Sigmaringen Sieben neue deutsche Meister im Bauhandwerk

Die Bauberufe messen sich bei den Deutschen Meisterschaften im Ausbildungszentrum Bau in Sigmaringen. Die Aufgaben haben teils regionalen Bezug: Hohenzollernflagge oder das Schloss Sigmaringen wurden zum Motiv. Fünf Goldmedaillen gehen letztlich an Handwerker aus Baden-Württemberg.

„Ihr seid die Besten der Besten“! Dieses Lob war bei der Abschlussfeier in der Stadthalle mehrfach zu hören. Es darf vor allem den Bauhandwerkern aus Baden-Württemberg gelten, denn bei den sieben Wettbewerben der Deutschen Meisterschaften im Ausbildungszentrum Bau in Sigmaringen holten sich fünf Junggesellen die Gold- und einer die Silbermedaille. Somit stellt der Südwesten fünf neue Deutsche Meister und einen Vizemeister in den Bauberufen.

Bereits zum zweiten Mal innerhalb von nur wenigen Jahren hat der Zentralverband Deutsches Baugewerbe die Meisterschaften in Sigmaringen ausgerichtet. Das spricht viel für diese Einrichtung, gibt es doch im gesamten Bundesgebiet etwa 200 solcher Zentren. Bei der 66. Auflage des Bundesleistungswettbewerbs verglichen Junggesellen aus allen 16 Bundesländern von Samstag bis Montag ihre Leistungen, darunter mit Marlene Mayer aus Berlin und Jolene van Son aus Hessen auch zwei junge Frauen. Mayer übt das Zimmerer- und van Son das Stahlbetonbauer-Handwerk aus. Die Teilnehmer haben sich im Vorfeld in ihrem Bundesland als Landessieger ihres Handwerks für den Bundeswettbewerb qualifiziert.

Aufgaben mit Regionalbezug

Beim Wettbewerb in Sigmaringen waren den Teilnehmern praktische Arbeiten vorgegeben. So mussten die Zimmerleute in drei Modulen ein Dachstuhlmodell konstruieren. An einem Rohrgestell hatten die Wärme-, Kälte- und Schallschutzisolierer verschiedene Ausführungen von Dämmungen an Rohrleitungen anzubringen. Auf vier Module waren die Aufgaben der Stuckateure an einer Metallständerkonstruktion verteilt. Und die Aufgabe der Straßenbauer hatte regionalen Bezug: Sie mussten an nur einem Tag die ehemalige Hohenzollernfahne als Emblem für den Eingangsbereich des Schlosses Sigmaringen gestalten. Hohenzollern und sein Wappen galt auch für die Fliesen- und Mosaikleger als Vorgabe: Zwei Wandflächen waren mit einem Burgportal und dem Wappen zu verkleiden. Bei den Maurern dienten das Schloss Sigmaringen und die aktuelle Jahreszahl als Motiv für zwei Klinkerwände auf unterschiedlichen Mauerwerksebenen. Schalungen für einen Einfahrtspfeiler mit Profilierungen und abgerundeter Ecke zu erstellen, so lautete die Aufgabe der Beton- und Stahlbetonbauer.

Emsiges Planen und Arbeiten herrschte daher in den Werkstätten des Bauzentrums. Selbst das Freigelände war mit Vorführungen verschiedener Baumaschinen belegt. Dort durfte man auch mal selbst baggern, ob auf dem Bedienerplatz sitzend oder per Fernsteuerung. Mehr als 3000 Besucher zogen an beiden Tagen durch die Hallen. Busse brachten Schulklassen und andere Gruppen aus allen Teilen Baden-Württembergs. Die Abschlussfeier glich letztlich einem Finale der Olympiade. Auf der Bühne warteten die Treppchen auf ihre Besteiger. Mit viel Humor und guter Sachkenntnis moderierte Philipp Kamke den Abend. Lob erhielten die Mitarbeiter des Ausbildungszentrums, allen voran Leiter Gerhard Obert und Ausbildungsmeister Wolfgang Lutz, für die Organisation.

Sieger

  • Maurer: Jens Behrens (Gold), Niedersachsen, Moritz Uder (Silber), Saarland, und Philipp Wiesenthal (Bronze) aus Schleswig-Holstein
  • Beton- und Stahlbetonbauer: Niklas Berrot (Gold), Baden-Württemberg, Jonas Hopf (Silber), Thüringen, Michael Pfeffer (Bronze), Bayern
  • Fliesen-, Platten- und Mosaikleger: Janis Vincent Genter (Gold), BaWü, Maurice Friedolin Käsmann (Silber), Hessen, Toni Strauß (Bronze), Bayern
  • Straßenbauer: Niclas Neß (Gold), Baden-Württemberg, Tim Ruschau (Silber), Schleswig-Holstein, und Felix Brechmann (Bronze), Nordrhein-Westfalen
  • Stuckateure: Jannik Kern (Gold), Baden-Württemberg, Christoph Henkel (Silber), Rheinland-Pfalz, und René Wolf (Bronce), Saarland
  • Wärme-, Kälte- und Schallschutzisolierer: Balázs Kis (Gold), Bayern, Maximilian Saupe (Silber), Baden-Württemberg, und Tim Bastigkeit (Bronze), Niedersachsen
  • Zimmerer: Lukas Nafz (Gold), Baden-Württemberg, Tom Jacobsen (Silber), Schleswig-Holstein, und Micha Endt (Bronze) Sachsen.

Fähige Köpfe für Handwerk gesucht

Bernhard Sänger ist 70 Jahre alt, Präsident des Verbandes der Bauwirtschaft Baden-Württemberg, und Chef seiner eigenen Baufirma bei Freiburg.

Wie war Ihr beruflicher Werdegang?

Nach der mittleren Reife habe ich eine Lehre als Maurer gemacht. Anschließend habe ich in Stuttgart an der Staatsbauschule studiert und den Bauingenieur gemacht.

Was sehen Sie als den wesentlichen Unterschied bei der Ausbildung im Bauhandwerk zwischen früher und heute?

Es gab auch damals schon die überbetriebliche Ausbildung. Wesentlich verbessert hat sich die Kultur am Bau. Früher hat man den Lehrling schon etwas missbraucht. Vesper holen, Material und Werkzeug aufräumen, Auszubildende waren so ein bisschen „der Dackel vom Dienst“. Das ist wesentlich besser geworden. Heute weiß man, was man an einem Lehrling hat. Er ist auch viel zu teuer, um Vesper zu holen.

Sind Bauberufe überhaupt attraktiv?

Auf jeden Fall. Der Fachkräftemangel ist spürbar und deshalb brauchen in der Bauwirtschaft fähige Köpfe. Die Herausforderungen machen der Jugend Spaß. Übrigens ist bei uns der Baugeräteführer die „NumberOne“ in den Ausbildungsberufen. Auf so einen Bagger zu sitzen, das macht einfach Spaß. Es geht mir ja selbst so. Und die Ausbildungsvergütung ist deutlich höher als in vielen anderen Berufen.

Fragen: Karlheinz Fahlbusch

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