Pfullendorf Pläne für zweiten Windpark bei Denkingen

Das Unternehmen ABO Wind AG aus Wiesbaden will auf der Gemarkung Pfullendorf einen Windpark mit maximal vier Anlagen bauen. Die Inbetriebnahme ist für 2020 geplant.

Die in Wiesbaden ansässige und seit zwei Jahrzehnten im Windanlagenbau tätige Firma ABO Wind AG will in Nachbarschaft zum bestehenden Windpark "Hilpensberg" auf der Gemarkung Denkingen weitere Anlagen bauen, die im zweiten Quartal 2020 in Betrieb gehen sollen. In einer Pressemitteilung informierte das Unternehmen, das deutschlandweit schon 170 Windenergieanlagen mit einer Gesamtleistung von rund 500 Megawatt im Wald errichtet hat, über das Vorhaben. "Obwohl wir uns momentan in einem sehr frühen Planungsstadium befinden, sind wir schon jetzt um größtmögliche Transparenz bemüht", erläutern die Verantwortlichen ihre Vorgehensweise. Die Waldfläche im Gewann "Hohenreute", auf denen maximal vier Windräder gebaut werden, gehört dem Spitalfonds Überlingen, der das Areal vor zwei Jahren für die Windenergienutzung öffentlich zur Verpachtung ausgeschrieben hatte.

Wo genau die Anlagen entstehen, ergebe sich im Planungsprozess, versichern die künftigen Bauherren, dass sich die Bauwerke mindestens einen Kilometer entfernt von Siedlungen und Einzelhöfen befinden werden. "Wir legen großen Wert darauf, ausreichende Abstände zur bestehenden Wohnbebauung einzuhalten. Wir übertreffen damit den im Windenergieerlass Baden-Württemberg empfohlenen Mindestabstand von 700 Metern deutlich", ist auf der eigens für den Windpark Denkingen entwickelten Homepage www.windpark-pfullendorf-denkingen.de zu lesen.

Die frühzeitige Information der Öffentlichkeit und die auf Transparenz ausgerichtete Firmenpolitik wertet Karl Abt, Ortsvorsteher von Denkingen, als positiv, wobei die Einwohnerschaft grundsätzlich über den Bau weiterer Windräder nicht glücklich sei. "Ich bin gespannt, was auf uns zukommt", berichtet der Ortsvorsteher, dass es seit Inbetriebnahme der drei Anlagen des "Windparks Hilpensberg" schon Beschwerden wegen Lärmbelästigung gab. In einer öffentlichen Sitzung des Ortschaftsrates am Montag, 8. Mai, 20 Uhr, im Rathaus, werden das Gremium und die Bevölkerung von Vertretern der Firma ABO über ihre Pläne informiert, ergänzt Abt auf Anfrage des SÜDKURIER. Bis Jahresende sollen die naturschutzfachlichen Untersuchungen abgeschlossen und weitere Fachgutachten eingeholt sein. Im ersten Quartal 2018 will man den Bauantrag entsprechend den Vorgaben des Bundes-Immissionschutzgesetzes stellen und hofft, bis Jahresende die Genehmigung zu bekommen. Zu Beginn 2019 soll das Ausschreibungsverfahren nach dem Enerneuerbaren Energiegesetz folgen und wieder zum Jahresende will man mit dem Bau beginnen. Im zweiten Quartal 2020 sollen sich die Räder im Wind drehen. Bei den notwendigen Rodungsmaßnahmen sollen die Eingriffe in die Natur minimiert werden. "Daher planen wir Windparks entlang bestehender Wege sowie auf Windwurfflächen", versichern die Betreiber, dass man zusätzlich Ausgleichsmaßnahmen vereinbare, um andere Teile des Waldes ökologisch aufzuwerten.

Bürgermeister Thomas Kugler ist von dem zweiten Windpark auf der Gemarkung immer noch wenig begeistert, wobei sich die ABO-Planer an Gründonnerstag bei ihm im Rathaus vorgestellt hatten, erläuterte der Rathauschef gestern auf Nachfrage des SÜDKURIER. Auch er findet lobende Worte für die Informationspolitik des Unternehmens und weist bezüglich der Realisierung des Vorhabens auf das Planungsrecht hin, das der Stadt im Prinzip keine Einwirkungsmöglichkeiten bietet.

Firma ist seit 20 Jahren am Markt

ABO Wind ist ein Projektentwickler für erneuerbare Energien aus Wiesbaden. Seit 1996 hat das Unternehmen im Kerngeschäft Windenergie gut 590 Windenergieanlagen mit mehr als 1200 Megawatt Leistung ans Netz gebracht. Rund 400 Mitarbeiter planen, finanzieren und errichten schlüsselfertige Windparks. Sie erstellen Gutachten, wickeln den Genehmigungsprozess und die Finanzierung ab und kümmern sich um Netzanschluss und Bau. ABO Wind übernimmt der Projektentwicklung von der Standortakquise bis zur Errichtung von Windkraftanlagen.

ABO Wind ist stetig gewachsen und zählt heute mit einem jährlichen Projektvolumen von rund 300 Millionen Euro zu Europas versierten Entwicklern von Windkraftprojekten. Die Gründer Jochen Ahn und Matthias Bockholt gehören nach wie vor dem Vorstand des Unternehmens an und sind Mehrheitseigentümer.

Inzwischen arbeiten rund 400 ABO Wind-Mitarbeiter in Europa, Lateinamerika und in neuen Märkten wie dem Iran an der Energiewende. Wichtigster Markt ist jedoch Deutschland, wo das Unternehmen neben dem Firmen-Stammsitz in Wiesbaden Niederlassungen in Heidesheim bei Mainz, Berlin, Dortmund, Hannover, Saarbrücken, Rheine und Barleben gegründet hat.

Darüber hinaus übernimmt das Windpark-Management von ABO Wind langfristig die Betriebsführung von Windparks und bietet Serviceprodukte wie Wartungen, Getriebeendoskopien, Prüfungen und Reparaturen sowie technische Gutachten (Rotorblatt-, Beton- und Triebstranggutachten) an.

Ihre Meinung ist uns wichtig
Herbstliche Weine vom Bodensee
Neu aus diesem Ressort
Pfullendorf
Pfullendorf
Pfullendorf
Pfullendorf
Pfullendorf-Schwäblishausen
Pfullendorf
Die besten Themen
Kommentare (1)
    Jetzt kommentieren