Pfullendorf Förderverein erstattet Anzeige wegen Untreueverdacht

Dem Förderverein Rancho Santa Fe fehlen nach eigenen Angaben 46 000 Euro, und hat Anzeige gegen den ehemaligen Vorsitzenden wegen des Verdachts der Untreue erstattet.

Zwischen Entsetzen, Fassungslosigkeit und vollkommener Ratlosigkeit schwankte die Gemütslage bei einem Dutzend Mitglieder des Fördervereins Rancho Santa Fe bei der von Liquidator Walter Rapp einberufenen Versammlung. In der Kasse fehlen nach seinen Recherchen rund 46 000 Euro, und deshalb hat der Verein gegen den letzten Vorsitzenden Anzeige wegen des Verdachts der Untreue gestellt. Die Staatsanwaltschaft Hechingen ermittelt. Seit 1987 unterstützte der Verein Hilfsprojekte für Kinder und Jugendliche in dem mittelamerikanischen Honduras, und dank der hervorragenden Arbeit spendeten Gönner und Paten jährlich bis zu 100 000 Euro. Aber diese Zeiten sind längst vorbei, wobei man im Jahr 2016 immer noch rund 30 000 Euro an Spenden und Vereinsbeiträgen verbuchen konnte. "Die Kinder in Honduras sind auf das Geld angewiesen, und warten darauf", machte die Ehrenvorsitzende Christine Rapp mehrfach klar, dass die juristische Aufarbeitung von dubiosen Finanzgeschäften einzig dazu dient, den Projekten letztlich ihr Geld doch noch zukommen zu lassen.

Ruhig, sachlich und um Fassung bemüht, trug Walter Rapp seine Rechercheergebnisse bezüglich Kassenführung, Kontoauszüge und Buchhaltung des letzten Vorsitzenden vor, der im Jahr 2014 als Nachfolger der langjährigen Vorsitzenden Christine Rapp gewählt wurde und bis zur Auflösung am 5. Dezember 2016 die Konten kontrollierte. Als Konsequenz aus den Überprüfungen, und um einer Verjährung von dubiosen Aktivitäten vorzubeugen, sah sich Rapp im Interesse des Vereins gezwungen, juristischen Beistand einzuholen, und einen Rechtsanwalt auch mit der Einleitung eines gerichtlichen Mahnverfahrens gegen das Gründungsmitglied zu beauftragen.

Bei den Kontenprüfungen entdeckten die Liquidatoren, dass der Ex-Vereinschef unter anderem einen Anhänger für rund 5000 Euro gekauft und an einen anderen Verein 6300 Euro überwiesen hat. 12 000 Euro wurden als Sammelüberweisung deklariert, wofür es keine Belege gibt und der der einstige Vorsitzende überwies sich selbst 3000 Euro als Aufwandsentschädigung. "Das ist satzungswidrig. In unserer Satzung steht, dass Vorstandsmitglieder keine Entschädigung erhalten", erläuterte Walter Rapp. Nach seinen Angaben summieren sich die nicht nachvollziehbaren, ohne Belege getätigten und teilweise dubiosen Zahlungen auf rund 46 000 Euro. Diese Transaktionen waren möglich, weil der Ex-Vorsitzende nach dem Rücktritt des damaligen Kassenwartes 2015 parallel dessen Amt mit übernommen hatte. Nachdem ihm die Unstimmigkeiten aufgefallen waren, habe er dem bisherigen Vorstand dies schriftlich mitgeteilt, ihn um eine Stellungnahme gebeten und damit die Möglichkeit eingeräumt, die Dinge zu klären beziehungsweise zu bereinigen. "Bis heute habe ich weder eine Antwort noch eine Rückzahlung erhalten", konstatierte Rapp. Er berichtete, dass sich auch das Finanzamt eingeschalten habe, weil die vom Ex-Vorsitzenden ohne Wissen des Vereins getätigte Beteiligung an einer Photovoltaik-Anlage womöglich als gewerblicher Betrieb eingestuft werden könnte. Es habe auch der Entzug der Gemeinnützigkeit für den Verein gedroht, ergänzte Rapp, dass man dies abwenden und auch die Spendenbescheinigungen für 2016 ausstellen konnte. Denkingens Ortsvorsteher Karl Abt verlas dann die Mail eines Steuerprüfers, der für die Amtszeit 2016 des abwesenden Ex-Vorstandes unvollständige Unterlagen monierte, worauf die Versammlung die Kassenentlastung für diesen Zeitraum versagte, die Liquidatoren jedoch entlasteten.

Am Landgericht Hechingen ist für Ende Januar 2018 ein Gütetermin angesetzt, wobei es um die Rückzahlung von 35 000 Euro durch den Ex-Vorsitzenden geht. Man wolle den Verein ordnungsgemäß abwickeln, erklärte Walter Rapp, dass der weitere Ablauf in den Händen der Justiz liege. Der SÜDKURIER versuchte gestern vergeblich, mit dem Vorsitzenden Kontakt aufzunehmen.

Verein Rancho Santa Fe

Seit 1987 unterstützte der Verein Kinder- und Jugendprojekte in Honduras. Am 5. Dezember 2016 war bei einer außerordentlichen Versammlung die Auflösung beschlossen und ein dreiköpfiges Liquidatorenteam eingesetzt worden. Ursache für die Auflösung war die vom damaligen Vorsitzenden Hofmann eigenmächtige durchgeführte Beteiligung an einer Photovoltaikanlage. Im November 2016 hatte Hofmann nochmals für den Vorsitz kandidiert, wurde aber nicht gewählt. Bei der außerordentlichen Versammlung wurde dann mit 18 zu vier Stimmen die Auflösung beschlossen. Aktuell ist der der Verein in Liquidation, und erst, wenn alle offenen Fragen geklärt sind, erfolgt die endgültige Löschung und bis dahin gibt es weiterhin Hauptversamlungen. (siv)

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