Leibertingen Beim Verein "Luchs-Initiative Baden-Württemberg" herrscht großes Interesse am Luchs

Der Schweizer Andreas Ryser referiert bei einer Informationsveranstaltung im Libertinger Gasthaus Adler über ein Tierforschungsprojekt.

Der Verein "Luchs-Initiative Baden-Württemberg" hat mit Andreas Ryser einen kompetenten Referenten gefunden. Ryser ist im "Kora"-Programm mit Sitz in Muri bei Bern tätig. Es geht dabei um Raubtiermanagement und Wildökologie. Kora plant, leitet und koordiniert Forschungsprojekte für Raubtiere seit 1994.

Warum aber gerade Leibertingen als Veranstaltungsort? "Weil der Luchs hier vorkommt", so Donautal-Guide Armin Hafner. In Leibertingen trafen sich Mitglieder der Luchs-Initiative, um zunächst den Luchs-Info-Point zu besuchen. Hafner stellte diesen 2017 entstandenen Informationspavillon und seine Ausstellungsstücke vor. Vor dem abendlichen Vortrag im Gasthaus Adler berichtete Hafner den Besuchern des Vortrags von den Luchs-Vorkommen im Donautal. Eine kleine Sensation stellte dabei ein 48 Stunden altes Bild vom Luchs "B600" dar. Ein gestochen scharfes Bild zeigt den Luchs, der durch sein Fleckenmuster identifiziert werden konnte. Er lief dabei von rechts an der Kamera vorbei. So war seine linke Seite zu sehen. "B" bedeutet, dass beide Seiten des Tieres registriert sind. Somit kann dieses einzelne Tier sicher erkannt werden. Durch die Zusammenarbeit mit Kora konnte nachgewiesen werden, dass dieser Luchs aus dem Westteil des Juras bei Genf etwa 300 Kilometer ausgewandert ist.

Im Donautal wurde ein Luchs erstmals wieder im August 2005 nachgewiesen. Dieser blieb ein Jahr im Donautal und wurde "Donautal-Luchs" genannt. Am 1. Januar 2007 wurde er bei Ulm zum Verkehrsopfer. In Baden-Württemberg konnte erst wieder 2013 ein Luchs gesichtet. In der Wutachschlucht lebte dieser vier Monate. Er starb an einer Krankheit. 2015 wurde Luchs "Friedel" in diesem Bundesland gefangen und besendert. Damit sind Wanderbewegungen erkennbar. Bisher konnten in Baden-Württemberg nur männliche Luchse, also "Kuder" und keine "Katzen" nachgewiesen werden. Eine Umsiedlung ist noch nicht erlaubt.

Moderne Kulturlandschaft und Siedlungsflächen sowie Barrieren durch Autobahnen, Gefährdungen durch Verkehr stellen Probleme für Wildtiere dar. Projektziele der Kora sind Erhaltung und Management der Raubtiere, um ihr langfristiges Überleben zu gewährleisten. Wichtigste Aufgaben sind dabei Überwachung der Entwicklung der Raubtierbestände in der Schweiz. Es wird die Lebensweise der Raubtiere erforscht.

Referent Ryser berichtete mit seiner Präsentation sachlich und zuweilen humorvoll von den Entwicklungen in der Schweiz. Ab 1971 wurde der Luchs dort wieder angesiedelt. Mit der Luchs-Umsiedlung in die Nordschweiz wurde ab 2001 eine kleine Population erreicht. "Die großen Befürchtungen zum Anfang haben sich gelegt", so Ryser. Zumindest in den betroffenen Gebieten sei das so und auch eine Akzeptanz bei Jägern erreicht. Ryser stellte auch ein von ihm mitentwickeltes ferngesteuertes Blasrohr vor, mit dem Wildtiere stressfreier gefangen werden könnten.

Der neu gewählte Vereinsvorsitzende Michael Rüttiger bedankte sich nach der Diskussionsrunde bei Ryser und lud ihn sogleich zu weiteren Veranstaltungen ein.

 

Wildkatzenart

Der Luchs ist eine gesetzlich geschützte Wildkatzenart. Kennzeichen sind Pinsel­ohren, Backenbart und kurzer Schwanz mit schwarzer Spitze. Das scheue Tier ist nachtaktiv. Bisher gab es nur wenige aus der Schweiz zugewanderte männliche Tiere im Ländle. Natürliche Beute sind wilde Huftiere. Der Verein Luchs-Initiative Baden-Württemberg bemüht sich um die Rückkehr dieser Wildart. In Folge der Tschernobyl-Katastrophe wurde der Verein 1986 gegründet. Wild war verstrahlt. Der Luchs als natürlicher Feind von Rehen könnte die Bestände regulieren, dachten einige. Nach bisherigen Forschungsergebnissen eignet sich der Luchs nicht dazu. Informationen finden sich am Luchs-Info-Point auf dem Parkplatz der Burg Wildenstein in Leibertingen. (bst)

 

 

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