Pfullendorf Gelungene Martini-Sitzung der Stregstreckerzunft

"Alleweil a wengele meh" lautet das Fasnetsmotto der Stegstreckerzunft Pfullendorf.

Narren sagen bekanntlich nicht nur die Wahrheit, sondern sind auch lernfähig. So sorgten Wärmestrahler am vergangenen Samstag im Bindhaus, wo zum zweiten Mal die Martinisitzung stattfand, für erträgliche Aufenthaltsbedingungen, nachdem im vergangenen Jahr die Gästeschar bibberte. Die damaligen Gefrierschranktemperaturen waren übrigens Kalkül, verriet Stegstreckerchef Andreas Narr, dass man bewusst auf das Schwitzen verzichtet und so auch den Freibierkonsum in Grenzen gehalten habe.

Launig begrüßte Narr die 70-köpfige Gästeschar, darunter Narrenpolizist Walter Rossknecht, der es in diesem Jahr rechtzeitig zur Sitzung geschafft hatte, wie mancher Redner bemerkte. Stadtpfarrer Marthino Dias Mertola war erstmals dabei, während die Schulvertreter durch Abstinenz glänzten. Mit ökonomischer Fachterminologie näherte sich Narr dann dem diesjährigen Fasnetsmotto, wobei er Fremdwörter wie "zweckrational" und "Nutzenmaximierung" verwendete. Als Wirtschaftslaie will der Narrenchef auch nicht mehr an eine positive Zukunft von Alno glauben, und nicht ganz verständlich ist ihm, dass das Seeparkrestaurant nach 15 Jahren für 400 000 Euro saniert werden muss. Dass die Verkündigung der 30-prozentigen Kindergartengebührenerhöhung nicht ganz clever war, schrieb er den Stadtverantwortlichen in die Bücher. Und die Überlinger finden für die geplanten Windräder auf Pfullendorfer Gemarkung sicher noch ein Plätzchen am Bodensee, verkündete der Narrenchef dann das Fasnetsmotto: "Alleweil a wengele meh."

Um bei den aktuellen "Jamaika-Verhandlungen" mehr Ruhe und Gelassenheit einzubringen, empfahl CDU-Bundestagsabgeordneter Lothar Riebsamen, die Teilnehmer, wie bei einer Papstwahl, solange zusammen zu halten, bis sie Ergebnisse liefern. Stadtwerkechef Jörg-Arne Bias fand keinerlei Kritikpunkte an der Narrenschar, aber weil er sie nicht loben wollte, nutzte er weidlich das Stilmittel des Eigenlobes und verwies auf die Sanierung des Parkhauses: "Das haben wir doch toll gemacht." Günter Kratzert konterte, dass das Treppenhaus noch ziemlich öde ausschaue. Das Mitglied der Narrenblattredaktion ermunterte die Besucher, für die Ausgabe 2018 noch viele Beiträge zu liefern. Den Stadtoberen empfahl er einen fußläufigen Durchgang durch die Stadt, um sich von deren Zustand selbst ein Bild zu verschaffen.

In gewohnter Manier kommentierte Bürgermeister Thomas Kugler die Höhepunkte des vergangenen Jahres, als zu Beginn ein vermeintlicher Sex-Skandal in der Kaserne für medial-politische Empörung gesorgt habe. Als Spiegelbild der Gesellschaft bezeichnete der Rathauschef die damalige "hirnlose Empörung". Entgegen dem neuen Fasnetsmotto handelte Stadmusikchefin Roswitha Hoffmann, die als Gastgeschenk gar nichts dabei hatte. Großzügiger zeigten sich Volksbankchef Werner Groß und Sparkassenregionaldirektor Bernd Ruther, die Schecks und gute Ratschläge überreichten. Ruther mutmaßte gar, dass die Banker ohnehin nur wegen den Spendenbriefen eingeladen werden. Ein "Kurvertle" übergab Charly Keiser von der Schweizer Partnerstadt als Privatperson. Mit einem "Narri Narro" endete die Martini-Sitzung und die muntere Schar machte sich auf zum "Deutschen Kaiser", wo die obligatorische Brennsuppe wartete.

Das Wirtsehepaar Sonja und Paul Woerz bedankte sich bei den Stegstreckern für die langjährige Treue und versprach, dass man es an der Fasnet nochmals richtig krachen lasse.

Narrenkonvent

Rund 750 Funktionäre werden nach Angaben von Andreas Narr zur Hauptversammlung der Vereinigung schwäbisch-alemannischer Narrenzünfte erwartet, die vom 12. bis 14. Januar 2018 in Pfullendorf stattfindet. Als Gastgeber fungiert die Stegstreckerzunft, die im Jahr 2020 anlässlich des 800-jährigen Stadtjubiläums das große Jubiläumstreffen organisieren wird.

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