Mengen Im Doppeldecker-Oldtimer um die Welt

Ein Leben lang war der 77-jährige Bill Charney leidenschaftlicher Pilot und Fan von Doppeldecker-Oldtimern. Sein Lebenstraum, ein Alleinflug rund um die Welt, brachte ihn jetzt auch in den Kreis Sigmaringen

Sehr wohl fühlte sich Bill, hier mit Uschi Kälberer vor der legendären Staggerwing, beim Aufenthalt auf dem Flugplatz Mengen und in der Umgebung.
Sehr wohl fühlte sich Bill, hier mit Uschi Kälberer vor der legendären Staggerwing, beim Aufenthalt auf dem Flugplatz Mengen und in der Umgebung. | Bild: Privat

In einem Alter, in dem sich viele Menschen hierzulande bereits auf das Altenteil zurückziehen, begann für einen passionierten Piloten aus Amerika ein weiteres Abenteuer seiner lebenslangen Fliegerleidenschaft. Captain Biff Windsock, wie er sich während seiner Anstellung als Flugkapitän bei United Airlines nannte und der Boeing-747 „Jumbo-Jet“ sein Arbeitsplatz war, heißt mit bürgerlichem Namen Bill Charney. Er feierte dieses Jahr seinen 77. Geburtstag.

Die Geschichte beginnt 1940, als Bill mit fünf Jahren auf einer Flugshow in Amerika zum ersten Mal einen Doppeldecker vom Typ Beechcraft „Staggerwing“ sah. Ein Flugzeug, welches durch die ungewöhnliche Anordnung der Tragflügel (stagger) und das schnittige Design damals wie heute Bewunderung auslöst. Der Jugendtraum, einmal im Leben solch ein Flugzeug zu besitzen und zu fliegen, brannte sich innerlich bei ihm ein. Doch selbst das Flugzeuge waschen am nahe gelegenen Airport während seiner Jugendzeit brachte nicht das nötige Geld um die Pilotenlizenz erwerben zu können. Erst der Eintritt in die Air National Guard ermöglichte ihm die Flugausbildung. Nach dem Studium kam die Ausbildung zum Airline-Pilot bei United Airlines. Er flog DC-6 und DC-7 (viermotorige Propellermaschinen) und in seiner Freizeit, meist abends und am Wochenende bei der Air National Guard auf F-84 Aufklärungs-Jets. Es folgte der Vietnam Krieg mit schmerzvollen Erinnerungen, denn sein bester Freund aus dieser Zeit gilt bis heute als verschollen. Nach dem Krieg kehrte Bill zur Verkehrsfliegerei zurück und begann eine erfolgreiche Kariere bei United Airlines.

1994 war er endlich in der Lage sich „seine“ Staggerwing zu kaufen. Die Maschine mit dem Kennzeichen NC16S, Bj. 1944 war in gutem Zustand, aber nicht gut genug, um seinen Traum zu verwirklichen – einen Flug um die Welt. In Neuseeland fand er eine kleine Firma, die das Flugzeug nach einer Komplettrestauration für den langen Flug perfekt herrichtet. Nach jahrelanger Arbeit war es dann soweit. Die große Reise begann im April 2009 in Neuseeland.

Die bisher wichtigsten Stationen waren unter anderem Australien, Bali, Kambodscha, Thailand, Indien, Zypern, Süd- und Mitteleuropa. Dabei ließ sich Bill Zeit. Er traf Bekannte, schlossneue Freundschaften, blieb länger, wenn es ihm gefiel. Und offensichtlich gefiel es ihm auch ganz besonders beim Zwischenstopp auf dem Flugplatz Mengen. Aber, alles was er brauchte, hat er in seinem Doppeldecker ja dabei. Erstaunlich wie der fast 80-jährige Bill mit den neuesten Errungenschaften der IT Kommunikations- und Medientechnik umging.

Als Bill auf dem Mengender Regio Airport landete, geschah dies ohne große Beachtung. Für die uns, meine Frau Uschi und mich, war es jedoch ein großer Tag. Wir hatten Bill vor fast zehn Jahren in Amerika bei einer Flugveranstaltung kennen- und schätzen gelernt. Seitdem haben wir einen engen, freundschaftlichen Kontakt. Da wir selber auf dem Flugplatz in Mengen uns mit Oldtimerrestauration und Fliegerei mit Leidenschaft und Engagement beschäftigen, war es für uns eine Ehre die rote Staggerwing für ein paar Tage im Hangar zu beherbergen.

Bill hatte einen besonderen Wunsch, nachdem er Oberschwaben und Bodenseeregion gesehen hatte. Er wollte gerne in Mengen in die Kirche gehen. Sein tief verwurzelter Glaube dokumentierte sich auch darin, dass er seine Weltumrundung in den Dienst von „Wings-of-Hope“ gestellt hatte, eine Hilfsorganisation, die 2011 für den Friedensnobelpreis nominiert wurde.

Nachmittags wurden wir mit einem unvergesslichen Flug in der roten Staggerwing über das Allgäu und den Bodensee fürstlich belohnt. Dann hob Bill mit Ziel Frankreich wieder ab.

Ihre Meinung ist uns wichtig
Herbstliche Weine vom Bodensee
Neu aus diesem Ressort
Mengen
Mengen
Mengen
Mengen
Mengen
Mengen
Die besten Themen
Kommentare (0)
    Jetzt kommentieren