Meßkirch Wissenschaftliche Tagung soll die Erzbischöfe Conrad Gröber und Joannes Baptista Sproll vergleichen

Ein Vergleich der Erzbischöfe Conrad Gröber und Joannes Baptista Sproll soll eine Tagung zum Thema leisten, die im November 2018 in Meßkirch stattfinden soll. Eine offizielle Abschluss-Empfehlung an den Gemeinderat zum Umgang mit Conrad Gröber soll es durch die Tagungsteilnehmer indes nicht geben.

Die nach der Debatte um den früheren Freiburger Erzbischof und Meßkircher Ehrenbürger Conrad Gröber beschlossene Tagung soll im November 2018 stattfinden und sie soll den Vergleich von Gröber mit Bischof Joannes Baptista Sproll zum Thema haben. Kreisarchivar Edwin Weber, der die Ausstellung für die Gesellschaft Oberschwaben gemeinsam mit dem kirchengeschichtlichen Verein des Erzbistums Freiburg sowie dem Geschichtsverein der Diözese Rottenburg-Stuttgart auf die Beine stellt, erhofft sich dadurch eine Versachlichung und Befriedung der in diesem Jahr teils emotional geführten Diskussion um die Rolle Gröbers in der Zeit der nationalsozialistischen Diktatur, in die seine Zeit als Bischof in Freiburg fiel.

Bei der Tagung sollten an zwei Tagen zehn Referenten zu Wort kommen, teilt Weber mit. Derzeit würden zwei Termine überprüft und an dem Wochenende, an dem die meisten Referenten kommen können, sollte die Tagung dann auch ausgerichtet werden. Die Tagung solle einen soliden Kenntnisstand zu Gröber vermitteln und somit auch eine ganz andere Grundlage für die öffentliche Diskussion liefern, als das in der Vergangenheit der Fall war. Es werde jedoch keine Empfehlung an den Gemeinderat geben, was den Umgang mit dem in Meßkirch geborenen Gröber betrifft, nach dem in der Stadt auch eine Straße benannt ist.

Der Vergleich zwischen Sproll und Gröber sei zielführend, da beide einen vergleichbaren Aufstieg erlebten und sie als Bischöfe dann doch ganz unterschiedlich mit den Nationalsozialisten umgingen. So sei es bei Sproll zum Bruch mit den Nazis gekommen und seine Enthaltung bei der Volksabstimmung über den Anschluss Österreichs habe dazu geführt, dass er aus seiner Diözese verwiesen wurde. Bei der Tagung soll der Frage nachgegangen werden, wie man die beiden Männer nach dem Weltkrieg sah und wie ihre Rolle innerhalb des Episkopats in der NS-Zeit zu sehen ist. Im anderen Teil der Tagung soll es um die theoretische Frage gehen, welchem Wandel historische Erinnerungen unterliegen und welche Rolle dabei dem Zeitgeist zukommt.

Christoph Schmieder, Historiker und Archivar des Erzbistums Freiburg, nennt noch einen Aspekt der Tagung. So sollte den von Wolfgang Proske in dessen Lesung aus seinem Buch "Täter, Helfer, Trittbrettfahrer – NS-Belastete aus Südbaden" im März öffentlich gemachten Vorwürfe gegen Gröber nachgegangen werden. Proske hatte sich auf Archivmaterial in Frankreich bezogen und diese Quellen sollten bis zur Tagung noch näher untersucht werden, sagt Schmieder. Eine Besonderheit werde die Tagung in jedem Fall werden, denn eine vergleichbare Veranstaltung habe es seines Wissens zuvor noch nicht gegeben. Auch Bürgermeister Arne Zwick blickt der Veranstaltung positiv entgegen: Die bisherigen Gespräche hätten ihm gezeigt, dass da etwas Werthaltiges geboten werden wird.

Enthaltung bei Abstimmung führte zur Ausweisung des Bischofs aus seiner Diözese

Zu den Hintergründen der für kommendes Jahr geplanten Tagung in Meßkirch:

  • Als Ergebnis der Debatte um den Meßkircher Ehrenbürger und ehemaligen Freiburger Erzbischof Conrad Gröber beschloss der Gemeinderat im Mai 2017, gegen die Stimmen der CDU-Gemeinderäte, eine Tagung zu Gröber zu veranstalten und beauftragte Kreisarchivar Edwin Weber mit der Organisation dieser Veranstaltung. In den Wochen und Monaten davor hatte der SÜDKURIER immer wieder über die teils emotional geführte Gröber-Debatte in der Stadt berichtet.
  • Wolfgang Proske, der Autor des Aufsatzes über Gröber, der diese Debatte ins Rollen brachte, bezog sich auf Gestapo-Dokumente aus dem französischen Staatsarchivs in La Courneuve. Dabei ging es vor allem um die angebliche Beziehung Gröbers zu einer Jüdin, die er später bei den Nationalsozialisten denunziert haben soll.
  • Bischof Joannes Baptista Sproll entfachte durch seine Wahlenthaltung bei der Abstimmung über den Anschluss Österreichs eine Kraftprobe mit dem Regime. Dies führte schließlich dazu, dass der Bischof im August 1938 auf Anweisung Hitlers aus seiner Diözese ausgewiesen wurde. "Davor la­gen Wochen eines hemmungslosen Kessel­treibens gegen den 'Nichtwahler Sproll'", heißt es dazu im 2002 erschienenen Band "Die Bischöfe der deutschsprachigen Länder". Mit einer Unterschriftenaktion habe die Partei Stimmung für die Abberufung gemacht, damit seine Stelle einer einnehmen könne, „der ein guter Deutscher sei. (mos)

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