Sigmaringen Erinnerung an schöne Zeiten im Konvikt St. Fidelis

Bernhard Eisele erzählt aus seiner Jugend. Im damaligen Konvikt St. Fidelis hat er viel fürs Leben gelernt.

Wenn das ehemalige Studienkolleg St. Fidelis am Samstag einen neuen Namen und eine neue Teilnutzung bekommt, werden bei vielen Sigmaringern alte Erinnerungen wach. Auch bei denen, die selbst einige Jahre ihrer Jugend in dem katholischen Internat verbracht haben. Einer, der das Konvikt mit guten Erinnerungen verbindet, ist Bernhard Eisele.

Der 49-Jährige war Konrektor an der Sonnenluger-Schule in Mengen und Rektor an der Sechslindenschule in Pfullendorf. Seit 2014 ist er Schulrat in Albstadt. Was viele nicht wissen: Auch er war von 1979 bis 1989 "Kitteraner", wie sich die Jungs im Konvikt selbst genannt haben. Acht Jahre davon als Schüler und zwei Jahre als Zivildienstleistender. "Ich bin freiwillig hingegangen", sagt der Trochtelfinger. Mehr noch: "Ich wollte da unbedingt hin." Er kannte das Konvikt von seinem Bruder. Es gab auch Werbewochenenden für Ministranten aus dem Hohenzollerischen, um das Leben im Konvikt kennenzulernen. Die Menge an gleichaltrigen Jungs und der Sportplatz, das hat ihn gereizt. Aber es gab durchaus Mitschüler, die nicht freiwillig nach Sigmaringen gekommen sind.

Neben dem obligatorischen Schulunterricht, für Eisele fand der schon im neu gebauten Hohenzollern-Gymnasium statt, wurde im Konvikt eine ganze Menge an außerschulischer Bildung angeboten. Karl Missel war damals Rektor, Kurt Dangel Konrektor. Knapp 100 Schüler hatte das Konvikt zurzeit Eiseles. Wenn kein Unterricht oder kein Studium war, hieß es "Bildung, Religion und Gemeinschaft". Das war das Leitbild von Karl Missel.

Die "Konviktler" im Jahr 1980. Bernhard Eisele ist der siebte Junge von links in der unteren Reihe. Bild: privat
Die "Konviktler" im Jahr 1980. Bernhard Eisele ist der siebte Junge von links in der unteren Reihe. Bild: privat

Wecken war um 6 Uhr. Beim Frühstudium bereitete sich jeder an seinem Platz im Studiersaal auf den Tag vor. Repetieren, Klassenarbeiten durchschauen und das Lernen von Vokabeln gehörten dazu. Um 7 Uhr gab es Frühstück. Die meisten Konviktler besuchten den Unterricht am Hohenzollern-Gymnasium. Nach dem gemeinsamen Mittagessen standen drei Stunden Studium auf dem Plan. Nach dem Abendessen war einmal pro Woche Messe in der hauseigenen Kapelle, die mittlerweile abgerissen wurde. Für die kleinen Jungs gab es noch etwas Freizeit, für die Großen besondere Angebote. Musik, handwerkliche Dinge und Sport waren da wichtig. "Ich habe meine Jugend auf dem Sportplatz verbracht", schmunzelt Eisele. Einmal im Monat musste man zwei Stunden dem Hausmeister helfen.

In der 10. Klasse wurde man Tischpräfekt, das heißt, man war "der Chef" am Tisch. Da galt es, auf die Tischsitten und nötige Disziplin zu achten. "Man war in gewisser Weise für die Kleineren der große Bruder", erinnert sich Eisele, dem anzumerken ist, dass er im Konvikt eine schöne Zeit erlebt hat. Als Oberstufler habe man mit den Jüngeren auch Sport, Laborarbeiten und andere Dinge gemacht. Eiseles Leidenschaft galt damals dem Fotografieren. Für ihn ist es kein Zufall, dass er Pädagoge geworden ist. Das Miteinander und der Teamgedanke haben ihn geprägt.

 

Regeln und Belohnungen waren gut ausgeglichen

 

Es gab klare Regeln. Die waren zwar nicht mehr so streng wie zu den Zeiten, als Thomas Geiselhart im Jahr 1856 das Studienkolleg im heutigen Fidelis-Haus gegründet hat, aber sie mussten ebenso befolgt werden. Alkohol und Nikotin waren nicht erwünscht, nächtliches Aussteigen auch nicht. Wurde gegen die Regeln verstoßen, dann gab es "Soze". Das bedeutete dann zusätzliche Stunden beim Hausmeister oder eine Mark für die Mission. Es gab aber auch Belohnungen für besonderes Engagement. So konnte der Arbeitsanteil erlassen oder Studierzeiten freier gestaltet werden. "Als Elite hat man sich nicht gefühlt, aber wir hatten ein ausgeprägtes Wir-Gefühl", erinnert sich Eisele. Enge und tiefe Freundschaften gibt es noch immer. Er hatte nie Heimweh. "Es war meine Welt, da war ich daheim." Vieles von dem, was er da mitbekommen hat, konnte er weitergeben.

Die früheren Schlafsäle waren zu Eiseles Zeiten bereits kleineren Zimmern gewichen. Drei oder vier Betten standen darin. Später gab es Doppelzimmer. Natürlich ohne Fernseher. Die Zimmer waren in Wohngemeinschaften zusammengefasst. Eine Stereoanlage aufs Zimmer gab es als Belohnung. Es wurde "gute klassische Musik" gehört. Und es gab auch Partys. Im Gymnasium waren sie am nächsten Tag der bevorzugte Gesprächsstoff.

Bernhard Eisele ist noch immer eng mit dem Konvikt verbunden. Er hat einen Sitz im Verwaltungsrat und kann so die Geschicke des traditionsreichen Hauses mitbestimmen. "Dass es jetzt weitergeht und auch wieder junge Leute dort wohnen werden, das freut mich ganz besonders", sagt er. Im ab Samstag "Haus Bethlehem" benannten Konvikt werden neben diversen Dienststellen der Sozialpsychiatrie des Caritasverbandes auch Wohngruppen vom Haus Nazareth eingerichtet.

 

Chronik

1856: Pfarrer Thomas Geiselhart zieht mit den ersten Zöglingen ins Fidelis-Haus in der Innenstadt.

1933: Das neue Fideliskonvikt am Schönenberg über der Donau wird eingeweiht. Im Dritten Reich soll das Konvikt Nationalpolitische Erziehungsanstalt werden, wird im Zweiten Weltkrieg aber Lazarett.

In den 1930er Jahren war das neue Konvikt entstanden. Die Kapelle (rechts) wurde jetzt abgerissen.
In den 1930er Jahren war das neue Konvikt entstanden. Die Kapelle (rechts) wurde jetzt abgerissen. | Bild: Kreisarchiv

1946: Das Studienkolleg St. Fidelis nimmt wieder seine Arbeit auf.

2003: Das Konvikt wird wegen sinkender Schülerzahl geschlossen. Es gibt unterschiedliche Nutzungen.

2017: Das Konvikt wird am 9. Dezember nach Umbauten mit neuer Nutzung in „Haus Bethlehem“ umbenannt.

 

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