Ostrach Silphie-Pionier lebt seinen Blütentraum

Thomas Metzler baut auf zehn Hektar die durchwachsene Silphie an und hat große Pläne mit der aus den USA stammenden Stängelpflanze

Ein gelbes, schwirrendes Blütenmeer erblicken Wanderer, Radfahrer und sonstige Verkehrsteilnehmer, die derzeit von Pfullendorf nach Hahnennest fahren. Vor dem Bahnübergang zweigt der Verbindungsweg nach Burgweiler und Spöck ab und dort hat Thomas Metzler auf zehn Hektar die durchwachsene Silphie angebaut, die aktuell ihre Hochblüte hat. Der Landwirt aus Hahnennest hat in den Feldern mehrere Hochsitze aufgestellt und lädt Jeden ein, darauf Platz zu nehmen und neben der Blütenpracht vor allem die unglaubliche Vielfalt an Bienen, Hummeln und sonstigen Insekten zu bestaunen.

Es ist ein Schwirren zu vernehmen, das jedem Naturfreund in Zeiten des Bienensterbens das Herz höher schlagen lässt. "Die Silphie ist einfach genial", listet Metzler die immensen Vorteile der aus den USA stammenden Stängelpflanze auf, die nach seiner Überzeugung den Silomais als Anbaupflanze für Biogasanlagen ablösen wird. Die durchwachsene Silphie wird einmal ausgesät und liefert dann bis zu 25 Jahren den Ertrag, ohne dass der Boden gepflügt werden muss. Der Pflanze genügt als Dünger Gülle oder die Gärreste der Biogasanlage und benötigt keine Spritzmittel. Der Ertrag je Hektar liegt zwischen 16 und 20 Tonnen und derzeit beträgt der Tonnenpreis etwa 80 Euro. Nach der Ernte verrotteten die oberflächlichen Reste und das Wurzelwerk in der Erde treibt im nächsten Jahr wieder aus. "Und jährlich produziert die Silphie rund acht Tonnen Humus je Hektar und sorgt so für eine immense Verbesserung des Bodens", erzählt Metzler, der sich deutschlandweit einen Namen als Silphie-Pionier gemacht hat. Da auf den Einsatz von Maschinen auf den Flächen verzichtet wird, erhöht sich die Zahl Bodenlebewesen wie Regenümer um ein Vielfaches und durch die Humusbildung wirkt der Boden wie ein Schwamm, der bei Regenfällen das Wasser hervorragend aufnimmt.

"Und das Beste ist, dass die Silphie auch am Waldesrand oder schlechten Böden wächst", sprudelt es aus Thomas Metzler heraus. Jeder Landwirt habe mindestens zehn Prozent an Fläche, die für eine wirtschaftliche Nutzung ungeeignet seien und wenn er dort die Silphie anbaue, verbessere sich am Standort die Bodenqualität. Und diese Bauern könnten dann ihre Ernte in benachbarte Biogasanlagen liefern, was wiederum die Transportwege für die Materiallieferung verkürzen würde.

Jahrzehntelang scheiterte der Silphieanbau, weil es erst im zweiten Jahr Erträge gibt. Thomas Metzler hatte die Idee, dass man die Pflanze als Untersaat auf einem Maisacker einbringt, sodass man im ersten Erntejahr zwar keine Silphie, aber rund 75 Prozent des Maisertrages bekommt. In der einstigen DDR scheiterte die Nutzung als Tierfutter, weil die Vierbeiner zwar die Blüten fraßen, aber die Stängel verschmähten. Jetzt tüftelt Metzler an einer Methode, mit der Stängel und Blüte quasi getrennt geerntet werden können. Aus ganz Deutschland melden sich Landwirte und auch Behörden, so das bayerische und baden-württembergische Landwirtschaftsministerium, um sich über das Silphie-Wunder zu informieren. Er selbst wird nächstes Jahr schon 110 Hektar anbauen.

 

Aussaat

Die Metzler & Brodmann KG bietet unter dem Markennamen "Donau-Silphie" interessierten Landwirten ein Komplettangebot aus Silphie- und Maissaatgut an, das er mti seiner Firma selbst ausbringt. Das Paket kostet 1950 Euro je Hektar. Erst wenn der Erfolg der Saat erkennbar ist, muss bezahlt werden.

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