Kreis Sigmaringen Literatur in Oberschwaben seit 1945: Lesestoff über die Heimat

Werk analysiert die literarische Landschaft nach 1945. Spannende Beiträge von zehn regionalen Autoren sind im inhaltlich starken 304-seitigen Buch enthalten.

"Literatur in Oberschwaben seit 1945" heißt der Schmöker, den der Geschäftsführer der Gesellschaft Oberschwaben, Edwin Ernst Weber, herausgegeben hat. Ein 304 Seiten starkes Werk, das Gewicht hat, ein Kilogramm schwer und inhaltlich von gewichtiger Bedeutung ist.

Das Buch bietet einen Überblick über die bemerkenswerte Entwicklung Oberschwabens zu einer höchst lebendigen und vielfältigen Literaturlandschaft, die bis heute besteht. So erzählt Manfred Bosch, dass der literarische Aufbruch nach 1945 zunächst mit der französischen Besatzungspolitik in Verbindung gebracht werden müsse. Von diesen französischen Impulsen hatte man sich mit Gründung der Bundesrepublik ebenso schnell wieder abgewandt. Aus dieser Zeit habe es allein die "Fähre" in Bad Saulgau unter den Galerien vermocht, eine weiter wirkende, bis heute andauernde Existenz mit überregionaler Ausstrahlung zu sichern.

Als selbstloser Förderer gilt der Großschriftsteller von nationalem Rang, Martin Walser, der den talentierten Nachwuchs in zweiter und dritter Generation unterstützte. Auch die Institutionen der Literaturförderung wurden von ihm angestoßen, wie das Literarische Forum Oberschwaben, dessen 50. Geburtstag sich im Juli mit Erscheinen dieses Buches jährte. Entstanden war auch die Meersburger Autorenrunde und die Literaturstiftung Oberschwaben, als wichtigste Kristallisationszentren des Austauschs und der Talentsuche, wie es die Stadt Wangen im Allgäu anlässlich eines Festakts formulierte.

Prickelnd berichtet Ewald Gruber über die berühmte "Gruppe 47". Sie hatte sich mit hundert Schriftstellern, Verlegern, Literaturprofessoren und Journalisten vom 23. bis 27. Oktober 1963 in der Saulgauer "Kleber-Post" einquartiert. Das Aufeinandertreffen von literarischem Feingeist eines Hans Werner Richter, Heinrich Böll, Günter Grass, Hans Magnus Enzensberger und Uwe Johnson ließ die Kur- und Bäderstadt zur Hauptstadt der Weltliteratur werden – die Bevölkerung und heimische Blätter hingegen nahmen so gut wie keine Notiz davon.

Breiten Raum erhält der umstrittene Schriftsteller Ernst Jünger, der "vorläufig rehabilitiert" bei seiner Rückkehr auf dem Buchmarkt 1949 war, wie Jan Robert Weber ihn beschreibt. Von Jünger, der als Verfasser von "In Stahlgewittern" über den Ersten Weltkrieg nationalistisch gefärbte Versionen schuf, ist bekannt, dass er Adolf Hitler verehrte, als huldigender Wegbereiter des Nationalsozialismus galt. Innerlich emigriert, habe Jünger, der passionierte Käfersammler, sein Domizil in ländlicher Abgeschiedenheit in Wilflingen gefunden. Dort erhielt er 1959 die Ehrenbürgerwürde, dort empfing er die ihn verehrende hohe Politik. Man denke nur an die Besuche des Ex-Kanzlers Helmut Kohl.

In lesenswerten Beiträgen kommen bedeutende Autoren dieser Region zu Wort: Peter Bickle lehrte als Professor an der Universität Bern Neuere Geschichte. Manfred Bosch lebt als Schriftsteller in Konstanz und hatte die Kultur- und Literaturzeitschrift "Allmende" mitbegründet. Oswald Burger ist Historiker und Erforscher der Überlinger Zeitgeschichte. Anton Philipp Knittel fungiert als Mitherausgeber mehrerer Publikationen zu Heinrich von Kleist, veröffentlichte Monografien und Autobiografien. Ulrike Längle ist Schriftstellerin. Peter Renz widmete sich der Literaturwissenschaft, Linguistik und Politologie, ist freier Schriftsteller und Autor von Romanen, Drehbüchern, Hörspielen und Theaterstücken. Franz Schwarzbauer studierte Germanistik, Philosophie und Geschichte. Jan Robert Weber ist Studienrat und veröffentlichte Kritiken und Essays, vornehmlich für wissenschaftliche Periodika und Zeitschriften.

"Literatur in Oberschwaben seit 1945" ist im Gmeiner Verlag erschienen, in allen Buchhandlungen erhältlich und kostet 22 Euro.

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