerte mexikanische Essen. Seit ihrer Rückkehr arbeitet Lena Berwarth an ihrer Bachelor-Thesis "Die Bedeutung der 'Maquiladora (Montage)-Industrie' für die mexikanische Wirtschaft". Die mündlichen Prüfungen schließen das Studium im Januar 2018 ab. Lena Berwarth will auf jeden Fall ein Masterstudium anschließen. Ob gleich im Anschluss oder später, wird sie noch entscheiden. Die Familie genießt auf jeden Fall, dass Lena Berwarth wieder vier Wochen zuhause in Steckeln ist, um ihre Bachelorarbeit zu schreiben.

Mexiko City

Mexiko City ist die Hauptstadt von Mexiko und liegt rund 2200 Meter über dem Meeresspiegel. Sie ist nach Tokio die zweitgrößte Metropole der Welt. Laut Überlieferung hatte Gott Huitzilopochtli die Azteken beauftragt, die Stadt dort zu gründen, wo sie den Adler auf einem Kaktus mit einer Schlange im Mund sehen. Deshalb ziert dieses Motiv als Wappen neben den Farben Grün, Weiß und Rot die Nationalflagge von Mexiko.

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