Mengen CDU-Politiker Wolfgang Bosbach redet Klartext

Der Auftritt von CDU-Politiker Wolfgang Bosbach in Mengen ist auf große Resonanz gestoßen. Lob, aber auch viel Kritik äußerte der 65-Jährige bei seinem Vortrag im vollen Festzelt.

Einem Politiker über längere Zeit, ohne Unterbrechung zuzuhören, das erfordert oft Geduld. Bei Wolfgang Bosbach (CDU) ist das offenbar nicht der Fall. Gut eine Stunde sprach der Redner in freiem Vortrag vor einem aufmerksamen Publikum im Festzelt, das für die Mengener Heimattage aufgebaut ist. Bosbach kam auf Einladung des CDU-Bundestagsabgeordneten Thomas Bareiß nach Mengen. Vor Eintreffen des Ehrengasts hatte die Stadtkapelle Mengen einige Stücke gespielt. Die im Vorfeld geäußerte Meinung, viele Zuhörer kämen in erster Linie, um den Auftritt der Geschwister Anita und Alexandra Hofmann zu erleben, sollte sich nicht bewahrheiten. Bosbach erwies sich als Zugpferd und als er eintraf, waren nicht nur alle Sitzplätze im Zelt belegt, sondern auch mehrere im Außenbereich. Im Vorfeld habe er sich viel Kritik anhören müssen wegen der Veranstaltung im Bierzelt, sagte Bareiß, ehe er den Referenten vorstellte. Die Kritiker hatten Bedenken hinsichtlich des Veranstaltungsorts geäußert.

Bosbach ließ sich dadurch jedoch nicht entmutigen. Er präsentierte sich als Vollblutpolitiker und scheute auch vor plakativen Aussagen nicht zurück. In seinem Vortrag sprach er zahlreiche Themen an. Er lobte die Bundesrepublik Deutschland und stellte dazu die Frage, warum die Bürger nicht stolz seien auf ihr Land. Auf die Nationalfeiertage in den USA und in Frankreich verweisend, an denen die Bevölkerung auf den Straßen rauschende Feste feiere, warnte er vor einer Verwechslung von Patriotismus mit Nationalismus. Bosbach ging außerdem auf die deutsche Wiedervereinigung ein und die immer wieder gestellte Frage, wo denn die seinerzeit verkündeten blühenden Landschaften seien.

Er zählte daraufhin eine ganze Reihe von ostdeutschen Städten auf. „Wie sahen diese noch vor 35 Jahren aus?“, fragte er ins Publikum. „Ein Glück, dass 1988/89 Helmut Kohl Bundeskanzler war und nicht Oskar Lafontaine“, fügte er hinzu. Die Politikverdrossenheit bei einem erheblichen Teil der Bevölkerung fußt Bosbachs Überzeugung nach auf Vertrauen, das in wenigen Minuten verspielt worden sei. Und es dauere sehr lange, es wieder zu gewinnen. Bei der CDU herrsche eine klare Sprache, erklärte Bosbach. Die Partei müsse von anderen Parteien unterscheidbar bleiben.

Zum Ergebnis der Abstimmung im Bundestag über die „Ehe für alle“ sagte der Politiker: „Wer den Zeitgeist heiratet, ist schnell Witwe.“ Sowohl für diese als auch für die Aussage, dass er Gegner einer Ausweitung und eines Beitritts der Türkei zur Europäischen Union sei, erntete er viel Applaus von den Zuhörern. Europa müsse seine Grenzen haben, sagte er in Verbindung mit seiner Kritik an der Regulierungswut seitens der europäischen Institutionen in Brüssel. Die EU müsse nur regeln, was geregelt werden müsse und nicht mehr, meinte Bosbach. An einem guten Verhältnis zu den USA müsse Deutschland großes Interesse haben, trotz des „interessanten“ Präsidenten, sagte er mit einem verschmitzten Gesichtsausdruck, womit er Heiterkeit beim Publikum erzeugte. In Sachen Zuwanderung warnte Bosbach davor, Konflikte zu importieren: „Unsere Werteordnung gilt für alle, ohne Ausnahme. Wer zu uns kommt, hat sich zu integrieren.“

Von Eric Jäger erhält Wolfgang Bosbach einen kleinen Ditzelede (von links).
Von Eric Jäger erhält Wolfgang Bosbach einen kleinen Ditzelede (von links). | Bild: Reinhard Rapp

Er warf seiner eigenen Partei vor, hier keine klare Aussprache zu haben. Die Gesetze der Scharia hätten in Deutschland keinen Platz und wer diese wolle, solle schleunigst auswandern. Den Satz „Der Islam gehört zu Deutschland“ könne er keineswegs unterschreiben. Deutschland gehöre und habe niemals zu diesem Kulturkreis gehört.

Vor einer Islamisierung habe er keine Angst, aber vor einer Entchristianisierung. In diesem Zusammenhang nannte es Bosbach beschämend, dass führende Vertreter der beiden großen Kirchen in Deutschland vor dem Betreten einer Moschee im Ausland ihre Brustkreuze abgenommen hätten. Breiten Raum räumte der Redner noch der Erziehung und der Bildung ein. Seine Erzählungen weckten bei den Zuhörern Erinnerungen. Früher sei draußen gespielt worden. Heute säßen die Kinder vor Computer und Smartphone. Er schloss seinen Vortrag mit dem Wunsch, dass alle Kinder die Bildung erhielten, die sich nach ihren Fähigkeiten richte. Erst danach hieß es „Bühne frei“ für den Auftritt der Geschwister Anita und Alexandra Hofmann.

Zur Person

Wolfgang Bosbach stammt aus dem rheinischen Bergisch Gladbach und ist 65 Jahre alt. Nach der Mittleren Reife absolvierte er eine Lehre zum Einzelhandelskaufmann. Es folgten Ausbildungen zum Betriebswirt und ein Jurastudium. Seither ist Bosbach zugelassener Rechtsanwalt. 1972 trat er als Mitglied der CDU bei. Über die Jahrzehnte hinweg hatte er zahlreiche Ämter und Mandate in Stadt, Kreis, Land und Bund inne. Allein sechs Legislaturperioden gehörte er dem Deutschen Bundestag an. Bei der kommenden Bundestagswahl wird Bosbach aus persönlichen Gründen nicht mehr antreten.

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