Meßkirch Landwirte aus dem Raum Meßkirch: Nur Regen trübt die Getreideernte

Der Frühlingsfrost hat beim Obst teils deutliche Spuren hinterlassen, schadet aber nicht der Ernte von Getreide wie Weizen. Landwirte aus dem Raum Meßkirch berichten von ihren Erträgen und warum der Regen derzeit ein größeres Problem ist.

Schönes Wetter für die kommenden zwei Wochen, das ist der Wunsch der Bauern, um ihre Getreideernte unter Dach und Fach zu bringen, die seit Anfang dieser Woche auf Hochtouren läuft. Bis in die späte Nacht hinein sieht man die Mähdrescher auf den Getreidefeldern fahren, eine Staubwolke hinter sich herziehend. Man nützt das ruhige Sommerwetter, sofern es ruhig ist: Häufig kühlt es über Nacht ab und Nebel macht eine Ernte in den Morgenstunden unmöglich. Wenn es regnet, kann kaum geerntet werden, da das Korn für die Lagerung nicht zu feucht sein darf. "Mit drei bis vier schönen Tagen wäre die Ernte vorbei, aber es sieht nicht so aus", sagt Franz Käppeler, Kreisverbandsvorsitzender Stockach des Badischen Landwirtschaftlichen Hauptverbands (BLHV). Jetzt zu dreschen sei ein Kompromiss. "Man bekommt derzeit kaum zwei Tage hin, an denen man Weizen trocken ernten kann." Trockenes Stroh einzubringen werde da zur Kunst.

Der Einsatz der großen Mähdrescher ist oft erst am frühen Nachmittag möglich, wie Konrad Strigel aus Ringgenbach bestätigt, der neben seiner Landwirtschaft auch als Lohnunternehmer tätig ist. Was die Ernteerträge betrifft, sind sie laut einer Umfrage bei den Betrieben in der Raumschaft zufrieden, obwohl befürchtet wurde, dass die Frühjahrsfröste zu Schäden führen. Doch die Erträge dürften das Vorjahresniveau erreichen. Die Gerste sei dieses Jahr sogar um Einiges besser, sagt Strigel, denn im vergangenen Jahr habe sie etwas zu viel Wasser gehabt. Auch Franz Käppeler beobachtet, dass die Ernte in Meßkirch weniger schlecht ausfällt als mitunter befürchtet: Der Frost besonders im April, als etwa die Obstbäume schon blühten, habe sich unterschiedlich auf die Pflanzen ausgewirkt – der Weizen bringe gute Erträge, die Ackerbohne hingegen habe keine schönen Bestände.

Aus den Getreidetanks der Mähdrescher wird das Getreide auf dem Felde in offene Anhänger verladen.
Aus den Getreidetanks der Mähdrescher wird das Getreide auf dem Felde in offene Anhänger verladen.

Bis zu 1500 Tonnen pro Tag

Beim ZG-Raiffeisen-Lager in Meßkirch-Menningen ist die Anfuhr der Getreideernte in vollem Gange, was die laufend eintreffenden Zugmaschinen mit voll beladenen Hängern bestätigen. Laut Niederlassungsleiter Hubertus Buhl werden täglich zwischen 1000 und 1500 Tonnen Getreide angeliefert. Das ändere sich aber im Zuge des Wetters laufend: "Man kann einfach nicht planen." Wenn die Ernte sonst in zwei bis drei Tagen erledigt sei, ziehe sie sich jetzt über viele Tage hin.

Reinhard Boos aus Rohrdorf, der auch am Lager in Menningen anzutreffen ist, sieht bei der Wintergerste und Weizen keine besonderen Verluste. Auch der Hafer scheint nach seiner Ansicht einen zufriedenstellenden Ertrag zu bringen. Diese Einschätzung teilt auch Gerhard Grießbaum aus Buchheim, obwohl das Klima dort bei knapp 800 Metern über Meer etwas rauer scheint wie im Bereich von 600 Metern ü.M. um Meßkirch. Emil Boos aus Vilsingen, der mit zwei Hängern mit Weizen bei der ZG anzutreffen ist, ist ebenfalls optimistisch: Nach den Frostnächten im April habe er die Ernte nicht so gut erwartet.

Ulrich Stekeler aus Thalheim findet den Weizen in der Ertragslage sehr gut, doch der Raps habe unter dem Aprilfrost etwas gelitten, wie er festgestellt hat.
Ulrich Stekeler aus Thalheim findet den Weizen in der Ertragslage sehr gut, doch der Raps habe unter dem Aprilfrost etwas gelitten, wie er festgestellt hat.
Emil Boos aus Vilsingen ist zufrieden mit dem diesjährigen Ertrag. Dabei habe er nach dem kalten Frühling eine schlechtere Ernte befürchtet. Bilder: Karl Mägerle
Emil Boos aus Vilsingen ist zufrieden mit dem diesjährigen Ertrag. Dabei habe er nach dem kalten Frühling eine schlechtere Ernte befürchtet. Bilder: Karl Mägerle

Was unter dem Frost etwas gelitten hat, so Ulrich Stekeler aus Tahlheim, ist etwa der Raps. Ansonsten findet er die derzeitigen Getreideerträge sehr zufrieden stellend. Der Monat Juni, so die Ansicht aller Befragten, hat hier mit seinen teils hochsommerlichen Temperaturen die Erträge in eine akzeptable Erfolgsbilanz gebracht. Regional sind kleinere Einbußen feststellbar, die durch außerordentliche Witterungseinflüsse wie Starkregen zustande kamen. Laut Franz Käppeler vom BLHV ist Meßkirch dabei aber ganz gut weggekommen: Im benachbarten Hegau habe der Niederschlag teils gefehlt, was deren Ernteergebnis negativ beeinflusse.

Was geerntet wird

Hubertus Buhl, Niederlassungsleiter der ZG Meßkirch-Menningen, erklärt: Derzeit werden Futter- und Graugerste, Weizen, Dinkel, Hafer, Erbsen und Raps geerntet. Soja und Mais, welche später eingefahren werden, seien im Raum Meßkirch nicht verbreitet. Eigentlich sei man fünf bis zehn Tage früher dran als sonst, doch wegen des Regens ist die Ernte jetzt schwer planbar und zieht sich dadurch in die Länge. Nach der Ernte wird das Getreide eingelagert, aufbereitet und anschließend weitervermarktet – entweder an Mühlen oder an Futtermittelhersteller, je nach Qualität. Nach einem verregneten Vorjahr können die Landwirte bisher zufrieden sein, wie Buhl sagt. Mit dem Herbst beginne dann bereits die Planung fürs nächste Jahr und das Aussäen. (isa)

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