Kreis Sigmaringen Kalkabbau-Gegner dringen nicht durch

Hohe Qualität des Rohstoffs auf dem Mittelberg hat mehr Gewicht. Der Planungsausschuss des Regionalverbands Bodensee-Oberschwaben plädiert mit deutlicher Mehrheit für das Vorhaben. Die Grünenvertreter begründen ihre ablehnende Haltung.

Steht die Ausbeutung von wertvollen Rohstoffen über den Belangen des Naturschutzes? Diese Frage hat der Planungsausschuss des Regionalverbandes Bodensee-Oberschwaben bei der Fortschreibung seines Regionalplanes deutlich beantwortet: Der Abbau hochreiner Kalke genießt für ihn auf dem Standort "Mittelberg" im Donautal bei Thiergarten (Gemeinde Beuron) absolute Priorität. Es sei zwar wegen der ökologischen und landschaftlichen Bedeutung des Donautals ein "grenzwertiger Standort", räumte der Geschäftsführer des Regionalverbands, Wilfried Franke, beim Tagungsmarathon im Bürgerhaus von Ennetach ein. Doch die Faktenlage spreche auch unter erheblichen Auflagen für sich: "Bei über 99 Prozent Reinheitsgebot dieses hochwertvollen Rohstoffes halten wir daran fest!"

Bürger haben ihren Unmut gegen die Pläne an eine Scheune geschrieben. Bild: privat
Bürger haben ihren Unmut gegen die Pläne an eine Scheune geschrieben. Bild: privat | Bild: privat

Und dies trotz allen Widerstands von Bürgerinitiativen, die den Artenschutz gefährdet sehen, die die Zerstörung eines Naherholungsgebietes und einen massiv aufs Spiel gesetzten Tourismus befürchten. Ein Genehmigungsverfahren ist bereits eingeleitet worden. Vom Grundeigentümer, dem Haus Fürstenberg, ist in Verbindung mit einem Unternehmen der Antrag auf Abweichung vom Ziel des Teilregionalplanes "Oberflächennahe Rohstoffe" zum vorzeitigen Kalkabbau beim Regierungsbezirk Tübingen bereits gestellt worden. Die dortige Fachverwaltung und das Landratsamt Sigmaringen müssten jedoch die Unbedenklichkeit des Vorhabens noch bestätigen, was bis dato noch nicht geschehen ist.

Ein weiteres Abbaugebiet des Kalksteinbruchs im Kesselabbau auf der Gemarkung Glashütte der Gemeinde Stetten a.k.M. liege dagegen im "schutzbedürftigen Bereich für die Wasserwirtschaft", informierte der zum Thema Kalkabbau ausführlich referierende Verbandsfachmann Ulrich Donath die Versammelten. So gelte es in diesem bedeutsamen Wasserschutzgebiet vorrangig, die Region als elementare Lebensgrundlage für die langfristige Vorsorge der Bevölkerung umfassend zu gewährleisten.

Darüber hinaus sind durch den Regionalverband vier weitere Standorte in Stetten a.k.M. beurteilt worden. So das Gebiet "Ried-Kohlstättle" (Standort Stetten 1 mit 35 Hektar) nördlich von Nusplingen. Dazu gäbe es zwar günstige Prognosen in Bezug auf Abbau, Transport und Sprengemissionen und wegen der gemutmaßten Vorräte. Doch die Erkundung der Vorkommen über Kernbohrungen in 80 bis 100 Meter Tiefe habe die Gemeinde nicht zugelassen, beklagte Franke. Sollte "Mittelberg" vom Landratsamt nicht genehmigt werden, sei beabsichtigt, den Standort "Stetten 1" zum Vorrangbereich für den Kalkabbau aufzustufen, der über das größte Lagerstättenpotenzial verfüge und im Hangabbau zu gewinnen sei. Der Suchraum Stetten 2 (15,6 Hektar) und 3 (12,5 Hektar) östlich von Storzingen würde Weißkalke in kleinen Körpern aufweisen. Während Stetten 2 wegen des Einspruchs der Gemeinde zurückgenommen wurde, würde der Regionalverband den Standort "Stetten 3" weiter als Vorbehaltsgebiet im Sinne der langfristigen Absicherung der Rohstoffversorgung mit in die Fortschreibung des Regionalplanes aufnehmen.

Ausschussmitglied Helmut Bussmann von der Fraktionsgemeinschaft der Grünen sah damit das Konfliktpotenzial einer erheblichen Beeinträchtigung von Natura 2000, dem zusammenhängenden Netz von Schutzgebieten innerhalb der Europäischen Union, beschrieben. Er frage sich nicht nur, ob den Stettenern eigentlich bewusst sei, welcher Verkehr durch den Transport diesen Ort belasten würde, er kam auch zu dem Schluss, dass "die Besitzverhältnisse des Bahnhofs sich in fremder Hand befinden und deshalb wohl eine Bahnverladung unwahrscheinlich geworden ist." Seine Fraktion hätte einer ersten Beschlussfassung zum Standort im Herbst vergangenen Jahres mit großen Bauchgrimmen zugestimmt: Nunmehr seien aus dem Bauchweh aber Magenkrämpfe geworden, betonte der Grünenvertreter. Den Standort Stetten 1 und eine Abwicklung über die Panzerstraße der Bundeswehr hätte seine Formation deutlich bevorzugt: "Von dort hätte man das Material wunderbar auf den Storzinger Bahnhof fahren können."

"Fakt ist, dass der Standort Mittelberg voll erkundet ist und der Vorhabensträger das machen will", bekräftigte Franke, weshalb der Regionalverband den genehmigungsfähigen Standort "Mittelberg" wegen seiner besonderen Lagerstättenqualität zum "Vorranggebiet für den Aubbau" aufstufen möchte. Sein Mitstreiter Ulrich Donath sprach gar von einer "Alternativlosigkeit in punkto Rohstoffe".

Und auch der Verbandsvorsitzende Thomas Kugler sah letztendlich in der Beschlussfassung zum Zielabweichungsverfahren für den Beuroner Standort den "einzig gangbaren Weg, den wir so akzeptieren sollten." Bei zwei Gegenstimmen und zwei Enthaltungen stimmte das Auditorium schließlich dieser Vorlage eindeutig zu. Damit ist die Verbandverwaltung beauftragt, die rechtlich erforderlichen Begründungen und Plansätze weiter auszuarbeiten, mit der Zielstellung, einen zur öffentlichen Auslegung fähigen Fortschreibungsentwurf zu fertigen.

Regionalverband

Der Regionalverband Bodensee-Oberschwaben (RVBO) ist Träger der Regionalplanung für das Gebiet der Landkreise Bodenseekreis, Ravensburg und Sigmaringen. Er umfasst damit eine Fläche von rund 3500 Quadratkilometer und eine Einwohnerzahl von knapp 600 000 Menschen. Bei der aktuellen Fortschreibung des Regionalplans geht es auch um die Gebiete zur Gewinnung oberflächennaher Rohstoffe. Behandelt wird das Zielabweichungsverfahren zum Standort "Mittelberg" der Gemeinde Beuron. Der Abbauzeitraum auf einer Fläche von 9,5 Hektar soll rund 25 Jahre betragen. Die Einschätzung des Gutachters im Rahmen der strategischen Umweltprüfung ist vom Verband zur Beurteilung an die Genehmigungsbehörde weitergeleitet worden. (jüw)

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