Schwenningen Pfarrer Hans Locher nimmt Abschied

Im Gespräch mit einem Seelsorger, dessen Markenzeichen Jeans, rote Autos und die Liebe zum 1. FC Kaiserslautern und Eintracht Frankfurt sind und der das Leben auf dem badischen Heuberg über Jahrzehnte begleitet hat.

Herr Locher, wie kamen Sie zum Theologiestudium?

Bis zu meinem Abitur 1967 am staatlichen Gymnasium in Sigmaringen verschwendete ich an den Wunsch, Priester zu werden, noch gar keinen Gedanken. Ausschlaggebend für meine Entscheidung, Theologie zu studieren, war mein damaliger Religionslehrer am Gymnasium August Krist, der mich fragte, ob er mich in Freiburg anmelden dürfe. Und da ich noch in keinster Weise für eine Studienrichtung festgelegt war, ging ich eben nach Freiburg. Erst während des Studiums in Freiburg und in Innsbruck wuchs in mir der Wunsch und die Überzeugung, Priester werden zu wollen. Und so erhielt ich 1973 – am 15. Dezember – durch den damaligen Erzbischof Hermann Schäufele die Diakonenweihe und am 4. Mai 1975, ebenfalls durch Erzbischof Hermann Schäufele, im Münster zu Freiburg die Priesterweihe.

Wie sehen Sie rückblickend ihre Zeit mit den Menschen vom Heuberg?

Das Ergebnis der Arbeit und dem Erscheinungsbild eines Pfarrers ist, dass einen die Menschen ein wenig mögen. Das, glaube ich, habe ich in etwa erreicht. Das beruht natürlich auch auf Gegenseitigkeit – denn auch ich mag meine drei Pfarrgemeinden. Von Anfang an war für mich das persönliche Du im Umgang miteinander wichtig – verbunden natürlich mit gegenseitigem Respekt. So war es auch selbstverständlich, dass ich für unsere Kinder nicht der Herr Pfarrer bin, sondern schlicht und einfach unser Pfarri. Nach 36 Jahren in und mit unseren drei Pfarrgemeinden wird mir jetzt schon das Herz schwer – ich darf noch gar nicht weiter daran denken. Eines meiner Ziele war, den Menschen Mut zu machen, dass sie das Leben, trotz aller Widrigkeiten, die im Grunde niemandem erspart bleiben, genießen und es aber auch gleichzeitig verantwortungsvoll gestalten.

Wichtig war für mich auch, zu vermitteln, dass es in der Kirche und der Pfarrgemeinde genügend Raum geben muss für Menschen allen Alters, für Menschen unterschiedlicher Prägungen und verschiedener Frömmigkeitsarten.

Vielfach wurden Sie 'Pfarri dauernd unterwegs' genannt. Sie waren in den vergangenen 35 Jahren mit dem Schwenninger Busunternehmer Beck mit jährlich zwei Wallfahrts- und Erlebnisreisen sowie 20 Jahre unterstützt vom Busfahrer Erwin Schlude mehrheitlich in Radfeld in Tirol mit Kinderfreizeiten auf Achse. Zusätzlich betreuten Sie diverse Ausflüge der Ministranten, Erstkommunikanten, der Frauen, Seniorinnen, des Altenwerks und der Rentner. Welches waren aber für Sie die Höhepunkte in der langen Zeit?

Höhepunkte waren in jedem Fall die Gottesdienste, die wir miteinander in ganz verschiedenen Formen gefeiert haben; vor allem auch zu den kirchlichen Festzeiten. Auch die jährliche Erstkommunionfeier zähle ich zu diesen Höhepunkten sowie die besonderen Gottesdienste mit Beteiligung der Kindergartenkinder. Natürlich gehören zu den Höhepunkten auch die Renovierungen aller drei Kirchen sowie der Bau und die Renovierung von Pfarrscheuer und Pfarrheimen.

Wie haben Sie ihre Mitarbeiter in den drei Pfarrgemeinden in Erinnerung?

