Meßkirch Tag des offenen Denkmals: Historisches Turmzimmer mit Charme

Zahlreiche Besucher besichtigen in Meßkirch den Philosophenturm am Tag des offenen Denkmals.

Am Tag des offenen Denkmals, der unter dem Thema Macht und Pracht stand, öffneten der Meßkircher Stadtbaumeister Thomas Kölschbach und die Diplom-Restauratorin Luise Schreiber-Knaus die Türe zum Südturm des Meßkircher Schlosses. Der Turm ist in der Schlossmauer integriert und grenzt an den Hofgarten. Da der Andrang riesig war, mussten sich die Besucher in vier Gruppen aufteilen, um jeweils in dem kleinen charmanten Turmzimmer Platz zu finden. Dort konnten sie die Fortschritte der Restaurierung begutachten und hübsche Details entdecken.

Bevor sich die Besucher von der historischen Bedeutung des Philosophenturms überzeugen konnten, erläuterte Thomas Kölschbach die bisherigen Renovierungsschritte und das architektonische Umfeld, zu dem selbstverständlich das Schloss sowie der Hofgarten gehören. Er berichtete, dass der Turm im vergangenen Jahr von außen komplett saniert wurde. Rechts der Eingangstüre lassen sich drei großen Flächen entdecken, die nicht weiß verputzt sind. Hier sind Originalputzreste aus dem 16. Jahrhundert sichtbar. "Der Mörtel hat eine gute Substanz", erklärte der Stadtbaumeister. Der Turm habe zwar eine Schieflage, die sei jedoch nur gering.

Interessiert betrachteten die Besucher die Malereien an den Wänden.
Interessiert betrachteten die Besucher die Malereien an den Wänden. | Bild: Isabell Michelberger
"Am Anfang sah hier alles ganz anders aus", erzählte die Restauratorin, die bereits die Voruntersuchung des Turms im Auftrag der Stadt vorgenommen hatte. Erst mit der Arbeit habe sich der historische Schatz, der unter dem grauen Putz schlummerte, offenbart. Über die gesamten Innenwände des Turms entdeckte sie Wandmalereien aus dem Jahr 1736. Dieser recht gut erhaltene Wandschmuck führte zu der Entscheidung, die gesamte Innenwand freizulegen. Die Besucher waren beeindruckt von den Ranken auf rosa Hintergrund, der aufgemalten hellen Säule, die ein florales Kapitell ziert, von den Verzierungen der Fensterlaibung sowie der ockerfarbenen Bemalung des Fenstersturzes.

"Das war höchstwahrscheinlich ein Teesalon", erklärte Luise Schreiber-Knaus. Ein Hinweis darauf könne eine skizzierte Teekanne geben, die sich gleich neben dem Eingang befindet und nicht aus der Zeit der Malereiphase stammt. Danach lenkte sie die Blicke auf die gegenüberliegende Seite, wo ein Haus skizziert ist, welches aus der Zeit der Teekannen-Zeichnung stammt. Die Besucher bekamen einen Eindruck davon, welch herrliches Kleinod dieser Turm gewesen sein muss, durch dessen Fenster sich ein stimmungsvoller Blick auf den Hofgarten bietet.

Viel Arbeit sei vorab in die Sicherung des Gebäudes geflossen, zudem hätten die Fensterstürze gesichert und gekittet werden müssen. Nun stehe die Renovierung der Stuckdecke noch an sowie die Aufarbeitung des Bodens, der bei der Besichtigung durch eine Abdeckung geschützt war. Nach Abschluss der Innenrenovierung werde Meßkirch ein Schmuckstück mehr besitzen. "Wenn man dann reinkommt, erlebt man einen Raum, wie er früher war", sagt die Restauratorin strahlend. "Er hat einen unglaublichen Reiz." Und schon entwickelten sich unter den Besuchern einige Ideen, wie der fertige Raum später genutzt werden könnte: als Ort für standesamtliche Trauungen, für kleinere Lesungen, Kerzenlichtkonzerte, aber vor allem als prächtige Kulisse für Fototermine.
 

Philosophenturm

Als Philosophenturm wird der südliche Turm der Meßkircher Schlossmauer bezeichnet. Von dort aus blickt der Besucher direkt in den Hofgarten. Den Namen "Philosophenturm" erhielt er, da der Meßkircher Philosoph Martin Heidegger seinerzeit überlegte, sein Arbeitszimmer dort unterzubringen. Diese Idee verfolgte er jedoch nie weiter. Es gibt allerdings eine populäre Fotografie, die Heidegger im Hofgarten vor diesem Turm zeigt. Da die Bezeichnung gut zu dem kleinen stimmungsvollen Raum passe, werde sie trotz mangelndem historischem Bezug beibehalten. 

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