Mengen Spannender Blick hinter die Kulissen bei den Bio-Bauern Hubert und Andrea Göhring in Mengen

Jedes Jahr organisiert das Landratsamt Sigmaringen einen Tag der gläsernen Produktion. Zahlreiche Besucher kamen, um zu sehen, wie Linsen wachsen und warum bei Göhrings keine einzige Kuh gemolken wird.

Mengen – Es dürften viele hundert Besucher gewesen sein, die am Sonntag auf den Hof von Andrea und Hubert Göhring gekommen sind, um sich über eine Landwirtschaft ohne Viehhaltung zu informieren. Sowohl Berufskollegen als auch Verbraucher zeigten Interesse an dem Tag der gläsernen Produktion. Und wer eine Ackerrundfahrt mitmachte, konnte eine ganze Menge erfahren über den ökologischen Landbau, aber auch über Pflanzen wie Ackerbohne und „Alb-Leisa“, also Linsen. Und eine ganz neue Erfahrung kam für so manchen Besucher hinzu: Zum Mittagessen gab’s kein Fleisch, sondern eine vegetarische und leckere Kartoffelpfanne. Für die sorgte der Partyservice der Landfrauen aus Riedlingen. Deren Chefin ist Elfriede Elser. Und die meldete um 13 Uhr leere Pfannen. „600 Portionen haben wir verkauft und wir wären sogar mehr losgeworden“, freute sie sich über den Erfolg. Wer nun keine Kartoffelpfanne mehr bekommen konnte, der kostete die leckeren Dinnetle und natürlich die viel gerühmten Kuchen der Landfrauen. Doch Essen und Trinken, das war längst nicht alles. Und so mancher Besucher dürfte mit neuen Erkenntnissen nach Hause gegangen sein.

 

Beim Tag der gläsernen Produktion des Landkreises stand dieses Jahr ein Hof im Vordergrund, auf dem es zwar Kühe, Esel und Schafe gibt, die aber nicht als Nutz- sondern als Therapiertiere dienen. Hier wird keine Kuh gemolken und die Schafe nicht zur Wollgewinnung geschoren. „Ich bin ein Ackerbauer“, sagt Hofchef Hubert Göhring. Der 43-jährige Agrartechniker und Forstwirt hat sich zusammen mit seiner Frau Andrea (Agrartechnikerin, Bauernhofpädagogin und Fachkraft für tiergestützte Therapie) für Kartoffeln als Produktionsschwerpunkt entschieden. Auf seinen insgesamt 86 Hektar Ackerfläche wachsen aber auch Weizen, Hafer, Dinkel, Roggen und Hanf. Der Eiweißträger Ackerbohne steht ebenso auf seinen Feldern wie Linsen. Wie die aussehen und dass sie Hafer als Stützpflanze brauchen, das konnte man direkt auf dem Feld erfahren. Besser gesagt, genau daneben. Denn da hielt das Zoller-Hof-Zügle mit wissbegierigen Verbrauchern und altgedienten Landwirten. Clemens Spieß aus Dietershofen und Bernhard Mayer vom Fachbereich Landwirtschaft im Landratsamt Sigmaringen erklärten aber nicht nur den Anbau dieser Linsen, sondern auch, wie eine Fruchtfolge im Laufe der Jahre auf einem Bio-Hof aussieht. Da wurde dann schnell deutlich: Anbauen, was einem so gerade in den Sinn kommt, das geht gar nicht. Will man die Kraft der Böden erhalten und auf Unterstützung aus der Chemiefabrik verzichten, dann muss man genau planen. Auf Kleegras folgen Kartoffeln, dann Dinkel und Weizen. Im vierten Jahr sind Ackerbohnen angesagt. Lupinen, Hafer und Linse – der Bauer muss sich auskennen. Und er muss bereit sein, das Wetterrisiko auf sich zu nehmen. So waren im vergangenen Jahr die Kartoffeln mit der vielen Feuchtigkeit nicht zufrieden. Dieses Jahr sieht es bedeutend besser aus.


Nach der Rundfahrt konnten Besucher sich bei vielerlei Gelegenheiten Informationen zum Biolandbau und Naturschutz holen. Dazu wurden die Maschinen präsentiert, ohne die der Biobauer nicht auskommt. Andrea Göhring informierte über die tiergestützte Therapie, die sie auf dem Hof anbietet und natürlich gab es viele Angebote rund um die Landwirtschaft. Für Kinder waren Mitmachaktionen organisiert worden.

Gläserne Produktion

Seit 27 Jahren gibt es im Landkreis einmal im Jahr einen Tag der gläsernen Produktion. Dabei sollen die Leistungen der regionalen Landwirtschaft hinsichtlich Versorgungssicherheit, artgerechter Tierhaltung, Erhaltung der Bodenfruchtbarkeit, Erzeugung von Bioenergie, Erhalt der Kulturlandschaft und Schutz der biologischen Vielfalt herausgestellt und ihre Leistungen in Sachen Nachhaltigkeit deutlich gemacht werden. Der Fachbereich Landwirtschaft des Landratsamtes Sigmaringen hat sich 2017 für den Hof der Familie Göhring in Rulfingen als Veranstaltungsort entschieden. "Wir wollen viele Facetten der Landwirtschaft vorstellen", so Fachbereichsleiter Gerhard Gomeringer. (fah)

Ihre Meinung ist uns wichtig
Historische Momente
Neu aus diesem Ressort
Mengen
Mengen
Mengen
Mengen
Mengen
Mengen
Die besten Themen
Kommentare (0)
    Jetzt kommentieren