Pfullendorf Schwerlastverkehr nimmt weiter zu

Die Bürgermeister Thomas Kugler (Pfullendorf) und Ralph Gerster (Herdwangen-Schönach) drängen auf einen dritten Bauabschnitt. Dieser würde über den Otterswanger Kreisel geführt, eine Umfahrung von Aach-Linz und Herdwangen bedeuten. Anwohner in den beiden Orten leiden besonders unter dem Verkehrslärm.

Da der zweite Bauabschnitt in der Verkehrskonzeption mit dem Spatenstich offiziell in Angriff genommen wird, drängt Pfullendorfs Bürgermeister Thomas Kugler nun darauf, dass auch der dritte Bauabschnitt in die Planungsphase mit aufgenommen wird. Die Umgehung sollte am Otterswanger Kreisel fortgeführt werden und eine Umfahrung des Pfullendorfer Stadtteils Aach-Linz und Herdwangen mit beinhalten.

Kugler erinnert an das Verkehrsforum des Landkreises von 2011 in Ennetach, bei dem jenes Vorhaben in die mittelfristige Planung als ausbauwürdige Achse priorisiert worden ist. "Jetzt haben wir das Ziel, dass wir mit diesem dritten Bauabschnitt in den nächsten Generalverkehrsplan des Landes hineinkommen. Dieser Bauabschnitt wäre zudem ein leistungsfähiger Zubringer auf die Bundesstraße 30", sagt Pfullendorfs Bürgermeister. Julia Pieper, Pressesprecherin des Verkehrsministeriums, erklärt jedoch auf Anfrage zur bisherigen Nichtberücksichtigung, dass "das Bewertungsergebnis des Bauabschnitts III damals nicht ausgereicht hat, um in den Maßnahmeplan aufgenommen zu werden". 2019 wolle das Ministerium damit beginnen, die Maßnahmen neu zu betrachten.

Am Ortseingang von Aach-Linz pflegen einige Autofahrer einen recht flotten Fahrstil, bis sie in die Nähe der Blitzanlage kommen.
Am Ortseingang von Aach-Linz pflegen einige Autofahrer einen recht flotten Fahrstil, bis sie in die Nähe der Blitzanlage kommen. | Bild: Jürgen Witt

Angedacht ist, dass die Straße vom Otterswanger Kreisel hinter dem Seepark über die Buschoren auf die Stockacher Straße führt. Die müsste vernünftig bis zum Kreisverkehr Egelsee ausgebaut werden, sagt Emil Gabele, Ortsvorsteher von Aach-Linz. Auch der Kreisverkehr Kalkofen müsste verbreitert werden. "Dann wäre das eine leistungsfähige Straße und ein möglicher Ansatzpunkt", so Emil Gabele im Gespräch mit dieser Zeitung. Der Aach-Linzer gilt als starker Befürworter einer Umgehungsstraße, zumal die auszubauende Strecke größtenteils aus vorhandenen Straßen bestünde. Während Thomas Kugler drei bestehende Nord-Süd-Verbindungen mit schmalen Straßen und beschädigtem Fahrbahnbelag nach Deggenhausertal und Altheim auflistet und die Serpentinen hinter Heiligenberg anführt, wo überall die Geschwindigkeit zu drosseln ist, fallen für Gabele die Limitierungen für den Schwerlastverkehr ins Gewicht. Sie sind auf Strecke nach Heiligenberg und Deggenhausertal auf 12 beziehungsweise 7,5 Tonnen beschränkt. Gleichwohl wisse er auch in Richtung Altheimer Steige von Bestrebungen, die Lastwagenkapazitäten einzuschränken. "Das würde bedeuten, dass letztendlich alle Lastwagen durch Aach-Linz fahren müssen." Man könne nicht drei Strecken schließen und die Anwohner in Aach-Linz mit ihrer schon jetzt enormen Lärmbelästigung alleine lassen, sagt Gabele. "Wenn morgens um 5 Uhr die Lastwagen durch den Ort donnern, da hört der Spaß einfach auf!"

