Stetten a. k. Markt Luchs Friedl ist auf dem Heuberg unterwegs

Das Luchsmännchen Friedl ist mit einem Peilsender versehen und erkundet derzeit den Heuberg und das Donautal. Vermutlich auf der Suche nach einem Weibchen.

Im Rahmen der Waldsitzung teilte Förster Jürgen Kuhl dem Gemeinderat mit, dass ein männlicher Luchs in den vergangenen Wochen auf dem Heuberg und im Donautal unterwegs war. Luchs Friedl, wie er genannt wird, wiegt um die 20 Kilogramm und ist eine der größten Raubkatzen Europas und wurde auch schon im Zollernalbkreis und im Kreis Tuttlingen geortet. „Im Donautal und im Bärenthal ist ein edles Wildtier unterwegs“, so Förster Kuhl. Auf den Steighöfen habe er schon drei Rehe gerissen. Das Tier sei sehr scheu und sehr beweglich.

Friedl wurde bereits im April 2015 im Elztal von einem Team der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt (FVA) Baden-Württemberg betäubt und mit einem Sender ausgestattet. Dieser gebe fast täglich ein Signal ab, so dass der Aufenthalt der Katze stets ermittelt werden könne, sagte Kuhl. Ein Signal wurde kürzlich auch vom Schwenninger Galgenberg nahe am Ortsrand gesendet. Friedl war also auch auf dem Heuberg zu Gast. Das Luchsmännchen ist aus dem Schweizer Jura nach Deutschland zugewandert. Was ihm natürlich fehlt, ist ein Weibchen. Auf der Suche nach diesem sei er bereits bis nach Ulm gewandert und der Schwarzwald gehöre ebenfalls zu seinen Reisezielen, so Kuhl. Die Luchs-Population kam in Deutschland meist nur durch menschliche Hilfe zustande. Kuhl berichtete dem Gemeinderat, dass im Bayerischen Wald und im Harz Luchse ausgesetzt worden seien. Auf die Frage aus dem Gremium, wie viele Tiere ein Luchs als Nahrung benötige, meinte Kuhl, ein Stück Frischfleisch pro Woche sei normal. Dazu zählen Rehe und Füchse.

„Unser Anliegen ist es, wissenschaftlich abgesicherte Erkenntnisse über den Luchs zu gewinnen und diese unmittelbar an unsere Partner aus Jagd und Nutztierhaltung weiterzugeben“, hat Naturschutzminister Alexander Bonde im Rahmen eines Forums zum Forschungsprojekt rund um Friedl erläutert. Die Zusammenarbeit mit Jägern und Tierhaltern stehe daher im Mittelpunkt. Welche Lebensräume nutzt der Luchs? Wovon ernährt er sich? Welche Auswirkungen gibt es für die Jagd und die in der Region so bedeutende Weidehaltung von Schafen, Ziegen und Rindern? Das sind dringliche Fragen, wenn es um eine stabile Luchs-Population in Deutschland geht.

„Der besendete Luchs bietet eine bisher einmalige Gelegenheit, diese und weitere Fragen ganz konkret beantworten zu können“, sagte der zuständige Wissenschaftler Micha Herdtfelder bei dem Forum in Stuttgart. Einmal am Tag versuche sich das Halsband in das Handynetz einzuwählen, um die erhobenen Daten per SMS zu verschicken. Gemeinsam mit Jägern suchen die Wissenschaftler der FVA schließlich dort nach Resten von Beutetieren, wo sich der Luchs längere Zeit aufgehalten hat. Friedl mag am liebsten Rehe. Unter zehn erbeuteten Tieren sind bisher im Schnitt acht Rehe und eine Gemse sowie ein kleineres Beutetier, heißt es in einer Mitteilung. Dass Luchse auch Schafe und Ziegen erbeuten, sei die Ausnahme. Rinder und Pferde werden ebenfalls beäugt, allerdings nicht angegriffen. Fragen des Herdenschutzes haben die Forscher dennoch im Blick. Gemeinsam mit Verbänden sei man auf der Suche nach Lösungen für anstehende Herausforderungen, so Minister Bonde. Mittels Rundschreiben werden Personen aus Jagd und Nutztierhaltung sowie Wildtierbeauftragte über Friedls Aktivitäten und die daraus gewonnenen Erkenntnisse informiert.


Forschungsergebnisse

Luchs Friedl hat seit 9. April 2015 nachweislich 1600 Kilometer zurückgelegt. Die tatsächlich zurückgelegte Strecke dürfte jedoch höher liegen, da die Peilungen nicht kontinuierlich erfolgen, erklärt die Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt (FVA). Mit den Forschungsergebnissen sollen Möglichkeiten für Luchse in Baden-Württemberg aufgezeigt und die Diskussion rund um den Umgang mit großen Beutegreifern bereichert werden. FVA-Wissenschaftler Micha Herdtfelder erklärt: „Wir fördern insbesondere das Gespräch zwischen den Personen, die den Luchs befürworten, und denen, die dem Luchs kritisch gegenüberstehen.“ Hierfür wurde das „Regionale Forum zum Umgang mit Großraubtieren“ eingerichtet und über die Herausforderungen, die mit der Rückkehr des Luchses in der Region zu erwarten waren, gesprochen. (san)

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