Meßkirch Schafschur wie im Mittelalter

Die Mitglieder der kleinen Skuddenschafherde auf dem Campus Galli wurde von ihrem Fell befreit und zwar mit mittelalterlichem Schergerät.

Für drei tierische Bewohner auf dem Campus Galli stand am Sonntag ein wichtiges Ereignis an. Die drei Skuddenschafe der Museumsbaustelle wurden an diesem Tag unter großem Interesse der Besucher von ihrer Wolle befreit. Ein Vorgang, der heute kaum Beachtung finden würde. Dank moderner Technik wären die Wollproduzenten rasch von ihrer Wolle befreit. Doch auf der Museumsbaustelle befinden wir uns im neunten Jahrhundert. Also nichts mit moderner Technik und schon gar nicht mit strombetriebenen Maschinen. Für die beiden festen Mitarbeiter des Campus-Galli-Projekts Lars-Ole Schmutz und Raphael-Martin Schramm und für die Praktikantin Wibke Kaese bedeutet das ein Umdenken. Dabei sind alle drei mehr oder weniger vom Fach. Schmutz ist unter anderem ausgebildeter Schäfer, Schramm hat eine Ausbildung als Zoo-Tierpfleger und Wibke Kaese hat immerhin ein halbjähriges Praktikum auf einer norwegischen Schaffarm hinter sich.

Die praktischen Schwierigkeiten beginnen schon mit den Schafen an sich. Tierpfleger Schramm: "Die Skudden sind eine alte Schafrasse, die noch sehr nahe am Ur-Schaf sind." Praktisch heißt das, dass der Fluchtinstinkt noch sehr ausgeprägt ist. Wer nun aber glaubt, die beiden Männer würden in dem Gehege den Schafen nachlaufen, um sie für die Schur einzufangen, irrt sich. Schramm berichtet: "Wir treiben die Schafe zunächst in den kleinen Unterstand und können sie ziemlich problemlos greifen."

Dann kommt die zweite praktische Schwierigkeit. Schmutz: "Die Schafe sollten sich ruhig verhalten. Je weniger das Tier zappelt, desto einfacher ist die Arbeit." Dazu kommt noch das Handicap durch die fehlende Technik. Der Schäfer bringt es so auf den Punkt: "Mit der modernen Technik ist die Schur in zehn Minuten zu Ende. Mit der Handschere brauche ich dafür eine gute halbe Stunde." Der Trick, den Lars-Ole Schmutz anwendet, ist ganz einfach. Er nimmt das Tier zwischen die Beine und setzt es auf das Hinterteil. Der Erfolg schien ihm recht zu geben. Das Schaf hielt still.

Eine weitere Voraussetzung für das Gelingen ist gutes, das heißt scharfes Scherwerkzeug. Das gab es in Form einer großen Schere auch schon im frühen Mittelalter. Oberstes Gebot für die Schur nach Mittelalterart ist es, das Tier nicht zu verletzen. Geschoren wird das ganze Schaf, obwohl nach heutigen Maßstäben nur die Wolle von den beiden Flanken brauchbar ist. Die Wollhaare vom Bauch und vom Hinterteil gelten als minderwertig und landen heute im Müll. Im Mittelalter, so berichtet Schmutz, war das anders. Da wurde die gesamte Schur versponnen, auch wenn die minderwertige Wolle ordentlich kratzte. Raphael-Michael Schramm ergänzte: "Diese Wolle eignete sich beispielsweise auch zum Stopfen von Kissen."

Das erste der drei Campus-Schafe ist dunkelbraun, die beiden anderen sind weiß. Weiße Wolle, so erklärten die beiden Praxisexperten den Zuschauern, war auch schon im frühen Mittelalter begehrt: "Die Leute wollten was zum Färben."

Eine Nachzucht der Skuddenschafe wird es zumindest vorläufig auf dem Campus Galli nicht geben. Schmutz und Schramm erklärten den Verzicht mit den fehlenden Kapazitäten. Deshalb wird es vorläufig zumindest bei dem einen, allerdings kastrierten Bock und seinen Schafdamen bleiben. Die Tiere werden einmal im Jahr geschoren. Bei dieser Gelegenheit ist auch die Klauenpflege angesagt.

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