Herdwangen-Schönachs Bürgermeister Ralph Gerster irritiert, dass die von der Gemeinde beantragte Ampelanlage nicht genehmigt wurde, weil eine solche gar nicht zulässig wäre: "Das finden wir sonderbar." Zumal sich diese in der Nachbarschaft, in Mahlspüren im Tal und Winterspüren, gegen Tempoüberschreitung positiv ausgewirkt hätten. Gerster befürchtet, dass durch den Ausbau der B 31-neu sich der Schwerlastverkehr noch stärker auf die Landesstraße 195 und seine Gemeinde verlagere: "Wir treten mit aller Vehemenz für die Ortsumfahrung ein!" Diese erachten die an der Bodenseestraße lebenden Anrainer ebenso für absolut sinnvoll. Im nächsten Jahr soll es dort eine Verkehrüberprüfung durch eine installierte Radaranlage geben. Auch der Kreisrat der Grünen, Helmut Bussmann, sieht die Notwendigkeit stationärer Ampelanlagen, auch wenn er sich trotz der sich in Stoßzeiten durchwälzenden Blechlawine gegen eine Umfahrung ausspricht (siehe Nachgefragt). Da seit Kurzem die Landstraße von Aach-Linz nach Selgetsweiler bis voraussichtlich 15. Juni voll gesperrt ist, verdichtet sich der Verkehr noch mehr. "Da brauchst du kein Radio, keinen Fernseher, du hörst nur noch Autos vorbeirauschen", sagt uns ein Bürger, der die Fenster zur Straße wegen des Lärms nicht mehr zu öffnen wagt.

 

"Ortsumfahrung ist wenig sinnvoll"

Helmut Bussmann lebt in Herdwangen-Schönach und sitzt im Sigmaringer Kreistag für Bündnis 90/Die Grünen.

Helmut Bussmann, Grüne
Helmut Bussmann, Grüne | Bild: Jürgen Witt

Herr Bussmann, die Ortsumfahrung Herdwangen bleibt ein Thema. Wie stehen Sie dazu?

Das sehe ich sehr skeptisch. Die Streckenführung müsste ja in Richtung Hohenfels-Liggersdorf erfolgen. Das würde einen gewaltigen Landschaftsverbrauch bedeuten. Sie müsste zwischen Herdwangen und Oberndorf ja am Stohrenwald vorbeiführen. Dort haben wir schon ein Neubaugebiet. Eine Ortsumfahrung halte ich für keine sinnvolle Lösung.

Argumentiert wird aber mit einem zu hohen Verkehrsaufkommen...

Bei uns wurde schon öfters eine Verkehrszählung durchgeführt. In Ebratsweiler ist eine Gefahrenstelle für Schüler, die die Straße wechseln müssen, um mit dem Bus in die Waldorfschule nach Überlingen zu kommen. Da heißt es, die Verkehrsdichte sei nicht gegeben. Ich wohne direkt an der Durchgangsstraße. Dort haben wir eine Fußgängerampel gewünscht, damit Schüler gefahrlos zur Schule gehen können. Das wurde abgelehnt, weil der Verkehr zu gering sei. Klar, durch die Umleitung von Aach-Linz nach Stockach wird das Verkehrsaufkommen in Herdwangen nochmals deutlich größer.

Gefahrenstelle in Ebratsweiler. Die beiden Bushäuschen, an denen umzusteigen ist, liegen quer gegenüber, bei flüssigem Autoverkehr ist das nicht einfach.
Gefahrenstelle in Ebratsweiler. Die beiden Bushäuschen, an denen umzusteigen ist, liegen quer gegenüber, bei flüssigem Autoverkehr ist das nicht einfach. | Bild: Jürgen Witt

Was würden Sie statt einer Ortsumgehung favorisieren?

Es gibt viele andere Projekte. Eines wäre der Radweg, der am Ortsausgang Herdwangen endet und fünf Kilometer weiter nach Owingen geführt werden könnte. Wir müssen begreifen, dass wir nicht grenzenlos weiter nur auf Wachstum setzen können. Damit können wir Probleme wie Armut, Artensterben nicht lösen oder die Klimaziele erreichen. Die Gemeinwohlökonomie wäre ein alternatives Wirtschaftsmodell, bei der die Lebensqualität der gesamten Gesellschaft im Mittelpunkt steht.

Fragen: Jürgen Witt

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