Pfullendorf Konzentration und eine ruhige Hand sind bei der Schützengesellschaft gefragt

In der Schützengesellschaft 1471 Pfullendorf/Aach-Linz hört man den Begriff Waffe nicht gern. "Es sind Sportgeräte", sagt der Vorsitzende und Oberschützenmeister Wolfgang Utz. Im Rahmen der SÜDKURIER-Serie "Sie bewegen Pfullendorf" erzählt er, was den Schießsport ausmacht.

Wenn man an alte Vereine denkt, dann wird man auf so manche Idee kommen. Wer hat denn nun die meisten Jahre in der Chronik? Die Zahl 1471 trägt ein Verein im Namen, der ursprünglich in der heutigen Kernstadt beheimatet war, mittlerweile seine Sportanlagen aber in Aach-Linz hat. Gemeint ist die Schützengesellschaft 1471 Pfullendorf/Aach-Linz. Geschossen wird dort im sportlichen Wettbewerb. "Wer nur rumballern will, der hat bei uns keinen Platz", sagt Wolfgang Utz. Er ist der Vorsitzende und trägt deshalb traditionell den Titel Oberschützenmeister. Trainiert wird im Schützenhaus am Gemeindeverbindungsweg zwischen Aach-Linz und Pfullendorf. Dort sind auch die Waffen des Vereins in einem Tresor unter Verschluss. Den Begriff Waffen hört man bei den Schützen allerdings nicht so gern. "Es sind Sportgeräte", sagt Utz.

Stehend oder liegend schießen – beim der Schützengemeinschaftr gehört das einfach zum Training.
Stehend oder liegend schießen – beim der Schützengemeinschaftr gehört das einfach zum Training.

In der Geschichte des Vereins war das einmal anders. Im Jahr 1471 wurde zur Verteidigung der Stadt die Schützenbruderschaft St. Sebastian gegründet. Deren Mitglieder trainierten mit der Armbrust, um die Stadt und ihre Bürger vor Räubern und Plünderern schützen. Am 10. August 1911 wurde die Schützengesellschaft ins Vereinsregister des Großherzoglichen Amtsgerichts in Pfullendorf eingetragen. Kurz darauf wurde im Tiefental, gleich neben der heutigen Kaserne, ein Schützenhaus gebaut. 1957 musste der Schießbetrieb eingestellt werden, weil nebenan richtig scharf geschossen werden sollte, denn mit der Wiederbewaffnung kam die Bundeswehr nach Pfullendorf.

1975 kamen die Kleinkaliberschützen aus Aach-Linz auf die Pfullendorfer zu und schlugen eine Fusion vor. Ein gemeinsames Schützenhaus sollte neu gebaut werden, weil die Kleinkaliberschützen ihre alte Anlage nicht mehr benutzen durften. Die Fusion klappte und der Neubau wurde an Pfingsten 1979 eingeweiht.

Echt schmucke Burschen waren die alten Schützenbrüder in Pfullendorf. Ihre Vorgänger sind bereist 1471 nachweisbar. Wann dieses Foto enstanden ist, kann nicht mit Bestimmhiet gesgat werden. Bild: Verein
Echt schmucke Burschen waren die alten Schützenbrüder in Pfullendorf. Ihre Vorgänger sind bereist 1471 nachweisbar. Wann dieses Foto enstanden ist, kann nicht mit Bestimmhiet gesgat werden. Bild: Verein

 

Seitdem hat sich viel getan auf dem Sportgelände, das so groß ist wie ein Fußballplatz und vom Verein komplett allein unterhalten wird. Das Gelände gehört der Stadt. Geschossen wird mit Kleinkaliber, Unterhebelrepetierern und Vorderladerpistolen, mit Luftpistole und Luftgewehr. Diese sind hochmoderne Präzisionsgeräte, mit denen auf die Zehn-Meter-Distanz geschossen wird. Die Druckluft, mit der die Diabolos genannten Spitzhütchen durch den Lauf katapultiert werden, kommt aus einem Zylinder, der auf das Gewehr aufgeschraubt wird. Vorn dran ist ein Manometer, ein Druckmessgerät. Wenn der Druck nachlässt, wird die Pressluft wieder nachgefüllt. Richtige Patronen braucht man für die Kleinkaliberwaffen. Mit dem Unterhebelrepetierer wird auf die 50-Meter-Distanz im Stehen geschossen. "20 Schuss dürfen ins Magazin und dann muss man innerhalb von 75 Sekunden vier Mal fünf Schuss abfeuern", erklärt Florian Prietsch, der gerade die Meisterschaft in Südbaden gewonnen hat. Die Schussenergie wird rein mechanisch erzeugt, indem man einen Hebel unter dem Gewehr nach jedem Schuss wieder spannt. Prietsch schießt seit 20 Jahren aktiv. Mit zwölf Jahren hat er angefangen. "Ab diesem Alter nehmen wir Jungschützen auf", sagt Oberschützenmeister Utz. Die Schützengesellschaft richtet immer im Oktober das große Jedermannsschießen für Vereins- und Betriebsmannschaften aus. 2017 waren knapp 130 Mannschaften mit je fünf Teilnehmer am Start.

Die Präzisionsoptik kann sehr hilfreich sein.
Die Präzisionsoptik kann sehr hilfreich sein.

Der Verein

Training für die Jugend ist immer mittwochs um 18.30 Uhr. Die Erwachsenen belegen von 19 bis 21 Uhr die Schießanlagen, wo mit Luftpistole, Luftgewehr, Kleinkaliber, Unterhebelrepetierer und Vorderladerpistole geschossen werden kann. Auch mit dem Bogen kann man schießen. Die Gaststätte im Schützenhaus ist meist nur an Trainingsabenden, bei Wettkämpfen, während des Pokalschießens für Vereine, Firmen und Gruppen oder nach Voranmeldung geöffnet. Der Verein im Internet: www.benkler-online.de/SG

Nachgefragt Wolfgang Utz
Nachgefragt Wolfgang Utz

„Keine Menschen, die rumballern wollen“

Wolfgang Utz ist 53 Jahre alt und seit vier Jahren Vorsitzender der Schützengesellschaft.

Hätten Sie gern Waffengesetze wie in den USA?

Auf keinen Fall. In Deutschland ist alles sehr gut reglementiert und die Verschärfung der Vorschriften nach den Vorfällen in Winnenden war richtig. Zudem sind wir Sportler und keine Menschen, die herumballern wollen.

Warum sollten Jugendliche mit dem Sportschießen anfangen?

Es macht Spaß und fördert die Konzentration, das Auge und die Auge-Hand-Koordination. Dazu kommt, dass die Kameradschaft im Verein wirklich sehr gut ist. Und haben Sie schon mal gesehen, dass ein Sportler beim Schießen gleichzeitig ein Smartphone bedient?

Wie sieht es mit der Frauenquote aus?

Bei uns schlecht. Wir haben vier aktive Schützinnen. Das ist echt schade, wo doch im Biathlon gerade die Frauen so starke Leistungen beim Schießen zeigen. Am 15. Juli machen wir einen Tag der offenen Tür. Da sind auch die Damen herzlich willkommen.

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