Sigmaringen Geplanter 1000-Kühe-Großstall in Ostrach-Hahnennest: 300 Besucher bei Debatte ins Haus Linzgau

Veranstaltet wurde der Abend von der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft und dem BUND.

Rund 300 Besucher kamen am Dienstagabend ins Haus Linzgau. Es ging um industrielle Landwirtschaft und 1000 Kühe, die in Ostrach-Hahnennest in einem neuen Großstall stehen sollen. Die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft, sie stellte mit Frieder Thomas aus Konstanz auch den Moderator, der die Veranstaltung souverän leitete, und der BUND hatten gemeinsam eingeladen.

„Die vielen Menschen zeigen, dass das Thema ängstigt“, stellte Annamaria Waibel vom BUND Pfullendorf in ihrer Begrüßung fest. „1000 Kühe bedeutet auch 1000 Kälber im Jahr. Wir lehnen eine Massentierhaltung ab.“

Ottmar Ilchmann ist Ostfriese, hat einen Betrieb mit 60 Kühen, Ackerland und Grünland. Milcherzeugung hat in der Region Vorrang. „Wir haben keine Alternativen“, sagt der Landesvorsitzende der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft in Niedersachsen. Biogas und Maisanbau ist in seiner Heimat nicht möglich. Er bewirtschaftet seinen Betrieb konventionell. Den geplanten Großstall in Hahnennest sieht er skeptisch.

„Die Anlage, die hier geplant ist, das ist nicht das, was wir uns unter bäuerlichen Dimensionen vorstellen.“ Er machte aber deutlich, dass ihm zu Hahnennest zu wenige Informationen vorliegen. In den neuen Bundesländern seien Betriebe mit über 1000 Kühen keine Seltenheit. In ganz Westdeutschland seien die Durchschnittsbestände unter 80 Kühen. Milcherzeugung finde überwiegend in bäuerlichen Familienbetrieben statt.

Die Milchquote läuft am 1. April aus. Bislang habe diese Quote Expansionen begrenzt. Nun werde propagiert, dass die Chancen für Milchprodukte auf dem Weltmarkt gut seien. Doch das sei nicht so. Krisen und sinkende Nachfrage hätten auch Auswirkungen auf den Preis. Der liege jetzt bei 26 bis 28 Cent pro Liter. Großerzeuger würden durch Staffelpreise bevorzugt. Der geplante Stall entspreche 25 Höfen mit 40 Kühen. Der Flächen- und Preisdruck würde das Höfesterben fördern. Ilchmann sprach sich vehement dafür aus, dass Kühe auf die Weide müssen.

Nachdem Alfred Kaltenbach aus Kleinstadelhofen nochmals die Beweggründe für seine Unterschriftenaktion gegen das geplante Großprojekt erläutert hatte, ging Georg Rauch aus Hahnennest ans Mikrofon. Er ist der Sprecher der Bauerngemeinschaft, die den Großstall errichten will. „Das ist glasklar ein Kampagne“, stellte er fest. Keiner hätte vorher mit ihnen geredet und sich informiert. Vier Betriebe, das ganze Dorf arbeite zusammen. 2009 habe man eine Biogasanlage gebaut. „So etwas geht nicht mit Fingerschnippen.“ In seinem Dorf sterbe nicht ein einziger Hof. Dann bat er alle seine Partner nach vorne. Da wurde schnell deutlich, dass das geplante Projekt auf ganz vielen Beinen steht. Und es waren nicht nur die vier Familien aus Hahnennest, die sich da präsentierten, sondern auch eine ganze Menge Landwirte aus der Region, die mit den Kollegen aus Hahnennest zusammenarbeiten.

Rauch lud Annamaria Waibel vom BUND ein, sich vor Ort zu informieren. Diese lehnte ab. „Ich war schon in Hahnennest. Ich finde eine öffentliche Diskussion besser.“

In der Diskussion ging es auch um den Flächenverbrauch und die befürchtete Steigerung der Pachtpreise. Rauch betonte, dass schon für die Biogasanlage keine zusätzlichen Flächen gepachtet wurden. Beim Stall werde das ebenso sein.

Thomas Metzler, Geschäftsführer Energiepark Hahnennest, machte deutlich: „Es gibt keine Quersubvention Biogas – Milchvieh. Für so was gäbe es kein Geld von der Bank.“ Er kündigte eine Informationsveranstaltung zum geplanten Kuhstall an. „Wir werden Rede und Antwort stehen und hoffen da auch auf eine volle Halle.“ Bislang gibt es aber noch gar keinen Bauantrag.

Die Verbände

Die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) wurde 1980 gegründet. In ihr sind mehrheitlich kleine und mittlere landwirtschaftliche Betriebe der bäuerlichen Landwirtschaft, aber auch Verbraucher zusammengeschlossen. Die AbL versteht sich selbst als Opposition zum Deutschen Bauernverband, der für sie eine einseitige Interessenvertretung der Agrarindustrie ist.

Der BUND (Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland) ist einer der großen Umweltverbände der Bundesrepublik. In Pfullendorf gibt es einen Ortsverband und eine Geschäftsstelle. (kf)

Ihre Meinung ist uns wichtig
Herbstliche Weine vom Bodensee
Neu aus diesem Ressort
Sigmaringen
Sigmaringen
Sigmaringen
Sigmaringen
Sigmaringen
Sigmaringen
Die besten Themen
Kommentare (2)
    Jetzt kommentieren