Meßkirch Theater-Profis vom Theater Lindenhof helfen Laiendarsteller

Schauspieler des Theaters Lindenhof geben Auftritte, ohne Geld dafür zu verlangen, bei Kultur-Initiativen im Bereich der Leader Aktionsgruppe Oberschwaben. Die einzige Bedingung dafür ist: Der Erlös der Veranstaltungen muss in die Kulturarbeit vor Ort investiert werden. Aus Leibertingen wurde bereits Interesse für eine solche Kooperation im Rahmen des Projekts "Kultur Partner" angemeldet.

Alle zwei Jahre bietet die muntere Theatergruppe Thalheim drei Laienspielaufführungen im Bürgerhaus St. Wendelin an. In diesem Jahr soll das hochdeutsche Lustspiel "Das verflixte Klassentreffen" in drei Akten mit fünf Damen und sechs Herren zur Aufführung gebracht werden. Die Proben dazu laufen schon seit Wochen auf Hochtouren im ehemaligen Schulhaus, wo auch die Kulisse in einem Klassenzimmer aufgebaut ist. Dafür, dass in die Kasse der Theatergruppe, über die Einnahmen aus dem Kartenverkauf für ihr diesjähriges Stück noch etwas mehr Geld kommt, möchte nun der Leibertinger Alt-Bürgermeister Heinrich Güntner sorgen.

Zur nächsten Jahresversammlung des Leibertinger Kultur- und Tourismusvereins, die am Montag, 26. März, um 19.30 Uhr im Gasthaus Traube in Kreenheinstetten beginnen wird, hat er nämlich sowohl Friederike van Dülmen Betreuerin des Projekts "Kultur Partner" beim Theater Lindenhof in Melchingen, als auch Vertreter der Thalheimer Theatergruppe eingeladen. Seine Idee: Zwischen den Thalheimern und den Theater-Profis von der Alb soll es zu einer Kooperation kommen, wie sie derzeit über das Projekt "Kultur Partner" angeboten wird. Bewerben können sich für diese Projekt indes nicht nur die Thalheimer Theatermacher: Alle Städte und Gemeinde, die im Zuständigkeitsbereich der Leader-Aktionsgruppe Oberschwaben liegen, können davon profitieren. Also auch Meßkirch, Inzigkofen und Beuron.

Wie das genau funktioniert, erläutert Friederike van Dülmen: Angesprochen würden sowohl Pri­vatpersonen als auch kulturelle Kleinveranstalter. Diese sollten sie bei Interesse kontaktieren. "Das Theater Lindenhof wird insgesamt zehn Kultur-Partner-Projekte unterstützen. Wir vom Thea­ter Lindenhof wollen mit Interessierten vor Ort dabei zunächst gemeinsam herausfin­den, ob deren Ort, Gemeinde und auch die Mitbürger auf diese Initiative gewartet haben." Dabei leiste sie Unterstützung und präsentiere das Projekt auf Wunsch bei Vereinsversammlungen – so wie das nun auch in Leibertingen der Fall sein soll. Doch dies sei nur ein Beispiel: Auch mit Vertretern der Kommunalpolitik könne Kontakt aufgenommen werden oder die Möglichkeiten des Projekts könnten interessierten Bürgern in einem anderen Rahmen als einer Vereinsversammlung präsentiert werden. Der Kern des Projektangebots sei dabei der folgende: Die Schauspieler des Theaters würden zum Startschuss einer Projektkooperation vor Ort kommen, und unentgeltlich ein Theaterstück aufführen. In der Regel sei dies das Stück "Schäufele's schwäbische Welt" doch es könnten auch andere Stücke gezeigt werden, stellt van Dülmen fest. Die daraus resultierenden Ein­nahmen kämen dann der jeweiligen Initiative, Verein oder Gemeinde zugute und müssten – und dies sei die einzige Bedingung – in die Nachhaltigkeit der jeweiligen Kultur-Initiative reinvestiert werden. Im Fall von Thalheim also dafür, dass dort auch in Zukunft weiter Theater gespielt wird.

