Sigmaringen Zu wenige Bewerber für freie Lehrstellen im Kreis Sigmaringen

Die Auswahl für Bewerber ist groß: Die Zahl der Ausbildungsplätze ist auf 2760 gestiegen, wie die Agentur für Arbeit Balingen mitteilt, die auch für den Landkreis Sigmaringen zuständig ist. Aber dennoch klappt es nicht immer mit dem Ausbildungsplatz: weil es dem Bewerber an Motivation, Teamfähigkeit oder Zuverlässigkeit fehlt oder weil die Noten zu schlecht sind.

Das Angebot an Ausbildungsstellen ist erneut gestiegen und die Chancen, einen Ausbildungsplatz zu bekommen, sind so gut wie nie. Mit 2760 Angeboten sind es 282 mehr als im Vorjahr. Rein rechnerisch war die Zahl der gemeldeten Lehrstellen deutlich höher als die Zahl derjenigen, die in eine Ausbildung einsteigen wollten.

Von 1881 jungen Bewerbern berichtet Georg Link, Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Balingen, die auch für den Landkreis Sigmaringen zuständig ist. Mit einer Steigerung von 19,9 Prozent gegenüber dem Vorjahr ist der Landkreis sehr gut aufgestellt. "Unsere Statistik kann allerdings nicht alles abbilden", machte Link beim Pressegespräch zur Ausbildungssituation deutlich. Gesprächspartner waren auch Markus Brunnbauer von der Industrie- und Handelskammer Bodensee-Oberschwaben (IHK) und Karl-Heinz Goller von der Handwerkskammer Reutlingen (HW).

Georg Link, Agentur für Arbeit Balingen: "Wunsch und Wirklichkeit passen oft nicht zusammen."
Georg Link, Agentur für Arbeit Balingen: "Wunsch und Wirklichkeit passen oft nicht zusammen." | Bild: Karlheinz Fahlbusch
Karl-Heinz Goller, Handwerkskammer Reutlingen: "Wir haben noch 256 freie Lehrstellen."
Karl-Heinz Goller, Handwerkskammer Reutlingen: "Wir haben noch 256 freie Lehrstellen." | Bild: Karlheinz Fahlbusch

Die Berufsberatung und Ausbildungsstellenvermittlung der Arbeitsagentur ist eine freiwillige Sache. Oft kommen Suchende und Anbietende auch über andere Kontakte zusammen. Das Fazit dürfte aber immer gleich sein: Dem Fachkräftemangel kann nur durch ein gutes Ausbildungsangebot begegnet werden. Eigentlich müssten aber, bei dem schon jetzt bestehenden Angebot, alle Ausbildungsplätze belegt sein. Oder? "Das ist eben nicht so", sagt Link. Oft würden Berufswunsch und Ausbildungsangebot nicht zusammenpassen. Habe man in der Vergangenheit den Fokus darauf gesetzt, für jeden Bewerber ein Angebot zu finden, lege man jetzt den Schwerpunkt darauf, für jede gemeldete Ausbildungsstelle Nachwuchskräfte zu vermitteln.

Bezugnehmend auf die aktuelle Situation bei Alno in Pfullendorf hofft Link, dass die Firma doch noch weitergeführt werden kann. "Da wurden im Herbst noch neue Ausbildungsverträge abgeschlossen", berichtet er. Er ist zuversichtlich, dass man diese Azubis auch in anderen Betrieben unterbringen könne. "Allerdings ist die Holzbranche im Landkreis Sigmaringen nicht stark vertreten."

Es liegt nicht immer an der mangelnden Flexibilität von Bewerbern, wenn es nicht klappt mit einem Ausbildungsplatz. Oft fehlt es an der Motivation, der Teamfähigkeit oder der Zuverlässigkeit. Und wenn die geforderten Schulleistungen nicht vorhanden sind, dann wird es noch schwieriger. Georg Link kennt auch die Problematik der Mobilität im ländlichen Raum. "Bewerber unter 18 Jahren haben oft keine Möglichkeit, eine Ausbildungsstelle zu erreichen", weiß der Chef der Arbeitsagentur. Was viele nicht wissen: Es besteht die Möglichkeit, dass die Arbeitsagentur mit einem Zuschuss hilft, wenn ein Azubi eine Unterkunft braucht.

Markus Brunnbauer von der IHK setzt Hoffnungen auf das neue Fach Berufsorientierung an den Gymnasien. Denn auch Abiturienten gehören zur Zielgruppe, wenn es darum geht, Azubis anzuwerben. Im Kreis Sigmaringen ist die Stellenzahl auch bei jenen Betrieben gestiegen, die zur IHK gehören. 510 Angebote gab es dieses Jahr. Bei Bewerbern gut mit dabei sind junge Leute mit Mittlerer Reife. Aber: Mit sechs Prozent ist ein Höchststand an jungen Leuten erreicht, die keinen Schulabschluss haben. Derzeit gibt es 99 Ausbildungsverträge mit Flüchtlingen, die meisten von ihnen aus Syrien, Gambia und Afghanistan. "Nahezu ein Notstand herrscht in der Gastronomie", sagt Brunnbauer. Da sei es oft auch so, dass Azubis schon nach kurzer Zeit wieder aufgeben. Anspruch und Wirklichkeit würden nicht zusammenpassen.

Markus Brunnbauer, IHK Weingarten: "In der Gastronomie herrscht nahezu ein Notstand."
Markus Brunnbauer, IHK Weingarten: "In der Gastronomie herrscht nahezu ein Notstand." | Bild: Karlheinz Fahlbusch

Im Bereich des Handwerks gibt es auch noch keine Entwarnung. Aber: "Im Vergleich zu anderen Landkreisen schneidet Sigmaringen bei neuen Ausbildungsverträgen mit 338 gut ab", freut sich Karl-Heinz Goller von der Handwerkskammer Reutlingen. Bei den Bau- und Ausbaubetrieben kann man sogar den Spitzenwert von 17,6 Prozent vorweisen. Im Vergleich: Der benachbarte Zollernalbkreis kommt auf 6,8 Prozent. In der Lehrstellenbörse der Handwerkskammer Reutlingen sind noch 256 freie Ausbildungsplätze eingetragen.

Freie Stellen

Top 10 der freien Lehrstellen im Kreis:

1. Industriemechaniker (76)

2. Verkäufer (46)

3. Maurer (44)

4. Einzelhandelskaufmann (42)

5. Industriekaufmann (42)

6. Zerspanungstechniker (30)

7. Anlagenmechaniker Sanitär und Heizung (27)

8. Kaufmann Büromanagement (26)

9. Metallbauer (25)

10. Zahnmedizinischer Fachangestellter (25)

Ihre Meinung ist uns wichtig
Adventskalender - weil Vorfreude die schönste Freude ist
Neu aus diesem Ressort
Kreis Sigmaringen
Kreis Sigmaringen
Sigmaringen
Kreis Sigmaringen
Sigmaringen
Kreis Sigmaringen
Die besten Themen
Kommentare (0)
    Jetzt kommentieren