Pfullendorf/New York Pfullendorfer läuft beim Marathon in New York mit

Denis Hepbasli aus Pfullendorf war einer von mehr als 50.000 Startern beim legendären New-York-Marathon.

"Wäre das nicht eine Geschichte für den SÜDKURIER?", fragte Erika Duelly und erzählte, dass ihr Enkel Denis Hepbasli beim New-York-Marathon mitgelaufen ist. Der 22-jährige Pfullendorfer studiert im siebten Semester Biologie in Würzburg. Schon Anfang des Jahres hatte er beschlossen, einmal im Leben einen Marathon zu laufen, wobei er während der Schulzeit auf dem Staufer-Gymnasium kein richtig guter Läufer war: "Den Kupper-Test, also den 30 Minuten-Lauf, konnte ich vermutlich sogar noch weniger leiden als die Klausuren in Französisch", erzählt er im SÜDKURIER-Gespräch. Als der Marathonlaufentschluss feststand, wollte der junge Mann das Besondere und nicht einfach in seiner Universitätsstadt Würzburg laufen. Nach kurzer Recherche stieß er dann auf den New York City Marathon, welcher zwar der größte Marathon der Welt ist, aber leider auch der, bei dem es am schwersten ist rein zu kommen.

Das Bild mit der Medallie zeigt den Blick von New York vom One Trade Center.
Das Bild mit der Medallie zeigt den Blick von New York vom One Trade Center. | Bild: Privat

Dennoch hat er sich Ende Januar beworben, aber eigentlich schon damit abgefunden, dass das nichts wird. "Doch wider Erwarten kam Mitte März die Bestätigung, dass ich zugelassen werde", berichtet Hepbasli, dass diese Bestätigung zunächst darin bestand, dass 350 Dollar direkt von seiner Kreditkarte abgezogen wurden. Die nächsten Monate passierte nicht viel. Auch wenn er seit seinem Wegzug aus Pfullendorf jeden Morgen um sechs Uhr ins Fitnessstudio geht und Rugby spielt, hatte der 22-Jährige eigentlich nie Lust zu laufen. "Ich war der Meinung, dass man nicht Monate davor anfangen muss zu trainieren, sondern alles eher eine Kopfsache ist", erklärt der Biologiestudent, dass er vier Wochen vor dem großen Tag schleppend mit der Vorbereitung begann.

Er stellte seine Ernährung um, und absolvierte drei Halbmarathons und zwei 30-Kilometer-Läufen: "Das waren keine offiziellen Läufe. Ein Halbmarathon führte vom Haus meiner Eltern in Pfullendorf bis nach Langsassen und zurück. Das war's."

Überwältigt war Denis Hepbasli dann von New York: "Die Menschen sind unglaublich nett, die Stadt ist unglaublich groß. Auch wenn ich mich die ersten Tage eigentlich mit Sightseeing hätte zurückhalten sollen, um meine Beine zu schonen, konnte ich nicht anders, als von morgens bis abends durch die Stadt zu laufen." Der Marathon-Tag am 5. November begann schon um 5 Uhr in einem 4-Bett Zimmer im Stadtteil Queens. Nach einer Fahrt durch die ganze Stadt nahm er die Staten Island Ferry, um zur Startlinie zu gelangen. Bereits an diesem Morgen habe man erahnen können, was es bedeute, wenn mehr als 50 000 Menschen gleichzeitig einen Marathon laufen wollen. Alles war überfüllt, aber alle Menschen waren gut gelaunt. Am Startpunkt wurde ein kleines Dorf errichtet, es gab umsonst Kaffee, Bagels und alles mögliche, was einen gut durch einen Marathon bringt. Allerdings konnte er davon nicht viel nutzen, da er wegen mehrerer Sicherheitskontrollen spät dran war. Durch den Anschlang zu Beginn der Woche waren die New Yorker merklich angespannt. Jeder Start wurde dann mit der amerikanischen Hymne eingeleitet und durch einen lauten Knall begonnen.

"Die ersten Meilen liefen alle sehr dicht aneinander, und die Massen an Menschen waren unbeschreiblich. Ich hatte mein Tempo allerdings recht schnell gefunden und lief die ersten 28 Kilometer ohne Probleme", berichtet der Pfullendorfer. Viel beeindruckender, als die Massen an Läufer, waren für ihn die Massen an Zuschauern, die die Läufer anfeuerten. Mit Schildern wie " You are running better than the Goverment" brachten sie die Teilnehmer zum Lachen, und machten diesen Lauf so unvergesslich. "Der Marathon ist dort wie bei uns die Fasnet. Es wird getrunken und gefeiert", berichtet der Hobbyläufer, dass es ab Kilometer 30 immer schwerer wurde, die Füße begannen zu schmerzen: "Doch Gehen war keine Option, da die Zuschauer uns immer anfeuerten weiter zu laufen. Auch wenn ich gegen Ende immer langsamer wurde, habe ich es dann geschafft, und den Marathon nach fünf Stunden und 37 Sekunden beendet." Der Tag nach dem Marathon wird übrigens Medall Monday genannt, da an diesem Tag jeder seine Medaille tragen soll. "Wenn man dies tut, wird man von allen angesprochen und erhält Glückwünsche und Handschläge. Für deutsche Verhältnise etwas übertrieben, aber dennoch eine schöne Geste", wird Denis Hepbasli dieses Ereignis nie vergessen.

Info:

Der New-York-Marathon zählt zu den bekanntesten und größten Marathons der Welt. Er wird jährlich seit 1970 ausgetragen. Seit 1986 findet der New-York-Marathon in der Regel am ersten Sonntag im November statt. Die Strecke führt durch alle fünf Stadtbezirke (boroughs) von New York City. Vom Start in Fort Wadsworth auf Staten Island führt der Kurs des New-York-Marathons durch die Bezirke Brooklyn, Queen, Bronx und Manhatten zum Ziel im Central Park. Der New-York-Marathon gilt als anspruchsvoll, weil insgesamt fünf Brücken zu überqueren sind, darunter die Verrazano Narrows Bridge, die Queensboro Bridge und die Willis Avenue Bridge. Am ersten Marathonlauf in New York, am 13. September 1970, nahmen 130 Teilnehmer teil, von denen lediglich 55 das Ziel erreichten. 1994 wurde erstmals die Marke von 30 000 Teilnehmern überschritten. Die erfolgreichsten Teilnehmer am New-York-Marathon aus Deutschland waren Uta Pippig, die 1993 siegte, und Herbert Steffny als Dritter 1984. Viele Prominente haben den New-York-Marathon bislang für einen Auftritt genutzt. 1999 nahm der damalige deutsche Außenminister Joschka Fischer und 2007 absolvierte der Moderator Elton den New-York-Marathon in einer Zeit von 5 Stunden 30 Minuten.

Ihre Meinung ist uns wichtig
Adventskalender - weil Vorfreude die schönste Freude ist
Neu aus diesem Ressort
Pfullendorf
Pfullendorf
Pfullendorf
Pfullendorf
Pfullendorf
Pfullendorf
Die besten Themen
Kommentare (0)
    Jetzt kommentieren