Wald Andreas Pfau ist einer von 2000 männlichen Erziehern im Ländle

Zum 1. Oktober 2017 übernahm Andreas Pfau aus Mengen die Leitung des Kindergartens Abenteuerland in Wald. Der 34-jährige war davor stellvertretender Kindergartenleiter und Krippenleiter in der katholischen Kindertagesstätte St. Maria in Mengen.

"Es war ein Abenteuer, weil ich eine sichere Stelle für eine Leitung, den nächstlogischen Schritt, aufgegeben habe", schildert er beim Besuch des SÜDKURIER im Kindergarten. Auch für die Eltern sei der Leitungswechsel ein Abenteuer gewesen, da zuvor zwölf Jahre lang Karin Schneider souverän die Einrichtung geleitet habe.

"Ich kann mich Schritt für Schritt entfalten", erzählt Andreas Pfau strahlend. Er hat das Gefühl, dass der Träger, die Gemeinde Wald, offen für Vorschläge ist. Im Oktober war zunächst der gemeinsame Übergang mit Kindergartenleiterin Karin Schneider. Andreas Pfau konnte sich auf die Leitung "seiner" Gruppe, dem "Grünland", konzentrieren, Kinder und Kollegen kennenlernen und Einblicke in die Abläufe des Kindergartens gewinnen. Für ihn stellt der Morgenkreis die schönste Zeit des Tages dar, es sei ein gemeinsames Ankommen. Morgens ist Andreas Pfau in der Gruppe, die Nachmittage sind überwiegend für die Bürotätigkeiten reserviert. Die Kinder nennen Andreas Pfau "Andi". Er singt gerne mit den Kindern und begleitet die Lieder auf der Gitarre.

Kindergarten Abenteuerland Wald, Freitagfrüh, kurz vor 9 Uhr. Erzieherin Ulrike Burth liest Paul und Mio auf dem Sofa aus einem Bilderbuch vor. Die anderen Kinder spielen ruhig miteinander. Im Grünland haben Andreas Pfau und die Erzieher am vergangenen Nachmittag das Mobiliar umgestellt. Die Lernwerkstatt wurde in das Nebenzimmer verlegt, die Lego-und Bauecke getrennt. "Schaut heute mal, ob ihr nun besser spielen könnt", fordert Andreas Pfau die Kindergartenkinder auf. Beim Morgenkreis setzen sich alle Kinder und Erzieher im Grünland in einen großen Kreis.

Andreas Pfau (Mitte) fragt beim Morgenkreis nach den Wochenendplänen der Kinder. Seit Oktober ist er Leiter des Kindergartens Abenteuerland.
Andreas Pfau (Mitte) fragt beim Morgenkreis nach den Wochenendplänen der Kinder. Seit Oktober ist er Leiter des Kindergartens Abenteuerland. | Bild: Sandra Häusler

Erwartungsvolle und andächtige Stille breitet sich aus, als Andreas Pfau mit einem langen Streichholz die Kerze in der Mitte entzündet. Er lässt das Streichholz so lange herunterbrennen, wie die Kinder still sind. Nach einem "Guten Morgen"-Lied fragt Pfau die Kinder nach ihren Wochenendplänen. Danach stimmt der Erzieher das Lied "Der Papagei ein Vogel ist" an und begleitet dieses auf der Gitarre. Strophe für Strophe schlüpfen die Kinder und Erzieher mit verstellten Stimmen in die Rolle des Papageis, Krokodils, Nilpferds oder der Affen.

 

Erzieher

Im März 2017 waren in Baden-Württemberg insgesamt 60 535 Erzieherinnen und Erzieher beschäftigt, darunter 2040 Männer. Die Zahl der Kindergartenleiter in Baden-Württemberg wird nicht gesondert erfasst. In den vergangenen zehn Jahren hat sich der Anteil an Männern, die eine Erzieherausbildung begonnen haben, von rund zehn Prozent (Schuljahr 2006/07) auf 14 Prozent (Schuljahr 2016/17) erhöht. Insbesondere durch das neue Ausbildungsmodell Praxisintegrierte Ausbildung zur Erzieherin und zum Erzieher (PIA) ist es gelungen, das Berufsbild attraktiver zu gestalten und neue Personenkreise für die Ausbildung zu gewinnen. Zum Schuljahr 2016/17 starteten 220 Männer (rund 16 Prozent) eine praxisintegrierte Erzieherausbildung.

 

Was kann "Andi" denn besonders gut, will der SÜDKURIER von den Kindern wissen. "Kantarre (Gitarre) spielen und gut basteln", sagt die vierjährige Mona. "Es macht ganz viel Spaß mit Andi zu spielen und zu basteln", bestätigt Darian (vier Jahre). Andi kann die Kerzen anzünden, erzählt die ebenfalls vierjährige Sarah. "Ich habe schon mit Andi einen Schneemann gebastelt", erzählt Rafael (vier). Fabienne gefällt es, mit Andreas Pfau Spiele zu spielen und sich vorlesen zu lassen.