Ansprechpartnerin für Interessierte ist Friederike van Dülmen. Sie ist zu erreichen per Email an kultur-partner@albkultur.de oder über das Theater Linmdenhof und unter der Telefonnummer 0 71 26/92 93 10.

 

"Jede Stadt und jede Gemeinde hat ihren ganz besonderen, eigenen Charakter"

  • Das Theater Lindenhof: In der Vergangenheit hat das Theater verschiedenste Kooperationsformen entwickelt. Ziel der Melchinger Theaterpartnerschaften ist es dabei, in den 20 Partnerstädten eine eigene, spezifische, unverwechselbare Kulturarbeit aufzubauen, erläutert Friederike van DülmenProjektdramaturgin und Betreuerin des Projekts "Kultur Partner". Dabei sollten vorhandene kulturelle Potenziale erweitert oder professionalisiert werden. "Jede Stadt und jede Gemeinde hat ihren ganz besonderen, eigenen Charakter. Auch in Bezug auf ihre kulturelle Ausstattung, ihre politische und soziale Kultur." Ziel sei es daher, über die bloße Versorgung mit Kultur hinaus innovative Wege der Kulturarbeit auszuloten und möglichst viele Bürger vor Ort in die Kulturarbeit einzubinden. "Damit kann eine eigene kulturelle Identität initiiert werden." Im Ergebnis solle eine Gegenwartskultur sichtbar werden, die jenseits der Pflege von Traditionen durch innovative Theaterformen und Formate attraktive Angebote schafft und den öffentlichen Diskurs um brennende Fragen unserer Lebenswirklichkeit befeuert. Dabei strebe das Theater Lindenhof stets eine Kulturarbeit an, die die Aufklärung, Unterhaltung und Bildung spielerisch verbindet. "Theater als Ort kultureller Bildung und Betätigung sowie sozialer Raum der Öffentlichkeit. Dabei binden wir den Ort der Auseinandersetzung nicht an ein bestimmtes Gebäude. Theater ist überall möglich." Der Zielsetzung der Theaterpartnerschaften mit den Kommunen wohne der partizipative Gedanke inne. Dennoch bleibe zu bemerken: Die Kunst ist frei. Die Wahl der Mittel und Formate sei Ergebnis künstlerischer Überlegungen.
  • Der Idealfall: Die Kooperation mit der Gemeinde Stetten a.k.M. bezeichnet van Dülmen als den Idealfall, wohin sich auch Verbindungen aus dem Projekt der "Kultur Partner" entwickeln könnten. In der Garnisonsgemeinde hatte so der Gemeinderat zuletzt im vergangenen Jahr beschlossen, den bestehenden Kooperationsvertrag zwischen Stetten a.k.M. und dem Theater Lindenhof bis zum 31. Dezember 2021 zu verlängern. Damit findet auf dem Heuberg auch in den kommenden Jahren die erfolgreiche Zusammenarbeit der Theaterprofis und der Stettener Laiendarsteller ihre Fortsetzung. Die jährlichen Kosten belaufen sich dabei auf 10 000 Euro.
  • Rückblende: Im Rahmen des 1200-jährigen Gemeindejubiläums von Stetten a.k.M. wurde 1999 erstmals ein großes Freilichttheater aufgeführt. Es folgten die Freilichttheater-Aufführungen "Maientanz" (2003) und vier Jahre später das Stück "Der Luftikus – oder die Geheimaktion Natter". Das Geheimnis der erfolgreichen Produktionen lag stets darin, dass die Amateurdarsteller ein Stück der eigenen Dorfgeschichte zum Besten gaben, wobei die Erstellung des Drehbuches und die Regiearbeit in den Händen der Profis vom Lindenhof lagen. So auch 2011, als mit der Aufführung des Stücks "Mitten im Dorf – oder der Krämer als Eigenbrötler" die Geschichte um das Stettener Kaufhaus Pfeiffer nachgespielt wurde, das zwischenzeitlich im Freilichtmuseum Neuhausen ob Eck steht. Das nächste Sommertheater soll es in der Garnisonsgemeinde Stetten im Jahr 2019 geben. (mos)

 

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