Kreis Sigmaringen Bahnelektrifizierung sichert die Zukunft

Die Finanzierung des Sigmaringer Streckenabschnitts ist aber noch völlig unklar. Verkehrsminister Winfried Hermann lädt zur Anhörung Anfang Mai, dann stellt er sein Konzept vor.

 Landesverkehrsminister Winfried Hermann hat sich ehrgeizige Ziele abgesteckt: Das Südwest-Schienennetz soll in den nächsten zwei Jahrzehnten nahezu komplett elektrifiziert werden – bislang sind es etwa 60 Prozent von insgesamt 4100 Kilometern. Die planerische Umsetzung betrachtet der Minister als wichtigen Beitrag zum Erreichen der Klimaschutzziele, die Grünen-Fraktion heißt dies als dringend notwendigen Schritt zu einem emmissionsarmen und leistungsfähigen Schienenverkehr gut.

Auch Andrea Bogner-Unden, die Sigmaringer Landtagsabgeordnete der Grünen, begrüßt Hermanns Offensive ausdrücklich. "Im High-Tech-Land Baden-Württemberg muss das ganze Schienennetz unter Strom stehen. Es ist gut, das die grün-geführte Landesregierung die Elektrifizierung energisch vorantreibt und dafür richtig viel Geld in die Hand nimmt".

Die Kostenhöhe von einer Milliarde Euro, die die Grüne in ihrer Mitteilung angibt, und die größtenteils vom Bund und mit 280 Millionen Euro vom Land gestemmt werden, betreffen allerdings nicht die Maßnahme von Albstadt-Ebingen nach Sigmaringen. Diese steht im vordringlichen Bedarf/Lückenschlüsse und ist erst in der zweiten Tranche aufgelistet, die Strecke soll bis 2025 elektrifiziert werden. Wobei zur "Klärung der Finanzen auf unserem Abschnitt noch vieles offen ist", wie Landrätin Stefanie Bürkle auf Anfrage des SÜDKURIER im Telefonat verdeutlichte. Als grobe Kostenschätzung würden 220 Millionen Euro genannt, sagte die Kreischefin und das ein Sonderfinanzierungsprogramm durch den Bund noch zu erwarten sei. Weitere Aufklärung dürfte Verkehrsminister Winfried Hermann liefern, der Landtagsabgeordnete, Landräte und Bürgermeister für den 2. Mai nach Stuttgart eingeladen hat, um in einer öffentlichen Anhörung sein Elektrifizierungskonzept für den Schienenverkehr vorzustellen.

Dass der Ausbau für den Landkreis von enormer Bedeutung ist, steht für alle außer Zweifel, die zur Forcierung der Maßnahme beigetragen haben. Denn Fakt ist, dass nur so die Direktverbindung nach Stuttgart und die aktuelle Fahrzeit von etwa zwei Stunden von der Kreis- in die Landeshauptstadt im Zuge der Umsetzung von Stuttgart 21 gewährleistet bleibt. Schließlich ist es mit der Fertigstellung des Umbaus vom Stuttgarter Kopfbahnhof in einen unterirdischen Durchgangsbahnhof den mit Diesel betriebenen Triebwagen nicht mehr erlaubt, dort einzufahren.

Beim dritten Abschnitt geht es um langfristige Projekte. Hierzu zählt die Zollernalbbahn im Abschnitt zwischen Sigmaringen und Aulendorf und parallel die Donautalbahn von Ulm nach Tuttlingen. Hierbei dürften auch wirtschaftliche Aspekte, wie die Höhe des Fahrgastaufkommens, eine Rolle spielen. Auch wenn eine Realisierung erst nach 2030 erfolgen würde, zählt Andrea Bogner-Unden beide Bahnen zu den wichtigsten Zukunftsvorhaben: "Sie tragen wesentlich zu einem nachhaltigen leistungsfähigen Schienenverkehr bei". Dass die Strecke bis Aulendorf unter Strom gesetzt wird, wäre auch ein Anliegen der Bad Saulgauer Bürgermeisterin Doris Schröter, zumal die größte Kreisstadt hier Haltestation ist. Landrätin Stefanie Bürkle bestätigt, dass man dieses Ziel nicht aus den Augen verlieren dürfe, es durchgängige Verbindungen geben müsse. "Man muss aber realistisch sein und die Sache in Etappen angehen", betont die Landrätin. Sie weist auf in diesem Zusammenhang auf technische Veränderungen hin. So würde gerade die Hybrid-Technologie getestet, bräuchte es bei einer erfolgreichen Umrüstung womöglich gar keine Elektrifizierung mehr. "Das könnte für den Abschnitt interessant sein", so die Landrätin.

Nebenstreckenausbau

Die Umsetzung der Elektrifizierung der Regionalstadtbahn Neckar-Alb (Tübingen/Reutlingen) auf einer Länge von 131 Kilometern ist vom Landesverkehrsministerium im ersten Schritt bis zum Jahre 2023 vorgesehen. Das betrifft auch die Nebenstrecke von Hechingen, die eigentlich nur bis Burladingen konzipiert worden ist. In einer gemeinsamen Feststellung sind nun der Zollernalbkreis und der Landkreis Sigmaringen übereingekommen, die Strecke weiter bis in die Stadt Gammertingen "durchelektrifizieren" zu wollen. Dies würde Sinn machen, sagt Landrätin Stefanie Bürkle.

Die Kosten dürften geschätzt bei 900 000 Euro liegen. Anteilig würde die Sigmaringer Kreisverwaltung die in ihrem Landkreis befindliche Strecke mitfinanzieren. So sind im Kreishaushalt 177 000 Euro für 2017 und 200 000 Euro für 2018 eingestellt worden, wie Bürkle erklärte. In der Anhörung, die für den 2. Mai im Stuttgarter Ministerium angesetzt ist, würden die beiden Kreisverwaltungen eine Verlängerung der Bahnstrecke von Burladingen nach Gammertingen vorschlagen. (jüw)

Ihre Meinung ist uns wichtig
Die leckersten Gins vom Bodensee und Schwarzwald
Neu aus diesem Ressort
Kreis Sigmaringen
Kreis Sigmaringen
Kreis Sigmaringen
Kreis Sigmaringen
Kreis Sigmaringen
Kreis Sigmaringen
Die besten Themen
Kommentare (0)
    Jetzt kommentieren