Meßkirch Klosterstadt gerät in die Kritik, bevor ein Stein gesetzt ist

Der Startschuss für das monumentale Vorhaben, bei Meßkirch eine mittelalterliche Klosterstadt zu bauen, ist noch nicht gegeben. Trotzdem ist hinter den Kulissen bereits ein Streit unter den Machern entbrannt.

Im Zentrum der Kritik steht Bert Geurten, Vorsitzender des Vereins Karolingische Klosterstadt. Für die „Living History“-Szene, die das Mittelalter möglichst originalgetreu nachbilden will, geht er zu viele Kompromisse mit den Zwängen der Gegenwart ein.

Zu viele Kompromisse mit den Zwängen der Gegenwart?

Vorgetragen wird die Kritik von Andreas Sturm, der die vergangenen sieben Jahre für den Verein den Bereich „Living-History“ bearbeitete und den Geurten früher als seinen „Mittelalter-Tüv“ betitelte. In einem Schreiben, das Sturm an den Sigmaringer Landrat Dirk Gaerte und an den Meßkircher Gemeinderat schickte, kritisiert er Entscheidungen des Vereinsvorstands und stellt die Frage, ob dessen Vertreter genügend Sachkenntnis für das Projekt mitbringen. Hintergrund des Zwistes sind offenbar aber auch entgegengesetzte Standpunkte, was die Anstellungsbedingungen des bis zuletzt in freier Mitarbeit tätigen Sturm betrifft.

Die Vorwürfe von Living-History-Vertretern zielen einerseits auf die Person Geurten, andererseits wird die Klosterstadt schon vor ihrer Eröffnung am 22. Juni dafür kritisiert, dass sie mehr ein Wirtschaftsbetrieb denn ein archäologisches Experiment sei, und daher nicht authentisch. Sturm kritisiert etwa, dass die Baustelle nicht als Rodungsinsel im Wald, sondern entlang eines Rundwegs angelegt ist. Durch Handwerkerinseln im Wald werde das falsche Bild einer mit der Natur in Einklang lebenden Gesellschaft gezeichnet. Ein anderer Kritikpunkt ist, dass die Klosterstadt nach seinem Weggang nicht mehr über geschulte Mitarbeiter verfüge, um den Besuchern die Karolingerzeit nahezubringen.

Täglicher Spagat zwischen Mittelalter und dem 21. Jahrhundert

Geurten vertritt als Antwort auf den täglichen Spagat zwischen Mittelalter und 21. Jahrhundert eine klare Linie: Bei allen Fragen, die die Sicherheit der Besucher, die Gesundheit der Angestellten und die Wirtschaftlichkeit des Projekts betreffen, an das im Landkreis Sigmaringen große Hoffnungen geknüpft werden, entscheidet der Vorstand. In allen anderen Fragen werde der wissenschaftliche Beirat des Vereins entscheiden, dem Professoren aus Aachen, Stuttgart, München, Tübingen und Wien angehören sollen. „Es wäre wünschenswert gewesen, hätte der Beirat seine Arbeit schon aufgenommen“, räumt Geurten ein. Doch sei das aus zeitlichen und finanziellen Gründen nicht machbar gewesen, werde sich nun aber ändern.

Würden alle Handwerker auf einer Lichtung arbeiten, hätten die Besucher in einer Stunde schon alles gesehen. Durch den Rundweg könnten sie drei bis vier Stunden auf dem acht Hektar großen Gelände verweilen, das am Ende ebenfalls eine zusammenhängende Fläche sein werde, fährt er fort und stellt klar, dass die Mitarbeiter geschult würden – auch von Museumspädagogen. Zusätzlich soll es Führer auf dem Gelände geben.

Was seine Sicht auf das Thema „Sicherheit“ betrifft, gibt er ein Beispiel: Auf dem Gelände soll ein Holzkarren, der von Ochsen gezogen wird, zur Arbeit eingesetzt werden. Ein am Bau beteiligter Wagnermeister riet wegen Bruchgefahr von einer Holzachse ab. Darauf entschied der Vorstand, eine nicht-authentische Metallachse einzubauen. „Angenommen, die Achse bricht und der Wagen fällt einer Schulklasse auf die Füße, das darf nicht sein“, begründet Geurten den Schritt und geht auf Distanz zur Living-History-Lehre. Um den forschenden Anspruch des Projekts zu wahren, werde jedoch ein zweiter Wagen mit einer Holzachse gebaut, mit dem eine mittelalterliche Achse getestet werden soll.

Matthias Becher, Professor für die Geschichte des Mittelalters an der Universität Bonn und Mitglied im Beirat, bedauert die Auseinandersetzung, die, wie er sagt, die sachliche Ebene verlassen hat. Es sollte vor der Eröffnung kein negativer Zungenschlag in das Projekt kommen, stellt er fest und bekräftigt, dass es nicht zu viele Kompromisse geben darf. Einige der kursierenden Anfeindungen könne er indessen nicht nachvollziehen. So lautet eine Kritik, dass die Erschließungsarbeiten des Geländes und das Anlegen eines Besucherparkplatzes mit Maschinen und nicht per Hand ausgeführt werden. Geurten spricht angesichts dessen, dass zwischen dem Eintreffen der letzten Bau-Genehmigung und der Eröffnung dreieinhalb Monate liegen, von „absurden Vorwürfen“ und versichert: „Ab der Eröffnung am 22. Juni werden wir keine Maschinen mehr einsetzen.“

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