Ostrach-Hahnennest Milchpark Hahnennest: Ja für Großstall mit 1000 Kühen

Der Gemeinderat hat mehrheitlich für den Bauantrag Milchpark Hahnennest gestimmt. Im Fokus der Diskussion stand der Umweltschutz.

Weiterer Schritt in Richtung Milchpark Hahnennest: Der Ostracher Gemeinderat hat in seiner Sitzung am Donnerstagabend mehrheitlich zugunsten des Bauantrags von vier Landwirten aus Hahnennest entschieden. Die Familien, die schon gemeinsam eine Biogasanlage betreiben, möchten zusätzlich einen Stall für 1000 Milchkühe errichten. Mehr als 1000 Stellungnahmen waren im Zuge des zweigliedrigen Verfahrens – Baugesuch und Genehmigung nach dem Bundes-Immissionsschutzgesetz (Bimsch)– eingegangen. Nun war der Gemeinderat an der Reihe, über den Bauantrag zu beraten und im Bimsch-Verfahren Stellung zu nehmen. "Hier werden wir angehört", sagte Bürgermeister Christoph Schulz bei der Sitzung in der Buchbühlhalle. Mit am Tisch saß der Ortschaftsrat Burgweiler. Von den Zuschauerrängen lauschten die Landwirte sowie Gegner und Befürworter des Großprojekts den Ausführungen.

Diplom-Ingenieurin Cornelia Sing skizzierte noch einmal die wichtigsten Eckdaten von Bauprojekt und Bimsch-Verfahren für den Gemeinderat. 1000 Milchkühe sollen in einem 305 Meter langen Stall untergebracht werden. Vorgesehen sind 978 Liegeplätze. Der Bebauungsplan Milchpark Hahnennest, den der Gemeinderat im vergangenen Jahr auf den Weg gebracht hat, ist inzwischen rechtskräftig, womit "die baurechtliche Grundlage" geschaffen sei, erläuterte die Diplom-Ingenieurin. Aufgrund der hohen Tierzahl ist die Genehmigung nach dem Bundes-Immissionsschutzgesetz notwendig. Überprüft werden hier unter anderem die betrieblichen Abläufe, die Futterlagerung und der Umgang mit der Gülle. Genehmigende Behörde für das Ganze ist das Landratsamt in Sigmaringen.

Diskutiert wurde zunächst über die wasserschutzrechtliche Erlaubnis, die im Bimsch-Verfahren benötigt wird, sowie die künftigen Pläne für Untersuchungen des Grundwassers. Zu viel Gülle und Dünger können Wasser mit Nitrat belasten. Gemeinderat Jörg Schmitt erkundigte sich deshalb nach der Häufigkeit der Untersuchungen und der Möglichkeit, die Ergebnisse regelmäßig zu veröffentlichen. Einer der Landwirte, Edwin König, erklärte, dass es laut Bauplan drei Messstellen zwischen dem Stall und dem Wasserschutzgebiet Spitzbreite gibt. An diesen wird das Landratsamt das Grundwasser König zufolge vierteljährlich auf Nitrat überprüfen. Einem Antrag von Jörg Schmitt, die Ergebnisse turnusmäßig zu veröffentlichen, kam der Gemeinderat einstimmig nach. Von jedem Einzelnen können sie aber auch beim Landratsamt abgefragt werden, wie Bürgermeister Schulz darlegte. Die Stellungnahmen aus der Beteiligung von Bürgern und Trägern öffentlicher Belange gingen im Wesentlichen auf das Wasser ein, sagte Jürgen Arnold. "Ich denke, die Bauherren sind sich der Verantwortung bewusst, die sie gegenüber der Gemeinde tragen", meinte der Gemeinderat. Über eine stationäre Pumpe wird Gülle an die Biogasanlage abgegeben. Aus dem Biogas entsteht vereinfacht gesagt Energie. "Das sind keine Landwirte, sondern Geschäftsmänner. Sie möchten Strom verkaufen", sagte Wolfgang Frey. Und: "1000 Kühe müssen dafür herhalten."

Viele Stichworte fielen in der Gemeinderatssitzung: Eines davon lautete Milchpreis. Durch Megaställe in Russland und China ändere sich niemals etwas am Milchpreis in Deutschland, mutmaßte Frey. Und Jörg Schmitt sagte: "Ein Verbraucherpreis von 49 Cent pro Liter Milch muss der Vergangenheit angehören." Der Gemeinderat sei schlichtweg mit der Entscheidung überfordert. Es handele sich um nationale Politik. Schmitt vermisst ökologische Vorbilder. Deswegen vertraut er nach eigenen Angaben auf die Kontrollpflicht staatlicher Organe. So wird in Betrieben wie dem Milchpark Hahnennest alle drei Jahre oder nach Anlass die Anzahl der Tiere kontrolliert, wie Cornelia Sing dem Gremium berichtete. "Wir vertrauen auch den Betreiberfamilien", fügte indes Bürgermeister Schulz hinzu. Seit langen Jahren seien diese in der Gemeinde tätig. Die vier Landwirte seien immer sehr ehrlich und offen, sagte Wolfgang Richter, Gemeinderat und Ortsvorsteher von Burgweiler. "Es wird nichts versteckt", gab Richter an. Von den 15 Gemeinderäten stimmten 14 für den Bauantrag. Eine Gegenstimme wurde gezählt. Zuvor hatte sich der Ortschaftsrat einstimmig für das Projekt ausgesprochen. Mit Applaus quittierten die Landwirtschaftsfamilien die Entscheidung. Der größte Milchviehstall in Baden-Württemberg ist ein Stück näher gerückt.

Egon Kaltenbach, Georg Rauch, Thomas Metzler, Simon Rauch, Felix Kaltenbach und Edwin König (von links) planen in Hahnennest den Bau des Stalles für 1000 Kühe, mit deren Gülle und Mist die Biogasanlage gespeist werden soll.
Egon Kaltenbach, Georg Rauch, Thomas Metzler, Simon Rauch, Felix Kaltenbach und Edwin König (von links) planen in Hahnennest den Bau des Stalles für 1000 Kühe, mit deren Gülle und Mist die Biogasanlage gespeist werden soll. | Bild: Siegfried Volk

Projekt und Kritik

Große Pläne für ein kleines Dorf: Vier Landwirtschaftsfamilien aus Ostrach-Hahnennest wollen einen Großstall für 1000 Kühe bauen. Oberhalb von Hahnennest betreiben die Landwirte schon seit Anfang 2012 den Energiepark Hahnennest. Hinzukommen soll der Milchpark Hahnennest – angrenzend an das Areal in Richtung Mettenbuch. Vorgesehen sind ein Boxenlaufstall, Melkgebäude, Lagerhallen und weitere Gebäude. Erzeugt werden soll nicht nur Milch. Mit der Gülle und dem Mist der Kühe wollen die Landwirte zudem die Biogasanlage speisen. Das Großprojekt hat Befürworter und Gegner. Es fördere den Verdrängungswettbewerb gegenüber kleineren Betrieben und schädige die Umwelt. Das sind zwei Hauptargumente der Kritiker. Mit Transparenz versuchen die Landwirte, diesen zu begegnen. Die Genehmigung nach dem Bundes-Immissionsschutzgesetz ist aufgrund der Anzahl der Kühe notwendig. Vermieden werden sollen schädliche Umwelteinflüsse. Etwa durch Luftverunreinigungen.

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