Treue und vielfältige Unterstützung bei meinen vielfältigen Aufgaben bekam ich von den überaus vielen ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in den drei Pfarrgemeinden. Es würde zu weit führen, alle aufführen zu wollen, weil ich wirklich niemanden vergessen möchte. Für ein sehr vertrautes und sehr gutes Miteinander bin ich sehr dankbar und werde es immer zu schätzen wissen. Nur meine beiden wichtigsten Mitarbeiterinnen möchte ich namentlich erwähnen, meine beiden Sekretärinnen Gisela Vögele und Sigrid Tribelhorn. Wenn die nicht gewesen wären, hätte ich auch manches nicht schaffen können.

Wie fällt ihr Rückblick auf die Zeit auf dem Heuberg aus?

Wenn ich nun zurückblicke auf die 36 Jahre in meinen Pfarrgemeinden Hartheim, Heinstetten und Schwenningen, dann gibt`s neben sehr vielen Höhen auch manche Tiefen, denn in einer so langen Zeit kann einfach nicht alles glatt laufen. Aber auch Hindernisse und Probleme musst du einfach annehmen und versuchen, sie zu lösen. So kann ich abschließend anmerken: Der badische Heuberg mit den drei Pfarrgemeinden Hartheim, Heinstetten und Schwenningen ist für mich schon Heimat geworden, denn Heimat ist dort, wo man sich wohl und verstanden und akzeptiert fühlt. Und so bin ich stolz und glücklich und sehe es als großes Geschenk Gottes, die meiste Zeit meines priesterlichen Wirkens – nämlich 36 Jahre – hier verbracht haben zu dürfen.

Wie lautet ihr Lebensmotto?

Ein berühmter Satz vom heiligen Papst Johannes XXIII. hat mich auf meinem Weg immer wieder begleitet und auf den Boden zurückgeholt, der Satz "Giovanni-Hans-nimm dich nicht so wichtig". Sich selbst nicht zu wichtig nehmen aber trotzdem mit Engagement und Mut seine Aufgaben erfüllen, das war ein Stück weit auch mein Lebens- und Berufsmotto. Wir alle sind wertvolle und einmalige Geschöpfe Gottes.

Wilfried Koch

 

Zur Person

Hans Locher wurde am 8. Juni 1947 in Stetten unter Holstein geboren. Nach dem Besuch der dortigen Volksschule von 1959 bis 1967 folgte der Besuch des damaligen staatlichen Gymnasiums in Sigmaringen. Nach dem Abitur 1967 schloss sich das Studium der Theologie in Freiburg und Innsbruck an. 1973 dann die Ausbildung für den Priesterberuf im Priesterseminar in St. Peter im Schwarzwald sowie die Weihe zum Diakon durch Erzbischof Hermann Schäufele. 1974 begann er als Diakon in St. Michael Weingarten bei Karlsruhe und war in Karlsruhe-Mühlburg St. Peter und Paul tätig. Am 4. Mai 1975 folgte die Priesterweihe im Münster zu Freiburg durch Erzbischof Hermann Schäufele. Nach der Zeit als Vikar in Lörrach, als Religionslehrer in Kaiserslautern und Vikar in Ettlingen wurde er ab dem 9. Januar 1981 Pfarrer in St. Agatha Heinstetten und St. Jakobus Hartheim. Zusätzlich seit dem 23. März 1983 dann auch Pfarrer in St. Kolumban in Schwenningen. Am 16. Juli 2005 folgte die Errichtung der Seelsorgeeinheit "Großer Heuberg/Baden" in seinen drei Gemeinden und er wurde zu deren Leiter. Seit Januar 2015 Kooperator in der neuen Seelsorgeeinheit Heuberg-St.

Barbara. Am 1. August tritt Pfarrer Locher in den Ruhestand. Bereits am Sonntag, 2. Juli, 9.30 Uhr nehmen die Christen aus Hartheim, Heinstetten und Schwenningen bei einem Festgottesdienst in der St. Kolumban-Kirche sowie bei einem Stehempfang in der Heuberghalle Abschied. (wk)

Ihre Meinung ist uns wichtig
Historische Momente
Neu aus diesem Ressort
Schwenningen
Schwenningen
Schwenningen
Schwenningen
Schwenningen
Schwenningen
Die besten Themen
Kommentare (0)
    Jetzt kommentieren