Meßkirch Heudorfer Pestkreuze stehen wieder an der Bundesstraße

Die Pestkreuze an der Bundesstraße 311 bei Heudorf sind zurück. Zur Erinnerung: Die alten Kreuze waren im Auftrag der Stadt abgesägt worden, da sie im Lauf der Zeit morsch geworden waren und so eine Gefährdung der Verkehrssicherheit darstellten. Seitens des Heudorfer Ortschaftsrats war darauf hin erwartet worden, dass es einen Ersatz gibt. Der Historiker Dr. Werner Fischer erläutert den Ursprung der Kreuze.

Auf die Frage, weshalb die Pestkreuze indes überhaupt an der Bundesstraße bei Heudorf stehen, gibt es zumindest zwei Antworten. Der Heudorfer Historiker Dr. Werner Fischer benennt diese Möglichkeiten so: Eine Erklärung laute, dass die Kreuze während eines Pestausbruchs aufgestellt wurden, um Wanderer zu warnen. "Kommt nicht in dieses Dorf", wäre ihre Botschaft in diesem Fall gewesen. Die andere Möglichkeit sei, dass an der Stelle, an der die Kreuze stehen, Pesttote bestattet wurden.

"Ich halte die erste Erklärung für eine moderne, rationale Deutung", sagt Fischer. "Denn ich weiß nicht, ob man sich bei einem Pestausbruch damals Gedanken um andere gemacht hat." Andererseits sei es so, dass Pesttote teils auch außerhalb der Friedhöfe bestattet wurden. So auch in Heudorf. Dort verwiesen die drei Pestkreuze auf einen Begräbnisplatz für die Pesttoten. "Es gab auch den Glauben, dass Gott die Seuche als Strafe geschickt hatte und man die Toten deswegen nicht auf den Friedhöfen bestattet hat", sagt Fischer. In der Realität breitete sich die Seuche wegen Hungersnöten, schlechten Wohnbedingungen, mangelnder Hygiene und großer Ansteckungsgefahr schnell aus.

In der Zimmerischen Chronik werde das Jahr 1083 als ein Pestjahr angesprochen, ein weiteres 1092. Auch im 15. Jahrhundert sei die Pest immer wieder aufgetreten, vor allem in Heudorf und Meßkirch 1430, 1440 bis 1450, 1483, 1495 und 1518. "1551 starben in Rohrdorf etwa 100 Personen an der Pest", sagt Fischer. Die Toten wurden auf dem Schindanger begraben, wo man auch das gefallene Vieh entsorgte. Die Heudorfer Kreuze seien an der alten Landstraße nach Tuttlingen errichtet worden, die 1978 durch die Bundesstraße ersetzt wurde. Dabei seien die Kreuze nicht die Einzigen ihrer Art in der Region. So gebe es etwa bei Emmingen-Liptingen weitere Pestkreuze.

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