Wald Bürger fordern Abstand zum Abbaugebiet für Quarzsand

Der Regionalplan sieht vor, dass der Quarzsandabbau beim Walder Ortsteil Walbertsweiler auf einer Fläche von 39 Hektar erweitert werden kann. 100 Interessierte kamen zu einer Informationsveranstaltung, um sich über diese Entwicklung zu informieren. Am Ende war die überwiegende Mehrheit der Anwesenden der Meinung: Der Abbau solle eine Grenze von 300 Metern zum Ortsrand einhalten. Die Firma Steidle, die den Abbau betreibt, will bis auf 100 Meter an den Ort heranrücken.

Derzeit wird der Regionalplan durch den Regionalverband Bodensee-Oberschwaben fortgeschrieben. In dieser Fortschreibung sind auf der Gemarkung Walbertsweiler 39 Hektar Fläche für eine mögliche Erweiterung des Quarzsandabbaus ausgewiesen. Bei einer Veranstaltung im Dorfgemeinschaftshaus Walbertsweiler informierten sich rund 100 Bürger aller Altersgruppen sowie Gemeinderäte darüber, wie sich diese Erweiterung auf ihren Ort auswirkt. "Das Dorfgemeinschaftshaus platzt aus allen Nähten", freute sich Bürgermeister Werner Müller über das große Interesse, "das Thema scheint wirklich turbulent zu sein." Im Kern gehe es um die Frage, wie nah die Erweiterung der Quarzsandgrube der Ortschaft kommen werde. Es gebe Schutzabstände, aber auch Möglichkeiten, diese Abstände zu verkleinern.

Diplom-Biologe Ulrich Donath, Referent Landschaftsplanung beim Regionalverband, erläuterte die Planungen. "Die Region hat eine große Stellung im Sand- und Kiesabbau", unterstrich Donath. Der Abbau sei jedoch nur dort möglich, wo die Ressourcen liegen. Seit 1987 wird in der Grube Quarzsand abgebaut. Die bisher genehmigte Abbaufläche beträgt 56 Hektar. Die aktuell erreichbaren und genehmigten Vorratsflächen reichen für etwa 15 Jahre.

Nun schlägt das Landesamt für Geologie, Rohstoffe und Bergbau (LGRB) die Ausweisung von weiteren 39 Hektar Richtung Walbertsweiler als Vorranggebiet für den Abbau vor. Diese Erweiterung grenzt an die aktuelle Abbaufläche an. Deshalb wäre es für den Betreiber der Quarzsandgrube, die Firma Steidle, wirtschaftlich interessant, dort nach Ausschöpfung der jetzigen Abbaufläche weiter abzubauen, bevor der Abbau auf die gegenüberliegende Straßenseite Richtung Wald rückt. Das erläuterte Donath den Zuhörern. Der derzeitige Rand des Abbaugebiets ist ungefähr 300 Meter von der Ortschaft entfernt. Donath erläuterte, dass die Firma Steidle im Falle eines Abbaus bis zur 100-Meter-Grenze an den Ort heran bereit wäre, östlich der Landesstraße einen zeitlich begrenzten Lärmschutzwall aufzustellen. Alternativ könnte auf der Westseite der Straße ein dauerhafter Lärmschutzwall gebaut werden, um auch die Belastung durch Straßenlärm zu reduzieren. Steidle sehe auch eine gefahrlose Querung der Landesstraße zum Friedhof durch eine Ampelanlage oder einen Tunnel vor.

Geowissenschaftler Sven Hellbach vom Ingenieurbüro Taberg, das Steidle mit der Planung beauftragt hat, ging auf die prognostizierten Schallemissionen, die Belastung mit Feinstaub und Staubmiederschlag und die Lösungen ein, dies zu kompensieren. Hans Steidle erklärte: "Es können aber auch Ideen aus ihren Kreisen kommen." Wiederholt sprach sich Steidle für einen Konsens und eine offene Kommunikation aus. Rechne man fünf Jahre für die Genehmigung ein und weitere sechs Jahre für den Abbau, dann könnte der Abbau frühestens in elf Jahren an der 100-Meter-Grenze zur Ortschaft stattfinden, erklärte Donath.

In der Diskussionsrunde brachten die Bürger ihre Fragen an. Dieter Zwick, direkter Anlieger an der Landstraße, fragte nach der Höhe der geplanten Lärmschutzwand. Martin Längle sprach sich gegen eine solche Wand aus: Sie sei ein Eingriff ins Ortsbild für immer. Die Verantwortlichen bestätigten auf Nachfrage, dass das Kompensationsangebot der Firma Steidle nur gelte, wenn der Abstand des Abbaugebiets zum Ort auf eine 100-Meter-Grenze reduziert werde. Hanne Fendrich wandte ein, dass der jetzige Abbau nicht nur in den ersten Reihen der Wohnbesiedlung hörbar sei. Der Friedhof liege mitten im Vorranggebiet, dann habe man auch dort keine Ruhe mehr. Donath versicherte, dass der 100-Meter-Abstand zum Friedhof eingehalten werde.

Der Schönbrunnerhof ist von drei Seiten vom Abbau betroffen. Donath räumte ein: "Die Belastung ist wahrscheinlich immens hoch für die Menschen am Schönbrunnerhof." Dessen Besitzer Bernhard Restle fragte nach, wer für Risse in den Gebäuden hafte, die durch den nahen Abbau entstehen könnten. Auf Nachfrage von Michael Riegger versicherten die Verantwortlichen, der gern genutzte Radweg könnte verlegt werden. Riegger stellte fest: "Je näher wir an die Straße rücken, desto unattraktiver ist es, in Walbertsweiler zu wohnen." Claudia Krall befürchtete, dass die Immobilien durch den nahen Abbau an Wert verlieren. In den vergangenen Jahren war ein großes Neubaugebiet entlang der Landesstraße entstanden.

Auch Paula Halmer brachte sich in die Diskussion ein: "Wir müssen unseren Gemeinderäten ein Signal geben, die stimmen ab." Bürgermeister Werner Müller bat daher zum Ende der Diskussion um Handzeichen für ein Stimmungsbild und Signal für den Gemeinderat. Zur Abstimmung wurde die Frage gestellt, wo die künftige Grenze für den Quarzsandabbau liegen soll. Fast alle Anwesenden sprachen sich dafür aus, den 300-Meter-Abstand zum Ort beizubehalten. Zwei Zuhörer enthielten sich.

Achim Haßdenteufel, Betriebsleiter der Firma Steidle, machte nach diesem Stimmungsbild in der Versammlung deutlich: Sollte aufgrund der Nachfrage der Druck, mehr Rohstoff abbauen zu müssen, in weiter Zukunft so hoch werden, dass die Firma Steidle mit dem Abbau näher an den Ortsrand rücken müsse, seien die von Steidle angebotenen Kompensationsmaßnahmen hinfällig.

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