Pfullendorf Breitbandversorgung: Klares Verfahren für Auftragsvergabe

Die Breitbandversorgung soll ausgebaut werden. Bislang gibt es keine einheitliche DSL-Technik der Anbieter.

457 Briefe verschickte der städtische Wirtschaftsförderer Bernd Mathieu an die Haushalte von Zell, Schwäblishausen, Mottschieß und Otterswang. Darin informierte er alle volljährigen Hausbewohner, dass bis Anfang 2018 eine schnelle Internetverbindung von bis zu 50 000 kBit möglich wäre. Die Stadt habe die Glasfaserkabel verlegt und als Netzbetreiber die NetCom BW GmbH, eine Tochtergesellschaft der EnBW gewonnen. Dietmar Graf aus Schwäblishausen freute sich über die Nachricht, wie er im SÜDKURIER-Gespräch erklärte. Allerdings störe er sich daran, dass die Kunden nach seiner Ansicht keine freie Anbieterwahl haben, sondern nur mit NetCom einen Vertrag abschließen können. In den Ortschaften sorge der geplante Breitbandanschluss für heftige Kontroversen, erklärte Graf, und tatsächlich meldeten sich beim SÜDKURIER weitere Einwohner, die diese quasi „Monopolstellung“ für die EnBW-Konzerntochter monierten. Es gebe andere und günstigere Anbieter, erklärten die Anrufer.

Im SÜDKURIER-Gespräch erläuterten gestern Wirtschaftsförderer Mathieu und Wolfgang Braunschweig vom Tiefbauamt nochmals das Prozedere und machten deutlich, dass es, wie gesetzlich vorgeschrieben, eine Ausschreibung für potenzielle Netzbetreiber in den vier Ortsteilen gegeben habe. Diese Ausschreibung wurde von der Breitbandversorgungsgesellschaft Landkreis Sigmaringen (BLS) durchgeführt, der Pfullendorf extra beigetreten ist, um den seit Jahren angemahnten DSL-Bedarf im Norden der Kommune zu befriedigen. Wie vom Gesetzgeber vorgeschrieben, wurde von der BSL ein sogenanntes Markterkundungsverfahren durchgeführt und im Anschluss ein Interessenbekundungsverfahren.

Dabei wird auf einer Internetplattform das Vorhaben vorgestellt, Kriterien für die Auftragsvergabe vorgegeben und jeder Anbieter kann sich melden. „Die BLS hatte mehrere Anbieter, und hat sich für NetCom entschieden“, erklärte Mathieu. Dann wurden in und zwischen den Ortschaften insgesamt fast zehn Kilometer Leerrohre verlegt, inklusive dem Glasfaserkabel, wobei zwei Kilometer schon in den Vorjahren verlegt worden waren. „Bei jeder Baumaßnahme, die länger als acht Wochen dauert, gibt es eine Lehrrohrpflicht“, erläuterte Tiefbauexperte Braunschweig, dass die Kommunen beispielsweise bei Straßen- oder Kanalsanierungen quasi automatisch Leerrohre für die mögliche Breitbandversorgung mitverlegen müssen, auch wenn noch unklar ist, ob diese jemals benötigt werden.

Anders als beispielsweise bei Stromerzeugern gibt es bei den Breitbandanbietern keinen einheitlichen Standard, sodass jeder Anbieter seine eigene Zusatztechnik an die bestehenden Verteilerkästen der Deutschen Telekom anbauen müsste. Diese Kosten, verbunden mit dem Aufwand, das Glasfasersignal zu bekommen, bestimmen die Kalkulation der Breitbandversorgungsunternehmen, die deshalb eine Mindestanschlussnehmerzahl benötigen. Wenn beispielsweise in einer Ortschaft die Haushalte vier verschiedene DSL-Anbieter auswählen würden, müssten sich diese Unternehmen wegen der Nutzung des verlegten Glasfasernetzes einigen. Und selbst eine theoretisch mögliche Kooperation würde an der unterschiedlichen Technik scheitern. „Also, von einem Monopol kann nicht die Rede sein“, verdeutlicht der Wirtschaftsförderer und macht klar, dass die Stadt mit einem großen finanziellen Engagement die DSL-Versorgung der Bürger verbessert.

Immerhin kostet die Maßnahme rund 500 000 Euro, wofür es einen Zuschuss von 265 000 Euro gab. Das neue Glasfasernetz reicht bis zu den Verteilerschränken der Telekom, und von dort werden deren Kupferanschlussleitungen in die Haushalte genutzt, wobei die Versorgungsgeschwindigkeit für das Internet sich enorm erhöhen werde.

Infoveranstaltung

Die technischen Baumaßnahmen in Mottschieß, Otterswang, Schwäblishausen und Zell sind voraussichtlich bis Ende Dezember abgeschlossen. Anfang des neuen Jahres könnte es bereits möglich werden, Daten mit einer Geschwindigkeit bis zu 50 000 Kilobit pro Sekunde zu liefern. Für den Netzbetrieb konnte die NetCom BW GmbH, Konzerngesellschaft der EnBW AG, als Partner gewonnen werden. Am Dienstag, 28. November, 19 Uhr, findet im Dorfgemeinschaftshaus Otterswang eine Informationsveranstaltung statt. Dabei informiert der Betreiber über schnelles Internet, Telefonie und digitales Fernsehen. (siv)

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