Pfullendorf Markdorfer Gospelchor zeigt in der Jakobuskirche viele Facetten spiritueller Chormusik

Die Pfullendorfer sind trotz eisiger Temperaturen in dem Gotteshaus von ihren Markdorfer Gästen begeistert.

Erstmals war der Gospelchor Markdorf am Sonntag für ein Konzert nach Pfullendorf gekommen. Von zwei Hochzeiten, die der Chor früher einmal begleitet hatte, war Sängern und Dirigent die Jakobuskirche allerdings schon bekannt. Sicher hat nun der Chor in der Linzgaustadt einen großen Bekanntheitsgrad erreicht. Denn die Kirche war voll und das Publikum begeistert.

Vermutlich hatten viele Besucher eine Abfolge der üblichen Gospelstandards erwartet. Die gab es diesmal nicht. Dafür eine herausragende Mischung aus beeindruckenden Stimmen, ausgefeilten Chorsätzen und Begleitband, die mal mitreißend und mal einfühlsam dem Chor die musikalische Grundlage für eine reife Leistung bot. Dirigent und Musikpädagoge Hans Jörg Walter hat in 17 Jahren einen Klangkörper geformt, der nicht nur 120 Songs im Repertoire hat, sondern auch über rund 40 Sängerinnen und Sänger verfügt, die stimmlich und von der Ausstrahlung her überzeugend auftreten.

Schon bei den ersten Takten hatte man das Gefühl, dass dies ein etwas anderes Gospelkonzert wird. Beim Einzug des Chores gab es noch einen leichten Hauch von Gregorianik, der bei "Gospelicous" dann sofort weggewischt wurde. "Jesus Christ Superstar"? Irgendwie schon, dann aber doch nicht. Für den Zuhörer war das aber nicht das einzige Dilemma. Die Neigung, Akteure einem bestimmten Stil zuzuordnen, der konnte man bei diesem Gospelchor nicht nachgehen. Zu unterschiedlich die Lieder, zu unterschiedlich die Chorsätze und zu unterschiedlich auch die Arrangements. Da konnte keine Langweile aufkommen und genau genommen kam jeder Musikfreund auf seine Kosten.

Im Jahre 1619 trafen die ersten aus Afrika verschleppten Sklaven im US-amerikanischen Bundesstaat Virginia ein. Sie wurden auf den großen Tabak- und Baumwollplantagen zur Zwangsarbeit eingesetzt. Diese Arbeit war hart, kleinste Vergehen wurden streng und brutal geahndet. Die Bestrafung mit der Peitsche war üblich und alltäglich. Von christlicher Nächstenliebe wollten die Plantagenbesitzer nichts wissen. Und so entstanden die ersten Lieder, die von Leid und Entbehrung, aber auch von Hoffnung und Zuversicht berichteten. Man nennt sie Spirituals. "Don't Fear" ist so ein Titel, den der Chor mit enorm einfühlsam darbot. Anfang des 20. Jahrhunderts entwickelte sich aus dem Spiritual sowie aus Elementen des Blues und Jazz dann die Gospelmusik. Hier geht es inhaltlich vor allem um die Verbreitung der guten Nachricht des Evangeliums. Freude und Rhythmus sind da stark ausgeprägt. So wie bei "Somebody's Knocking At Your Door".

Das wegen der Temperatur in der Jakobuskirche gekürzte Programm bot aber noch viel mehr an Facetten. Bei "I Know You Love Me" wagte der Chor etwas, das schon eine ganze Menge Zutrauen an die eigenen Fähigkeiten fordert: einen Tonartwechsel. Übrigens perfekt gemeistert. Auch der für Gospels typische Wechselgesang stellt große Anforderungen an einen Chor. "Worship To The Lord" war der Beweis, dass der Chor solch eine Hürde gekonnt nehmen kann.

Immer wieder glänzten auch Solisten. Dass bei einem Gospelkonzert das Publikum zum Mitsingen aufgefordert wird, ist keine Seltenheit. Dass es aber einen Kanon, und den noch aus zwei Liedern bestehend ("Put Your Hand In The Hand" und "He's Got The Whole World") singen soll, ist eher ungewöhnlich. Die Besucher erwiesen sich als lern- und singfähig und Chorleiter Hans Jörg Walter hatte sichtlich Spaß daran. Gospel auf Französisch? Auch das wurde geboten. "Jésus Tu Es Ma Vie" war einfach wunderschön. Als Zugabe durfte "Amen" nicht fehlen.

 

Gospelchor Markdorf

Der Gospelchor ist ein gemischter, vierstimmiger Chor mit rund 40 Sängern ganz unterschiedlichen Alters mit Spaß am Singen aus Markdorf, Bermatingen, Salem, Uhldingen-Mühlhofen, Immenstaad, Kluftern, Fischbach, Friedrichshafen und Oberteuringen. Durch die Vielfalt der Stimmen kann der gesamte Tonumfang der Chorliteratur abgedeckt werden. Der überwiegende Teil der Akteure besteht aus Frauen mit Sopran- und Altstimmen. Die Männer verteilen sich auf Tenor und Bass. Chorleiter ist der Musikpädagoge Hans Jörg Walter. Die Begleitband besteht aus Reinhard Gunz (E-Piano), Michael Muhry (E-Bass) und Florian Zwiessler (Schlagzeug).

Proben sind immer mittwochs von 19 bis 20.45 Uhr im Theaterstudio des Bildungszentrums Markdorf. Neben Konzerten gestaltet der Chor auch in unterschiedlicher Besetzung Hochzeiten.

Informationen im Internet: www.gospelchor-markdorf.de

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