Neuhausen ob Eck EU-Botschafter warnt vor geschlossenen Grenzen

Beim Neujahrsempfang der Gemeinde Neuhausen ob Eck mahnte Klaus Rudischhauser, gebürtiger Neuhauser und aktuell EU-Botschafter in Mexiko, zum Zusammenhalt in der Europäischen Union.

Entweder eine starke EU oder langfristig gesehen Hartz IV für alle in Europa. Das war am Samstag die Botschaft des EU-Botschafters in Mexiko, Klaus Rudischhauser, der das Hauptreferat beim Neujahrsempfang der Gemeinde hielt. Der europäische Diplomat und Spitzenpolitiker ist gebürtiger Neuhauser. Bürgermeister Hans-Jürgen Osswald nutzte die Gelegenheit zum kommunalpolitischen Rück- und Ausblick.

Für Europaskeptiker und Verfechter einer national orientierten Wirtschaftspolitik hat Klaus Rudischhauser kein Verständnis. Das gilt, wie im Verlauf des Referats deutlich wurde, sowohl für die europadistanzierten Parteien, als auch für die Brexit-Befürworter in Großbritannien oder den US-Präsidenten Donald Trump. Angesichts des weltweiten Wirtschafts- und Bevölkerungswachstums sieht der EU-Diplomat die Gefahr, dass andere Teile der Welt die jetzt noch ökonomisch erfolgreichen europäischen Nationalstaaten überflügeln werden.

Deshalb, so forderte der Redner, müsse Europa jetzt zusammenstehen und mit einer Stimme sprechen. Rudischhauser: „Die einzelnen Nationalstaaten können sich gegen die Übermacht aus anderen Teilen der Welt nicht mehr behaupten.“ In 20 Jahren, so seine Warnung, werde es ohne die europäische Zusammenarbeit im Bereich der EU keine weltweit führende Wirtschaftsmacht mehr geben.

Aufmerksam verfolgten die Teilnehmer des Neujahrsempfangs in Neuhausen das Referat von EU-Botschafter Klaus Rudischhauer
Aufmerksam verfolgten die Teilnehmer des Neujahrsempfangs in Neuhausen das Referat von EU-Botschafter Klaus Rudischhauer

Der gleiche Appell aus dem Mund des gebürtigen Neuhausers geht an die Staaten und Menschen in Europa in der Flüchtlingsfrage. „In wenigen Jahrzehnten werden in Afrika 2,2 Milliarden Menschen leben“, prognostizierte der Botschafter. Sollten sich die Lebensverhältnisse dieser Menschen in Afrika nicht bessern, werde sich der Zustrom von Flüchtlingen in Zukunft noch weiter verstärken. Dann sei der heutige Flüchtlingsstrom „nur eine Vorhut“.

Rudischhauser warnte davor, zu glauben, mit geschlossenen Grenzen ließe sich diese Entwicklung stoppen. Zum einen bliebe vielen Afrikanern keine andere Wahl als ihre Heimat zu verlassen, weil sie durch den Klimawandel in ihrer angestammten Region keine Landwirtschaft mehr betreiben könnten. Zum anderen hält der Diplomat die Bekämpfung des internationalen Terrorismus für eine wesentliche Aufgabe der EU. Seine Warnung: „Diese Flüchtlinge werden nicht in die USA oder in die Volksrepublik China flüchten, sondern nach Europa.“

Energisch wandte sich der Redner gegen die Aussage, die EU sei zu teuer. An die Zuhörer gewandt sagte Rudischhauser: „Jeder von Ihnen bezahlt im Jahr rund 300 Euro, brutto.“ Netto sei dieser Betrag noch geringer, weil Geld von der EU nach Deutschland zurückfließt. Nach seiner Rechnung liegt der Netto-Betrag pro Bundesbürger bei rund 150 Euro.

Die Bekämpfung von Hochwasserschäden werde in diesem und den kommenden Jahren eine wesentliche Aufgabe der örtlichen Verwaltung sein, kündigte Bürgermeister Hans-Jürgen Osswald in seiner Rede an. Allein, um die Lage im Kernort Neuhausen zu entspannen, müsse für 3,5 Millionen Euro ein großes Regenüberlaufbecken gebaut werden. Der Rathauschef bezeichnete diese Investition als „alternativlos“. Nur so könnten massive Sachschäden durch überflutete Keller vermieden werden.

Zufrieden zeigte sich Osswald über die ersten Praxiserfahrungen mit dem neuen Kreisverkehr in der Ortsmitte. Vor dem Hintergrund der schleppenden Breitbandversorgung in Deutschland ging der Bürgermeister massiv mit der Bundespolitik ins Gericht. Bei der Versorgung mit schnellem Internet lägen sogar Rumänien und Bulgarien vor der Bundesrepublik. Osswald begrüßte, dass Schwandorf und Worndorf im April an das schnelle Datennetz angeschlossen werden. Er bescheinigte aber dem Betreiber, sich mit dem Anschluss „alle Zeit der Welt“ gelassen zu haben.

 

Klaus Rudischhauser

Der 1954 in Neuhausen geborene EU-Diplomat ist seit Herbst 2017 Botschafter der Gemeinschaft in Mexiko. Der Familienvater ist mit der Fridingerin Anneliese Baum verheiratet. Der Ingenieur trat 1989 in die Dienste der Europäische Kommission ein. (hps)

 

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