Pfullendorf Breitband: 952 Euro pro Hausanschluss

Das Glasfasernetz in Pfullendorf wird ausgebaut. Bürgermeister Thomas Kugler bezeichnete die 952 Euro als "politischen Preis", denn in anderen Gemeinden koste der Anschluss 1600 Euro.

Problemlos billigte der Gemeinderat jüngst die Pläne der Breitbandversorgungsgesellschaft im Landkreis Sigmaringen (BLS), in der aktuell 39 Kommunen aus vier Landkreisen Mitglied sind und die den Breitbandausbau in der Region stemmen soll. Als Zielvorgabe nannte BLS-Geschäftsführer Andreas Gräfe die Verfügbarkeit eines flächendeckenden Glasfasernetzes binnen eines Jahrzehnts. Der Endkunde bezahlt für seinen Hausanschluss einen Pauschalpreis von 952 Euro, unabhängig von der Länge der Zuleitung und den Tiefbauarbeiten inklusive der Hauseinführung und einer Abschlussdose. "Erst, wenn der tatsächliche Betrieb aufgenommen wird, erhält der Kunde die Rechnung", versicherte Gräfe. Bürgermeister Thomas Kugler bezeichnete die 952 Euro als "politischen Preis", denn in anderen Gemeinden koste der Anschluss 1600 Euro. Er machte klar, dass die jeweiligen BLS-Mitglieder über den jeweiligen Umfang des Ausbaus sowie den Maßnahmebeginn entscheiden. In Pfullendorf werden die Glasfasernetzpläne in Absprache mit dem Bauamt getroffen. Eine Entscheidung hat BLS bezüglich der Betreiberfirma getroffen und einen Vertrag mit NetCom abgeschlossen, wobei die Pachteinnahmen für die Nutzung der von Kommunen verlegten Leitungen in voller Höhe an das jeweilige BLS-Mitglied fließen. Die monatlichen Beiträge für die Nutzer taxierte Gräfe zwischen 54 und 69 Euro, abhängig von der MB-Leistung.

Exakt über die Frage des Betreibers gibt es in den Ortsteilen Zell, Mottschieß, Otterswang und Schwäblishausen Probleme. Dort hat auch die NetCom BW GmbH Interesse gezeigt, allerdings eine Mindestanzahl von Anschlussnehmern gefordert. Die Kundensuche ist nach Angaben von Bürgermeister Thomas Kugler sehr schleppend. "Wir sind froh, dass wir überhaupt einen Anbieter gefunden haben", ergänzt der Rathauschef auf Anfrage des SÜDKURIER, dass die Kommune in die Verlegung von Leerrohren schon viel Geld investiert habe und er absolut bezweifle, dass ein zweiter Anbieter kommen wird. Einige Kritiker bemängeln, dass man keine freie Betreiberwahl hätte. Sie verweisen auf die Situation bei der Energieversorgung, wo es auch nur eine Leitung gebe, aber jeder Haushalt sich seinen eigenen Stromanbieter auswählen könne. Tatsächlich laufen derzeit Gespräche und Verhandlungen zwischen den großen Netzbetreibern, um exakt dieses Problem zu lösen, hatte BLS-Geschäftsführer Gräfe bei seinem Vortrag im Gemeinderat erklärt.

Auch in den Ortsteilen Sylvenstal, Brunnhausen, Gaisweiler und Tautenbronn hat die Kommune mit der Firma Inexio gleichfalls einen potenziellen Netzbebtreiber gefunden. Allerdings fordert das Unternehmen mindestens 54 Hausanschlüsse und diese Zahl wurde bislang absolut nicht erreicht. "Wir werden nochmals eine Aktion starten, um die Einwohner doch noch zu überzeugen", kündigt Bürgermeister Kugler an. Das schnelle Internet bedeute für die Gebäude eine Wertsteigerung und für die Hausbesitzer, dass man sich für die Technik der Zukunft rüste. Überlegungen, durch finanzielle Unterstützung den Hausbesitzern die Investition schmackhaft zu machen, sind rechtlich unzulässig, und auf die Einhaltung dieser Vorgabe achte die Bundesnetzagentur sehr streng.

Der Rathauschef appelliert auch an die Solidarität der Ortsteilbewohner, die womöglich eine einmalige Chance für das Glasfasernetz beziehungsweise schnelles Internet verpassten.

 

Schnelles Internet

Die Stadt Pfullendorf müsste für den flächendeckenden Glasfaserausbau rund 4,3 Millionen Euro binnen zehn Jahren investieren. Die BSL gibt als Strategie vor, dass ein vollständiger Anschluss sämtlicher Gebäude in einem konkreten Ausbaugebiet eine bestimmte Mindestanschlussquote erfordert. Für Privathaushalte wurde ein Wert von 50 Prozent festgelegt und bei Gewerbetreibenden von 70 Prozent. Bei der Präsentation der Pläne im Gemeinderat Pfullendorf machte Bürgermeister Thomas Kugler klar, dass die Kommune diese Vorgabe jederzeit nach ihren Überlegungen verändern kann. Die gesamte Investitionssumme für alle BLS-Mitgliedskommunen beziehungsweise der errechneten 74 917 Haushalte beziffert die Gesellschaft auf rund 236 Millionen Euro. 70 Prozent des benötigten Kapitals sollen als Darlehen fremdfinanziert werden und die restlichen 30 Prozent als Kapitaleinlagen der Mitglieder aufgebracht werden. Mit Gewinnausschüttungen wird ab dem Jahr 2054 gerechnet. (siv)

 

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