Pfullendorf Beim Faustlos-Tag an der Sechslindenschule in Pfullendorf stehen soziale Kompetenzen im Mittelpunkt

Bei dem Sozialtraining lernen die Grundschüler einen ganz wichtigen Aspekt kennen: Wenn wir zusammenhelfen, sind wir stark.

Teamwork war gefragt beim Faustlos-Tag in der Sechslindenschule. Denn nur gemeinsam schafften es die Schüler mithilfe von Teppichfliesen als imaginären Eisschollen, von einer Seite des Flusses auf die andere zu gelangen, ohne ins Wasser zu fallen und ohne eine Eisscholle in den Fluten zu verlieren. Auch das Durchqueren eines aus Seilen gespannten Spinnennetzes gelang nur, da alle zusammen halfen. Gar nicht so einfach, denn jedes Loch im Netz durfte nur einmal durchwandert werden und das Seil zu berühren, war verboten. Da hätten sich bestimmt auch Erwachsene schwergetan.

Das Meistern solcher Aufgaben stand für 80 Grundschüler beim Faustlos-Tag auf dem Programm. "Faustlos" ist ein speziell für Kindergärten und Grundschulen entwickeltes Konzept. Die sozial-emotionalen Kompetenzen sollen damit gefördert werden. "Ein Thema ist zum Beispiel die gewaltfreie Kommunikation. Wir orientieren uns an Rosenbergs Einteilung in die Giraffen- und Wolfssprache. Die Kinder lernen, ihre Gefühle und Bedürfnisse auszudrücken und auf andere Rücksicht zu nehmen. Sie lernen, einander zuzuhören und den anderen ausreden zu lassen", erklärte Schulsozialarbeiter Lars Brock im Gespräch mit dem SÜDKURIER. Und warum Giraffe? "Die Giraffe ist das Landtier mit dem größten Herzen. Sie steht für Großherzigkeit und Mitgefühl. Die Wolfssprache ist anklagend, aggressiv und löst negative Gefühle aus", sagte Brock.

Enna (links) und Sophia aus der 1. und 2. Klasse mit ihren Handabdrücken.
Enna (links) und Sophia aus der 1. und 2. Klasse mit ihren Handabdrücken. | Bild: Kirsten Johanson

Den Kindern sollen bei Faustlos Empathie, Impulskontrolle und der Umgang mit Ärger und Wut in Konfliktsituationen vermittelt werden. Freundlich miteinander umzugehen, war den Jungen und Mädchen beim Faustlos-Tag ein Vergnügen. Betreut wurden die verschiedenen Stationen von den Klassenlehrerinnen Katrin Flaig, Karoline Brucker, Franziska Schmid und Getrud Maichel, von Schulsozialarbeiter Andreas Roth und Jasmin Rose. "Die Kinder sind sehr fleißig und machen ganz toll mit", lobte Studentin Jasmin Roth vom Haus Nazareth. Während Lars Brock ins Giraffenkostüm schlüpfte, war Rose die Raupe, das zweite Maskottchen von Faustlos.

Besonders verantwortungsbewusst zeigten sich die Viertklässler, die als "Chefs" dafür sorgten, dass in ihrer Gruppe alles rund lief. "Wenn wir die Stationen wechseln, halten wir uns alle an einem Seil und laufen zur nächsten Station, ich bin vorne und habe die Materialbox dabei", erzählte die zehnjährige Angelina. Auch die Stopp-Regel wurde in Rollenspielen thematisiert. "Wenn dich jemand nervt, dann guckst du ihm in die Augen und sagst: Stopp, ich mag das nicht", erklärte Abanob. Zur Erinnerung an den Tag verewigten sich alle Kinder mit Namen und Handabdruck auf einem großen Laken, das im Schulgebäude aufgehängt wird.

Gemeinsam gelingt es der Gruppe, den gedachten Fluss zu überqueren.
Gemeinsam gelingt es der Gruppe, den gedachten Fluss zu überqueren. | Bild: Kirsten Johanson

Das Programm

Faustlos ist ein Programm zur Prävention von Gewalt an Schulen. Der Begriff steht sinnbildlich für einen gewaltfreien Umgang bei Konflikten und emotional schwierigen Situationen. Ziel des Programms ist, neben dem Unterlassen von körperlicher Gewalt auch auf verbaler Ebene fair miteinander umzugehen. Junge und selbstbewusste Menschen, die verschiedene Konfliktlösungsstrategien kennen, brauchen seltener auf Gewalt zurückzugreifen.

Zentrale Inhalte von Faustlos sind zunächst das Vermitteln sozialer Kompetenzen wie der Umgang mit Gefühlen oder aktives Zuhören mit dem grundsätzlichen Bestreben, Konfliktsituationen ähnlich dem Streitschlichterprogramm zu einer konstruktiven Lösung zu führen, von der möglichst alle profitieren. Neben einer Schulung zur besseren Selbstwahrnehmung wird auch die Wahrnehmung der Gefühle, der Körpersprache (Mimik, Gestik, Körperhaltung, Stimme) der anderen Beteiligten geschärft.

Dazu zählt auch, zu erkennen, ob Verhalten absichtlich oder versehentlich erfolgt. Der Ansatz geht davon aus, dass bereits in der Kindheit entstandene emotionale Defizite, zum Beispiel im Bereich von Mitgefühl und Sorge um andere Menschen, nachträglich aufgeholt werden können. (kaj)

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