Pfullendorf Josef Thum: Ein Pfullendorfer als "Keglerkönig" in New York

1876 wanderte der 18-jährige Pfullendorfer Josef Thum in die USA aus und nahm seine Leidenschaft für den Kegelsport mit. Mit 24 Jahren baute er dort eine Gaststätte mit zwei Kegelbahnen, weitere Gaststätten folgten. So wurde der ursprünglich mittellose Josef Thum über die Jahre zum "Keglerkönig" von New York, der diese Sportart in den USA mit populär machte. Seiner Heimatstadt Pfullendorf schickte Josef Thum über die Jahre viel Geld, für Vereine und Organisationen, auch für neue Kirchenglocken.

Wer letztendlich das Kegeln erfunden hat, darüber streiten sich noch heute die Gelehrten. Schon die Pharaonen sollen sich damit beschäftigt haben und wie man nachlesen kann, sollen die Germanen mit runden Steinen nach Kadaverknochen geworfen haben. Fest steht: Kegeln ist noch immer ein beliebtes Freizeitvergnügen und wird sogar als Turniersport betrieben. Und es dürfte keine Frage sein, dass Deutschland als Mutterland des Kegelsports gilt. Die Variante Bowling unterscheidet sich unter anderem durch die Anzahl der Kegel, die dort Pins heißen und zu zehnt am Ende der Bahn stehen. Der größte Unterschied zwischen dem Bowlen und dem Kegeln befindet sich im Innern der Kugel. Dort ist ein Gewicht eingegossen, nicht immer in der Mitte. Je nachdem, wo bei der Bowlingkugel die Löcher für die Finger gebohrt sind, kommt das Gewicht mehr oder weniger weit von der Mitte der Kugel zu liegen. Das gibt ihr den individuellen Drall. Und das ist der Unterschied: Beim Kegeln rollt die Kugel fadengerade. Doch im Bowling spielt fast keiner ohne Drall. Es gibt noch andere kleine Unterschiede. Doch wohl kaum jemand, der heutzutage die Kugel schwingt, wird sich Gedanken machen, wie es dazu kam, dass das Spiel mit den Kegeln so beliebt wurde. Und wer weiß schon, dass ein Mann aus Pfullendorf dafür sorgte, dass die Sportart in den USA so richtig populär wurde?

Das war Josef Thum. Geboren am 24. Januar 1858, erlernte der junge Linzgauer zuerst das Bäckerhandwerk. In Stuttgart machte er dann noch eine Lehre als Kaufmann. Hier kam er erstmals mit Keglern zusammen. Mittlerweile war das Spiel vom Norden Deutschlands auch im Süden angekommen. Thum war fasziniert von dem Spiel und wurde ein leidenschaftlicher Kegler. Das sollte ihm später zu Ruhm und Reichtum verhelfen, jedoch nicht in Württemberg, sondern in den USA. Das gelobte Land Amerika sollte seine neue Heimat werden. 18 Jahre alt war er, als er am 9. Dezember 1876 in New York das Schiff verließ. Der mittellose Thum startete seine Karriere, wie viele Einwanderer, zunächst als Schuhputzer und Tellerwäscher.

Im Heimatmuseum Bindhaus in Pfullendorf werden Erinnerungen an den "Keglerkönig von New York" aufbewahrt.
Im Heimatmuseum Bindhaus in Pfullendorf werden Erinnerungen an den "Keglerkönig von New York" aufbewahrt. | Bild: Fahlbusch, Karlheinz

Sechs Jahre später baute er ein eigenes Gasthaus mit zwei Kegelbahnen. Weil er sehr geschäftstüchtig war, kamen nach und nach weitere Gaststätten dazu, immer mit Kegelbahn. Doch Josef Thum war nicht nur Unternehmer, sondern auch selbst der beste Protagonist für das Kegeln. Und er war auch damit so erfolgreich, dass er zum "Keglerkönig von New York" aufstieg. Doch weder Ruhm noch Reichtum stiegen ihm zu Kopf. Arme Auswanderer konnten von ihm stets Unterstützung erwarten.

Als Graf Zeppelin unter dem Jubel der Bevölkerung mit seinem Luftschiff in New York landete, da war es der "Keglerkönig", der die ganze Gesellschaft mit seiner Limousine durch die Straßen der Stadt zum Hotel Astoria brachte. Um die Jahrhundertwende baute Thum am Broadway seinen stolzen Sportpalast. Vier Stockwerke hoch war das Gebäude, das 24 Bahnen beherbergte. Der Sportpalast war auch das Sportheim des United Bowling Club, des amerikanischen Keglerverbands. Viele Jahre fungierte der Badener dort als Chairman und Ehrenpräsident. Am fünften Bundeskegelfest, das 1891 in Hannover stattfand, nahm Uncle Joe, wie ihn seine Sportkameraden nannten, mit 30 Keglern aus den USA teil. Sogar Fürst Bismarck empfing die Mannschaft. Auch in Hamburg, Berlin, Leipzig, Dresden und Frankfurt wurden die Gäste mit großer Begeisterung begrüßt. Ihr Erscheinen soll einem Triumphzug geglichen haben.

So berichtete die Deutsche Keglerzeitung.
So berichtete die Deutsche Keglerzeitung. | Bild: Karlheinz Fahlbusch

1914 kam Josef Thum mit seinen amerikanischen Freunden zum großen Keglertreffen nach Berlin, das er aber frühzeitig wegen des Ausbruchs des ersten Weltkriegs verlassen musste. In den Jahren der Inflation schickte er viel Geld in seine Heimatstadt und stiftete auch mehrere Glocken für die Jakobuskirche in Pfullendorf. In alten Zeitungsausschnitten wird von einem Dollarregen berichtet, den der erfolgreiche Pfullendorfer über Vereine und Organisationen seiner Heimatstadt niedergehen ließ. Die Stadt verlieh ihrem berühmten Sohn die Ehrenbürgerwürde. Als Josef Thum am 14. Januar 1937 starb, widmete ihm die New York Times einen großen Artikel.

In anderen Zeitungen erschienen Artikel.
In anderen Zeitungen erschienen Artikel. | Bild: Karlheinz Fahlbusch

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