Den Kindergarten Abenteuerland in Wald besuchen 48 Regelkinder und acht Krippenkinder. Seit Andreas Pfau die Leitung im Grünland übernommen hat, stehen dort während des Freispiels die Türen offen, um eine Willkommensatmosphäre im Kindergarten für die Ankommenden zu schaffen, begründet er. Auch das Büro hat er nach seinen Bedürfnissen eingerichtet. "Ich setzte meine Pädagogik zunächst mal im kleinen Rahmen um. Ich habe viele Ideen, was den Kindergarten angeht, die wir gemeinsam mit dem Team erarbeiten und diskutieren wollen", unterstreicht er.

Es ist ihm wichtig, Kollegen und Teams mit einzubeziehen. Als weiteren Aspekt nennt der Leiter der Einrichtung das "professionelle" Arbeiten. Schließlich sei der Kindergarten ein Dienstleistungsbetrieb. Die Qualität im Kindergarten soll erhalten und weiterentwickelt werden. Auf den geplanten Bau eines Mehrgenerationenhauses mit Kindertageseinrichtung und Seniorentagespflege unter einem Dach angesprochen, führt er an: "Ganztagesplätze sind für die Eltern ganz wichtig. Wir sind voll!" Er sieht das angesichts der Kindergarten-und Krippenzahlen als notwendigen, guten Schritt.

Mittlerweile liegt der Verdienst eines Erziehers im guten Mittelfeld, berichtet der Kindergartenleiter. Man könne gut eine Familie ernähren. "Ich kann nur jeden Mann ermutigen, diesen Beruf zu ergreifen. Die Arbeit mit den Kindern macht sehr viel Spaß. Ich sehe die Arbeit mit Kindern so, dass ich mindestens so viel von ihnen wie Sie von mir lernen können, zum Beispiel nicht alles so ernst zu nehmen, die Zeit im Jetzt zu genießen. Man kann spontan, humorvoll und gedanklich jung bleiben, wenn man sich auf diesen Beruf einlässt."

"Kinder profitieren von einer Vielfalt an Vorbildern"

Anna Buschmeyer, wissenschaftliche Referentin in der Arbeitsstelle Gender am Deutschen Jugendinstitut in München, spricht über den Erzieherberuf.

Wie wichtig sind männliche Erzieher in Kindertageseinrichtungen?

Männliche Erzieher verändern das Bild, das Kinder von Personen haben, die sich um sie kümmern. Es ist für Kinder – und auch für unsere Gesellschaft – wichtig, dies zu erleben, und nicht die Erziehungs- und Sorgearbeit automatisch mit Frauen, Müttern und Weiblichkeit zu verknüpfen. Kinder profitieren von einer Vielfalt an Vorbildern. Manchmal bringen männliche Erzieher neue Themen und Möglichkeiten in eine Kita mit.

Spannend ist es, wenn klassische Rollenbilder aufgebrochen werden und die Männer auch die weiblich geprägten Aufgaben übernehmen und die Frauen die männlich besetzen Tätigkeiten.

Warum ergreifen noch so viele Männer den Beruf Erzieher nicht?

Schon als Kinder erleben wir, dass eher die Frauen die Betreuung der Kinder übernehmen. Care-Tätigkeiten, also Sorgearbeit, gilt daher immer noch als weiblich. Die Entscheidung, mit 18 zu sagen, ich werde Erzieher, fällt jungen Männern offenbar schwerer als jungen Frauen und ist in ihrer Vorstellung von einem möglichen Beruf nicht unbedingt enthalten. Dass nachwachsende Generationen dies anders erleben, ist ein Grund mehr, mehr Männer in Kitas zu fordern. Allerdings hat sich der Anteil von Männern in den letzten Jahren kontinuierlich gesteigert. Und wenn man sich die absoluten Zahlen anschaut, gibt es gar nicht so wenige Erzieher.

Wie könnte die Politik Männer dafür begeistern, den Beruf zu ergreifen?

Von Seiten der Politik ist in den letzten Jahren sehr viel unternommen worden, um die Zahl der männlichen Erzieher zu erhöhen – und es zeigen sich ja auch erste Erfolge. Aktuell sind insbesondere die Bemühungen, die Ausbildung zur Erzieherin oder zum Erzieher auch in Form eines Quereinstiegs zu ermöglichen. Das ist sicher für solche Männer (und Frauen) sinnvoll, die bereits in einem Beruf stehen und viel stärker von einem Einkommen abhängig sind.

Fragen: Sandra Häusler

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